Herr der Ringe auf Amazon: Fadesse in Mittelerde

Nach sechs Folgen der neuen Herr der Ringe Serie namens "Die Ringe der Macht" ist es Zeit ein (spoilerfreies) Fazit zu ziehen. Und dieses fällt eher durchwachsen aus.
Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 30.09.2022 um 10:24 Uhr

Rund 500 Millionen Dollar Produktionskosten steckte Amazon in seine Herr der Ringe Serie. Die Ringe der Macht war als DAS Highlight im Streaming-Herbst 2022 angekündigt. Aber schon bei den Trailern kamen Zweifel auf. Fans von Herr der Ringe waren mehr als skeptisch. Diese Skepsis legte sich zwar mit Start der Serie - sie ist aber bei uns mittlerweile einer Fadesse gewichen. In den ersten sechs Folgen geht es superzach dahin.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. So könnte man die Serie beschreiben. Die ersten sechs Folgen (zu sehen auf Amazon Prime) erklären die Welt, die Akteure und das Setting. Ganz kurz: Nach dem Sturz des Oberbösewichtes Morgoth sucht Galadriel nach seinen Handlangern, allen voran dem Ober-Oberbösewicht Sauron. So weit so schwierig, zwischen den Kriegen gegen das Böse vergehen nämlich in Mittelerde Jahrhunderte und alleine diese Tatsache lässt schon das Vergessen in Mittelerde einziehen. Niemand glaubt mehr an Sauron.

Von verbissenen Elben, behaarten Füßern und ahnungslosen Menschen

Nur eine sucht nach wie vor wie eine Besessene nach Sauron: Galadriel. Ja, die kennen wir aus den Herr der Ringe Filmen, die gute Dame ist nämlich steinalt, denn Elben sind unsterblich (außer sie werden ermordet). Die hat, tausende Jahre vor den Filmen, ihre Sturm und Drang-Zeit und fegt durch Mittelerde und Numenor um das Böse aus Mittelerde vertreiben zu können. Dann treffen wir noch auf einen weiteren bekannten Charakter: Elrond, der kämpft sich mit den Zwergen ab.

Die Menschen in den Südlanden sind hingegen ziemlich ahnungslos. Es kommt aber eine gewaltige böse Macht auf sie zu, die aber vorerst ignoriert wird á la "Don't look up". Die Zeichen sind da, werden aber vom Großteil ignoriert, bis es dann fast zu spät ist. Aja und da wären noch die Haarfüßer - Vorläufer der Hobbits - die durch Mittelerde ziehen und einen mysteriösen Fremden bei sich aufnehmen. Und nicht zu vergessen die etwas arroganten und xenophoben Menschen auf der Insel Numenor, die dann doch nach Mittelerde reisen.

Fazit: VIEL Luft nach oben

Die ersten fünf Folgen sind sehr langatmig, Folge 6 wird dann zwar actionreicher aber trotzdem fehlt irgendetwas. Für uns zum Beispiel eine Bindung an die Akteure. Ja, Galadriel, Elrond und ein paar nette Hobbits, das ist alles schön und gut aber man entwickelt nicht wirklich eine Bindung an die Figuren. Zumindest geht es uns so. Auch nach Folge 6 schaltet man den Fernseher ab und naja es war eine nette Fantasy-Stunde.

Optisch ist die Serie opulent, man hätte aber gut getan etwas mehr Geld in gute Schreiber zu investieren, denn die Story ist mau. Ein kleines Völkchen am Südrand von Mordor MUSS von den Elben und einer weit entlegenen Insel gerettet werden. Auch eine Investition in Kampftraining wäre ratsam gewesen, denn die Kampfszenen in Folge 6 wirken teilweise unrealistisch inszeniert und sehr hektisch. Zwei Folgen bleiben noch in der ersten Staffel und es gibt noch einige Dinge aufzulösen. Insgesamt sollen es fünf Staffeln werden. Wir sind gespannt ob es dabei bleibt.