„Hund sucht Chef“ – Hundetrainer Florian Günther im Gespräch

Der Salzburger baute Österreichs größte Hundeschule "Der Hundeflo" auf und sorgt für ein stressfreies Leben mit Fellnasen. Florian Günther betreibt seit zehn Jahren die Hundeschule und trainierte bisher rund 1.500 Tiere. Er selbst besitzt einen Labrador und einen Belgischen Schäferhund.

An Wochenenden stehen außerdem Seminare und Workshops an verschiedenen Standorten auf dem Hundeflo-Programm. Dazu gehören unter anderem ein Intensiv-Workshop sowie ein Giftköder- und "Schussfest bis Silvester"-Seminar. Mit den sogenannten "Train & Fun"-Veranstaltungen wird eine Kombination aus Urlaub und Hundetraining angeboten. Von Italien bis Schweden werden jährlich verschiedene Reiseziele angesteuert, heuer geht es u. a. nach Grado und Caorle.

Alle Infos unter www.derhundeflo.at.

Welche Ausbildung er absolviert hat, was seine größten Hürden waren und worin sein Erfolgsgeheimnis liegt, erzählt er im Gespräch mit Weekend.

Hundeflo Florian Günther | Credit: Der Hundeflo

Meine Tätigkeit in kurzen Worten: Kurz und knapp, ich erziehe Hunde! Ich bringe sowohl Welpen als auch älteren Hunden zum Beispiel bei, an der Leine zu gehen oder wie man sich bei Begegnungen mit anderen Hunden verhält. Mittlerweile betreue ich rund 30 Franchisenehmer und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Meine Ausbildung: Ich habe viel mit Dienst-, Sport-, aber auch mit Jagd- und Begleithunden gearbeitet. Im Gegensatz zu heutigen, professionellen Hundetrainerausbildungen war das ein "Learning by Doing". Mein Handwerk habe ich unter anderem in der Schweiz, in Belgien und Holland erlernt. Für mich ein maßgeblicher Mentor war Uwe Heiß – er gilt im deutschsprachigen Raum als Koryphäe in puncto Jagdhunde.

So habe ich mein Talent erkannt: Das ist schwer zu sagen! Ich konnte immer gut mit Tieren und hatte schon als Kind eine spezielle Bindung zu ihnen.

Ich bin stolz darauf… vor zehn Jahren ein Einmannunternehmen als größte Hundeschule Österreichs etabliert zu haben.

Mein Erfolgsgeheimnis: Fleiß und immer wieder aufstehen,  jeden Tag nach vorne sehen und sich für keine Arbeit oder Anstrengung zu schade sein. Und eine Portion Sturheit beim Verfolgen seines Weges.

Meine größte Hürde war: Mein Erziehungskonzept den Menschen aufzuzeigen und es ihnen begreiflich zu machen. Viele glaubten mir nicht, dass man bereits nach einer Stunde massiven Erfolg sehen kann. Noch heute fällt es einigen Menschen schwer, das zu glauben.

Wäre ich nicht Hundetrainer, dann … würde mir ein kleines Restaurant zu haben gefallen oder eine Tierdoku zu moderieren, bei der man weltweit unterwegs ist. Da gäbe es vieles!

Jeden Donnerstag gibt er im "ORF Studio 2" Tipps für den Umgang mit Fellnasen und auch Fußballstar Jérôme Boateng vertraut auf sein Können. Wir haben mit dem "Hundeflo" über seine Methoden und lustigsten Fälle gesprochen.

Weekend: Herr Günther, wie sind Sie dazu gekommen, als Hundetrainer zu arbeiten?

Florian Günther: Die Zusammenarbeit mit Hunden hat mich seit jeher fasziniert, obwohl ich in keinem klassischen Hundehaushalt aufgewachsen bin. Ich selbst habe seit vielen Jahren Vierbeiner an meiner Seite und meine Passion quasi zum Beruf gemacht. Nach meiner Ausbildung zum Diensthundeführer machte ich mich als Hundetrainer selbstständig und gründete vor zehn Jahren den "Hundeflo". Unsere Erziehungsmethoden werden sehr gut angenommen, mittlerweile habe ich rund 1.500 Hunde erfolgreich trainiert.

Weekend: Sie gelten als Profi, Ihre Methode als besonders erfolgsversprechend. Wie kann man sich das System vorstellen, mit dem Sie Hunde erziehen?

Florian Günther: Ich hinterfrage nicht, was ein Hund mir mit einem Blick oder einer Geste sagen will. Das funktioniert ja meist nicht mal bei meiner Freundin (grinst). Der Mensch ist überheblich zu glauben, er könne den Hund verstehen. Tut er nämlich nicht. Bei "Der Hundeflo" arbeiten wir mit einer klaren Kompetenzverteilung zwischen Mensch und Tier, mit nur wenig Leckerli-Motivation, einfachen Kommandos und in realen Lebensumfeldern. Das kommt dem Schwarz-Weiß-Denken eines Hundes am besten entgegen. Das heißt nicht, dass man ultrastreng sein muss. Aber ein Hund muss gehorchen. Kommt er auf Kommando nicht zu mir, werfe ich ihm schon mal ein Taschentuch-Päckchen hinterher – er weiß sofort, dass etwas nicht stimmt. Für viele schon ein No-Go.

Weekend: Was sind die häufigsten Probleme, mit denen Hundebesitzer kämpfen?

