Alles Finster: Der ORF tappt im Dunkeln

Ein 50-Seelen-Dorf in der Neunkirchner-Pampa dient als Kulisse für die neue Serie "Alles Finster", die seit 25.April auf ORF 1 läuft. Und es werden die typischen Klischees eines kleinen Dorfes bedient. Die Serie beginnt mit einem Fußballspiel gegen den verfeindeten Nebenort. Hier ist auch das einzige kleine "Highlight" zu sehen: Roman Mählich mimt nämlich den Schiedsrichter. Aber das wars dann auch mit den guten Seiten. Die ersten beiden Folgen der Serie plätschern dahin - das große Thema dahinter, nämlich das Blackout ist nur durch den fehlenden Strom und die Radiomoderationen von Robert Kratky präsent. Der Rest ist Schmierentheater der übelsten Sorte.

Warmes Bier und das Bundesheer als Witzfigur

Nach dem Blackout treffen sich die Dorfbewohner bei der Wirtin, gemimt von Hilde Dahlik und naja das größte Problem scheint das warme Bier zu sein. Aber auch Bundesheer und Behörden kommen schlecht weg. Der übergewichtige Major sitzt in der Funkstation und bastelt aus heillos veraltetem Gerät ein Funkgerät, während seine Kollegin die Waffenkammer aufsprengen muss, weil der Schlüssel verloren gegangen ist. Auch die restlichen Behörden scheinen komplett überfordert, das lässt sich aus den Radioberichten die immer wieder eingestreut werden erahnen. 

Die restliche Handlung ist plump. Eine ängstliche Ex-Fussballerin die ihre Depression an ihrem Freund/Mann auslässt. Ein abgehalfterter, dauertschikender Bürgermeister der auf der Suche nach Benzin durch die Gegend irrt. Ein Dorftrottel der ein kleines Schwein namens "Schnitzerl" füttert. Ein osteuropäischer Pfarrer der sich in die Dorfwirtin verliebt und ein Familienvater, der mit Frau und Sohn überfordert ist. Dazu noch ein Querdenker, der über Echsenmenschen sinniert und wichtige Funkfrequenzen blockiert. 

Ernstes Thema, komplett verhunzt

Jetzt ist aber das größere Thema, nämlich ein europaweites Blackout, sicher ein ernstes und beachtenswertes. Ein totaler Stromausfall hat natürlich ernste Konsequenzen wie die komplett ausfallende Infrastruktur. Nicht mal Supermärkte haben dann nämlich noch offen. Warum aber dieses Thema gerade nach einer globalen Pandemie (die noch immer nicht ganz überwunden ist) und während einem der schlimmsten Kriege seit Jahrzehnten auf die Seher losgelassen wird, ist natürlich hinterfragenswert. Neben Virus- und Kriegsangst soll auch noch Blackoutangst herrschen. Ehrlich gesagt ist es bald mal genug der Angst.

Wenn sich überhaupt ein positiver Aspekt aus dieser Serie ziehen lässt wäre es jener, dass sie Pflicht für jeden Verantwortlichen in diesem Land sein müsste. Eingesperrt in einem Kino mit anderen Verantwortlichen müsste dieses Unwerk an einem Stück konsumiert werden um zu sehen wie man es nicht macht, wenn in ganz Europa der Strom ausfällt. Denn es ist eine Sache immer wieder von einem Stromausfall zu reden und dann aber keine Pläne für den Notfall zu haben. Wenn dies der realistischte Aspekt der Serie ist, dann Gute Nacht!

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 26.04.2022