Trend vegan: Alles im grünen Bereich?

Über wenige Themen wird so gestritten, wie über Essgewohnheiten. Essen ist mittlerweile weit mehr als Nahrungsaufnahme oder Genuss, sondern eine Lebenseinstellung. Die Umweltbewusstsein, Lebensmittelskandale und Berichte über Tierhaltung und bewegen viele zum Umdenken. Nicht nur die Zahl der Vegetarier, sondern auch die der Veganer wird immer größer. Laut Felix Hnat, Obmann der veganen Gesellschaft Österreich, verzichten 7000 Menschen in Tirol auf tierische Lebensmittel.

Genau aufpassen

Aber nicht immer stecken ethische Gründe dahinter. „Es gibt auch viele Lifestyle-Veganer, denen einfach eine gesunde Lebensweise wichtig ist“, erklärt Sportwissenschafterin Katharina Wirnitzer. „Veganer haben häufig ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein, rauchen weniger und betreiben Sport“, bestätigt auch die Tiroler Ernährungswissenschafterin Birgit Wild. „Sie haben geringere Cholesterinwerte, kaum Übergewicht und schalten somit unter anderem den Risikofaktor für Herz-, Kreislauferkrankungen, Gelenksbeschwerden und Diabetes ziemlich aus.“

Allerdings gibt Wild zu Bedenken, dass man sich als Veganer genau über Nährstoffinhalte erkundigen sollte. „Eisen oder Vitamin D zum Beispiel werden aus pflanzlichen Produkten entweder vom Körper nicht so gut aufgenommen oder sind gar nicht in solchen Mengen enthalten, wie in tierischen Produkten.“ Allerdings erleidet ein erwachsener Mensch nicht sofort Mangelerscheinungen und mit einer ausgewogenen Ernährung kann man Defiziten auf Dauer entgegenwirken.“ Nur Vitamin B12 werde ausschließlich aus tierischen Produkten gewonnen. „Daher sollten Veganer Vitamin B12 in Form eines Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen“, rät Wild.

Faktor Frische

„Wissenschaftlich gesehen, gibt es allerdings kein Lebensmittel, das ausschließlich gut oder schlecht für uns ist. Es kommt immer auf die Menge an.“ Bei einseitiger Ernährung mit viel Soja oder Getreide kann es auch bei Veganern zu einer Soja- oder Glutenunverträglichkeit kommen. „Lebensmittelunverträglichkeiten sind bedingt durch Veranlagungen und Sensibilisierungen und nicht abhängig von der Ernährungsform“, setzt Wirnitzer entgegen. Wichtig sei Vielfalt.

Dem stimmt auch Wild zu. Um für Abwechslung zu sorgen und nicht auf Fertigprodukte zurückgreifen zu müssen, soll frisch gekocht werden. In einigen der hergestellten veganen Lebensmittel seien Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker vorhanden, auch Weichmacher, Pestizide oder auch gentechnisch veränderte Bestandteile, meint Wild und bezieht sich auf das Magazin Öko-Test-Spezial vegetarisch & vegan vom September 2014. Auch diese Problematik betreffe nicht nur Veganer, wirft Sportwissenschafterin und Veganerin Wirnitzer ein. „Fertigprodukte sind das Ergebnis aus Unkenntnis und Zeitmangel und es gehört zum Lifestyle auch Döner und Burger zu essen.“ Dabei kämen Medikamentenrückstände, Industriegifte, und Schwermetalle insbesondere in industriell gefertigtem Fleisch und Fisch vor.

Energie für Sportler?

Proteine seien allgemein stark überbewertet, erklärt Wirnitzer weiter. „ Der Körper kann nur 5 Prozent speichern und ist daher als Energielieferant ungeeignet.“ Kohlenhydrate als Hauptbrennstoff seien für alle Menschen, egal ob im Alltag oder im Beruf, Ausdauer- oder Kraftsport, die Basis für gute Gesundheit und Leistungsfähigkeit. „Um körperliche Höchstleistungen zu erbringen, ist tierische Kost nicht notwendig“, weiß Sportwissenschafterin Katharina Wirnitzer.

Die Tirolerin promovierte 2009 mit ihrer Untersuchung über die positiven Auswirkungen von veganer Ernährung auf die Ausdauerfähigkeit im Ultra-Marathon-Radsport. Neben dem erhöhten Bedarf an Kohlenhydraten müssen Leistungssportler auch besonders auf eine erhöhte Nährstoffzufuhr achten. „Eine rein pflanzliche Ernährung bietet bereits die besten Voraussetzungen für eine optimale Nährstoffversorgung.“ Eine gut geplante und durchgeführte vegane Ernährung biete vielfältige Vorteile, wie erhöhte Leistungsfähigkeit, schneller Wiederauffüllung des Muskel-Energiedepots, schnellere Erholung und damit verkürzte Regenerationszeiten und ist dadurch zur optimalen Versorgung von Sportlern geeignet. Die gewonnen Erkenntnisse möchten Wirnitzer und ihr Team mit Europas größter Laufstudie untermauern.

Teilnehmer für Laufstudie gesucht

Die NURMI-Study untersucht den Zusammenhang von Laufleistung und Ernährungsform. Bisher nehmen 3300 Läufer teil. Die Datensammlung läuft noch bis 31. Dezember dieses Jahres und Teilnehmer sind noch erwünscht. Nähere Infos und Details zur Teilnahme unter: www.nurmi-study.com.

Autor: Vanessa Grill, 13.05.2015