Florian Günther: Es gibt drei Hauptgründe, warum Menschen zu mir kommen: der Hund zieht an der Leine, kommt auf Befehl nicht zurück und/oder es gibt Probleme bei Begegnungen mit anderen Hunden. All das bringen wir den Tieren bei, damit das Zusammenleben für beide Seiten eine Bereicherung ist. Ich arbeite auch mit Hunden, die aggressiv auf Menschen reagieren, das ist aber die Ausnahme.

Weekend: Trotzdem kommt es immer wieder zu Hundeattacken. Liegt das an fehlender Erziehung und somit am Besitzer oder am Hund selbst?

Florian Günther: Das große Problem, dass einem aggressiven Verhalten meist vorausgeht, ist, dass ein Hund nicht mehr wie ein Hund und oftmals besser als Mitmenschen behandelt wird. Die Tiere werden völlig verhätschelt und man überträgt ihnen damit zu viel Verantwortung. Das versteht ein Hund nicht und er gerät in Stresssituationen, in denen er nicht so reagiert, wie wir Menschen uns das vorstellen. Sondern eben wie ein Hund – er bellt, zieht an der Leine oder beißt zu. Aggressives Verhalten resultiert meist aus Unsicherheit und fehlender Führung durch Menschen.

Weekend: Das heißt, ein Hund braucht einen Chef?

Florian Günther: Ein Hund will einen Boss! Er ist ein Rudeltier, will geführt werden und fühlt sich in hierarchischen Strukturen wohl. Hunde brauchen Führung, denn durch Autorität bauens sie eine Bindung zum Menschen auf.

Weekend: Der bekannte US-Hundetrainer Cesar Millan arbeitet mit Methoden wie Elektro-Schocks und Stachelhalsbänder. Wie stehen Sie dazu?

Florian Günther: Cesar Millan arbeitet immer mit demselben Hundetyp. Die tendenziell aggressiven Tiere bringt er mit Korrekturen auf Kurs und stellt Fehlverhalten ab. Seine Methoden, wie Elektro- oder Stachel-Halsbänder, sind in Österreich gar nicht erlaubt. Viele Trainer beschweren sich über seine Arbeitsweise, generell ist er aber gut für unsere Branche. Dank seiner Show werden Hundebesitzer auf Coachings aufmerksam und nehmen das Angebot hierzulande in Anspruch.

Weekend: Stimmt es, dass Sie auch den Hund von FC Bayern München-Spieler Jerome Boateng trainieren?

Florian Günther: Jérôme und sein XXL Bully Cassius sind seit sechs Monaten bei mir im Training und machen tolle Fortschritte. Ich habe auch schon mit anderen prominenten Vierbeinern gearbeitet, darunter Kathi Wörndls Leonberger oder Thomas Winklhofers Border Collie. Ich mache aber keinen Unterschied zwischen Promi- und Ottonormalverbraucher-Hund – gehorchen müssen sie schließlich alle (grinst).

Weekend: Sie legen Wert auf einen gewissen „Hundeetikette“ – was darf man sich darunter vorstellen?

Florian Günther: Das betrifft einzig und allein den Menschen und heißt, dass jeder Besitzer darauf achten muss, dass sein Hund die Umwelt nicht beeinträchtigt. Dazu gehört, dass Häufchen wegzuräumen, dass der Hunde in Restaurants oder anderen öffentlichen Orten nicht unangenehm auffällt oder man ihn bei Bedarf anleint. Diesen Part muss der Mensch übernehmen, da ein Tier dafür kein Verständnis hat und nur dann in der Gesellschaft funktionieren kann, wenn es Grundbefehle kennt und ausführt.

Weekend: In Ihrer Hundeflo-Akademie bilden Sie Hundetrainer aus. Welche Voraussetzungen sind nötig?

Florian Günther: Ein Trainer sollte über Hausverstand verfügen, gerne mit Menschen und Hunden arbeiten sowie nichts gegen Outdoor-Arbeit haben. Was ich nicht gebrauchen kann, sind Personen mit einem "Hunde-Helfer-Syndrom". So einer kann keinen Hund erziehen, geschweige denn führen. Wir sind mit aktuell 22 Trainern die größte Hundeschule Österreichs. Zwei Mitarbeiter widmen sich ausschließlich der Ausbildung von Nachwuchstrainern, die drei Monate dauert und viele Praxisübungen beinhaltet.

Weekend: Was war Ihre bisher größte Herausforderung?

Florian Günther: Ein Labor-Versuchshund, der bei seinem neuen Besitzer zwei Jahre lang nur für das große Geschäft in den Garten ging und ansonsten das Haus nicht verließ. Viele Trainer sind daran gescheitert, weil sie alle mit Motivationsmethoden gearbeitet haben. Ich hingegen setzte auf Gehorsam und Konsequenz – innerhalb von einer dreiviertel Stunde konnte man mit dem Hund spazieren gehen.

Weekend: Und Ihr lustigstes Erlebnis?

Florian Günther: Eine Frau, die tatsächlich anstelle des Hundes sich selbst am Kopf streicheln wollte. Der Hund war an der Leine und ich sagte ihr, sie solle nun stehen bleiben und streicheln – quasi als Belohnung. Das war echt lustig und wir mussten beide lachen.

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Autor: Simone Reitmeier, 09.05.2019