OÖ-Ratgeber: Ohne Streit durch den Urlaub

Psychologen und Rechtsanwälte haben gegen Ende des Sommers die Hände voll zu tun. So wie Weihnachten eine sensible Zeit für Paare ist, verläuft auch der Sommer samt Urlaub nicht immer reibungslos. Für die Klinische und Gesundheitspsychologin Isabella Woldrich völlig logisch: „Man verbringt viel mehr Zeit miteinander und dabei entstehen natürlich auch häufiger Reibungspunkte, als das im Alltag vielleicht der Fall ist.“

Die Streit-Auslöser sind für jedes Paar verschieden, es lassen sich aber Verhaltensmuster entdecken. Manche Paare etwa streiten zu Hause viel, aber kaum sind sie auf Urlaub, sind sie ein Herz und eine Seele. Diese Paare haben, so scheint es, im Alltag sehr viel Stress und nutzen den Urlaub um sich beide so richtig zu entspannen und genießen die gemeinsame Zeit.

Andere Paare wiederum funktionieren perfekt im Alltag, aber kaum reisen sie in die Ferien, haben sie sich auch schon in den Haaren. Hier, so Isabella Woldrich, können zu hohe Erwartungen an den Urlaub ein Hindernis ein. Der Wunsch: Die Reise soll perfekt sein. Schließlich geht man nur einmal im Jahr auf großen Sommerurlaub. Läuft dann aber nicht alles genau nach Plan, bricht ein Krach los. „Der Urlaub hat viel Geld gekostet, daher will man jede Minute davon glücklich sein“, erklärt die Psychologin und Autorin.

Reden. Reden. Reden.

Viele Paare haben einfach verschiedene Vorstellungen davon, wie der perfekte Urlaub aussehen soll. Isabella Woldrich: „Der Klassiker: Sie will eine Kirche besuchen, er will mit dem Motorrad ausfahren.“ Wenn die Interessen und unausgesprochene Erwartungen an den Urlaub massiv auseinandergehen, dann ist der große Krach eigentlich vorprogrammiert.

Um Streitereien im Urlaub aus dem Weg zu gehen, hilft es, sich vor der Reise mit dem Partner über die bevorstehende gemeinsame Zeit zu unterhalten. Jeder legt auf den Tisch, was er sich vom Urlaub konkret erwartet. Die Psychologin erklärt: „Wenn der Mann sagt, er möchte 14 Tage am Pool verbringen, Bier trinken und vom stressigen Job abschalten, dann kann sich die Partnerin zumindest darauf einstellen“. Wenn die Frau im Urlaub etwas spannenderes unternehmen möchte, kann sie ihr eigenes Sightseeing-Programm austüfteln – und auch durchziehen.

Wichtig ist es, seine Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen und sich nicht ständig aufzuopfern, nur um dem Gegenüber „einen Gefallen zu tun“, so Isabella Woldrich. Wenn man stillschweigend dem Urlaubsprogramm des anderen folgt, man dabei aber keinen Spaß hat, dann wächst langsam die Unzufriedenheit – und kann sich z.B. in einem Wutausbruch oder Streit entladen.

Die liebe Familie

Vor allem wenn man als Familie mit Kindern verreist, sollte vorher gut besprochen werden, wer sich um den lieben Nachwuchs kümmert. In vielen Familien übernimmt die Frau im Alltag die Rolle der Betreuerin, möchte daher im Urlaub gerne Zeit für sich selbst genießen und Shoppen oder sich in einem Spa verwöhnen lassen.

Umgekehrt hat der Mann oft einen stressigen Alltag im Job und möchte ebenfalls in Ruhe ausspannen. Hier schlägt Isabella Woldrich vor, ein Hotel mit einem guten Kinderprogramm auszusuchen. Dann haben die Kleinen Spaß an Strand und Pool, während die Eltern Zeit für sich alleine oder zu zweit haben können. „Das heißt nicht, dass jeder sein eigenes Programm durchziehen sollte und man sich nur zum Abendessen trifft – aber eine gesunde Mischung aus gemeinsamen Unternehmungen und Raum für individuelle Bedürfnisse und Ruhe trägt viel zu einem harmonischen Miteinander bei“, erklärt die Psychologin.

Zur Person

Isabella Woldrich ist Klinische- und Gesundheitspsychologin in Linz. Beziehungstipps gibt die Autorin zweier Bücher auch in ihren Kabarett-Programmen. Mit „Artgerechte Männerhaltung“ ist sie etwa am 16. September im Volksheim Stadl Paura zu sehen.

Autor: Gerlinde Vierziger, 21.07.2015