So viel Sex hatten wir im Sommer

Ob Single oder glücklich vergeben: Unserem Liebesleben hat die Pandemie tatsächlich gutgetan. Knisternde Begegnungen und intensive Stunden zu zweit: Die vergangenen Monate gehen bei vielen als der „Summer of Love“ in die Erinnerung ein. Ausgehungert nach Lockdowns, Pandemie-Stress und mangelnden Möglichkeiten haben die unbeschwerten Sommermonate zum Ausleben und Nachholen verführt. Ob in einer Beziehung oder nicht – die Krise hat bei vielen den Reset-Button in punkto Leidenschaft gedrückt. Und von wegen prüdes Zeitalter: Wir sind während der Epidemie in der Erotik experimentierfreudiger geworden. Aber gehen wir einen kleinen Schritt zurück.

Qualität statt Quantität

Zuerst die schlechte Nachricht: Für mehr Paare als sonst hat das tatsächlich einen Neustart ohne den anderen bedeutet. Aber jene, die die Krise gemeinsam gemeistert haben, berichten im Nachgang von einer völlig neuen Qualität – auch im Schlafzimmer. „Paare haben während der Pandemie gelernt mehr und besser miteinander zu kommunizieren“, sagt Dr. Justin Lehmiller, Mc Kinsey Institut. Im Auftrag von Lovehoney hat er eine Studie zu Beziehung und Sex während und nach der Pandemie durchgeführt. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Paare haben sich während den Lockdowns zwar tatsächlich seltener geliebt. Dafür berichtet der Großteil der Männer und Frauen, dass ihr Partner besser auf Wünsche und Vorstellungen eingeht, sie mehr Leidenschaft empfinden und mit ihrem Liebesleben zufriedener sind als zuvor.

Singles leben sich aus

Auch an Singles ist die fordernde Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Zu Beginn der Lockdowns haben vor allem sie sich Sorgen um ihr Sexleben gemacht. Panik, unfreiwilliges Zölibat und Einsamkeit haben die Gefühlswelt dominiert. Im Sommer 2021 hatten viele das Bedürfnis zu kompensieren. Leidenschaft, Intimität, Prickeln: Das alles wollte nachgeholt werden! Spannenderweise gab es zeitgleich eine widersprüchliche Entwicklung: Gerade Singles sind noch geiziger mit ihrer „Me-Time“ geworden, also jener Zeit die sie ausschließlich mit und für sich selbst gestalten. Aber: Ein Drittel der befragten Alleinstehenden in der Studie sagen, dass ihr Sexleben jetzt besser ist als zuvor. Wie kann das sein?

Es wird mehr masturbiert

Die Antwort ist ein kleines Tabu, das zeitgleich ein wichtiger Faktor für die Gesundheit ist: Masturbation. Fast 40 Prozent haben sich während der Pandemie häufiger sich selbst gewidmet als zuvor. Kein Wunder: Stressredukation, Bindung – und wenn nur zu uns selbst – und Genuss hatten auch und gerade in der Pandemie einen wichtigen Stellenwert.

Selbstbefriedigung verbessert den Sex

Kann das das Erlebnis mit dem Partner ruinieren? „Im Gegenteil!“, sagt Dr. Lehmiller. „Wenn man sich selbst besser versteht, hat das positive Auswirkungen auf unsere Verbindung zu anderen.“ Wenn man weiß, was man will und nicht will, ist es leichte Grenzen zu setzen, Bedürfnisse zu kommunizieren und auf die Wünsche des anderen einzugehen.

 

Autor: Stefanie Hermann, 16.09.2021