Schwarzer Wundersamen

Superfoods wie die Goji- oder Acai- Beere nehmen in den Küchenschränken vieler moderner, gesundheitsbewusster Genießer bereits einen Fixplatz ein und sind mittlerweile auch außerhalb der Foodie- Szene ein Begriff. Mit deutlich weniger Ruhm muss sich hingegen der schwarze Sesam begnügen, obwohl er eine jahrtausendealte Geschichte vorweisen kann und als Ursesam gilt.

Kulturgeschichte

Bereits die frühen Hochkulturen der Ägypter, Griechen und Römer wussten Sesam als Öl und Gewürz zu schätzen. So soll er sich etwa unter den Grabbeigaben für den mythenumrankten Pharao Tutanchamun befunden haben. Außerdem kam er in Form von Salböl bei Geburts-, Hochzeits- sowie Beerdigungsritualen der Griechen zur Anwendung und gehörte zur stärkenden Marschverpflegung türkischer Soldaten.

Schwarzer Sesam gilt als am authentischsten

Prall gefüllt

Sesamsamen weisen eine schwarze oder goldgelbe bis hellbraune Färbung auf. Bei der schwarzen Variante handelt es sich jedoch um die ursprünglichste, die der goldenen rein geschmacklich sehr ähnlich ist, sich allerdings durch ein reichhaltigeres Vorkommen von Nährstoffen auszeichnet. So zählt sie unter anderem zu den Kalziumweltmeistern – 100 g schwarzer Sesam enthalten mit 800 mg Kalzium in etwa achtmal so viel wie die gleiche Menge an Milch. Darüber hinaus erweist sie sich als üppige Quelle vieler essenzieller Aminosäuren, die Haut, Haare und Nägel kräftigen, sowie der wertvollen Vitamine A, B1, B2 und B3, die unser Immunsystem stärken, und kurbelt die Sauerstoffversorgung in unserem Gehirn an. Zudem kann der schwarze Sesamsamen als Sportlersnack par excellence bezeichnet werden, was auf ein üppiges Vorkommen von leicht aufnehmbarem Eiweiß bei einem gleichzeitig nahezu verschwindend geringen Anteil an Kohlehydraten zurückzuführen ist.

Ein junger Mann ist in seine Bücher vertieft

Rohkost

Damit die vielen kostbaren Inhaltsstoffe nicht verloren gehen, sollte schwarzer Sesam übrigens nicht erhitzt, sondern roh genossen werden. Sein leicht nussiger und kerniger Geschmack prädestiniert ihn beispielsweise für das Verfeinern von Salaten oder für die Zubereitung eines herrlichen Müslis. Ferner verleiht er Reis-, Nudeloder Gemüsegerichten das gewisse Etwas und ergibt in Kombination mit Honig vorzügliche Panaden. Er macht allerdings auch pur eine gute Figur: Als tägliche Ration empfiehlt sich dabei ein Verzehr von ein bis zwei gründlich gekauten Teelöffeln.

Basismaterial

Des Weiteren bildet schwarzer Sesam die Basis einiger hochwertiger Zutaten, die ein orientalisches Flair in unserer Küche verbreiten. Gomasio – das traditionelle japanische Sesamsalz – ist beispielsweise das Ergebnis einer Kombination von gemahlenem Sesam mit einer kleinen Menge Meer- oder Steinsalz und verfeinert pikante Gerichte mit einem dezent nussig-salzigen Aroma. Schwarzes Sesamöl wird der Sojasauce entsprechend für das Abschmecken deftiger sowie süßer Speisen verwendet, während ungesalzenes Sesammus jedes Getreide- Obst-Frühstück aufpeppt. In ihrer gesalzenen Form eignet sich die Tahini genannte Würzpaste außerdem ideal für die geschmackliche Abrundung herzhafter Gerichte oder das Abstimmen von Saucen, denen sie zu einer sämigeren Konsistenz verhilft.

Mörser und Stößel aus Holz

Wässrig

Seine unzähligen Superkräfte kann der schwarze Sesam jedoch nur in gewässertem Zustand entfachen. Optimalerweise sollten die Sesamsamen vor dem Verspeisen sogar drei Tage lang gewässert werden. Wem dafür die Geduld fehlt, der kann sich auch mit einem Mörser behelfen und die Körner fein säuberlich zerkleinern.

Autor: Stefan Kohlmaier , 23.07.2020