Edel & laut: Der Genuss-Botschafter

„Ich bin kein Teamplayer, aber ich werde akzeptiert, weil ich das, wovon ich rede auch tue und es kann“, davon ist Kötschach-Mauthens Edelgreißler Herwig Ertl felsenfest überzeugt. Und sein Erfolg gibt ihm Recht. Auf rund 120 Quadratmetern im Zentrum des Gailtaler Ortes hat er sein persönliches „köstlichstes Eck Kärntens“, in dem die (zum Teil) unkonventionellen Ideen für genussvolle Eigenprojekte und Kooperationen nur so sprießen. „Die Leute hier sind weltoffen, sie wissen, dass es hinter der Grenze weitergeht“, lobt der Alpen-Adria-Genuss-Papst seine Partner, mit denen er sich jeden Morgen am Stammtisch zum kreativen Ideenaustausch oder einfach nur zum lockeren Plaudern trifft. Diese Weltoffenheit erklärt auch, wieso Ertl nicht ausschließlich regionale Produkte, sondern auch köstliche Spezialitäten aus Slowenien, Italien, Kroatien und Frankreich im Angebot hat. „Heimat hört nicht bei der Landesgrenze auf. Regionalität ist zum Leben zu wenig.“

Es menschelt

Und weil diese Leute seine Botschaft verstanden hätten: Menschen für den genussvollen Umgang mit wertvollen, nicht maschinell hergestellten Lebensmitteln zu begeistern. Es geht um den zelebrierten Genuss. Und den kann man beim Edelgreißler im Gailtal hautnah erleben – jeden Tag und Abend, wenn man will. Denn sein Geschäft öffnet Ertl abends auch für private Veranstaltungen und Verkostungen. Und die Gäste und deren Gaumen werden bei diesen Anlässen nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. „Der Gast muss es spüren!“ Der Mensch steht bei all seinen Aktivitäten im Vordergrund. „Alle reden immer nur von Betten und dass man ,in‘ sein muss. Die Tourismus-Hotspots haben Betten, sonst nichts. Es fehlen Herzlichkeit und Individualität“, hält der selbsternannte Dickkopf, Querkopf, Vordenker und Mensch mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Ganz im Gegenteil, die kann man nachlesen und erleben. Im seinem ersten Werk „Herzkraft“ zum Beispiel gibt er seinen Nachbarn die Bühne, auf deren Arbeiten er sehr stolz ist. Menschen, die wie er als Spinner angefangen haben und jetzt die Region bereichern. Ein von ihm erfundenes Kartenspiel entpuppt sich auch als ein Kochbuch der Intelligenz. Außerdem rief er die Slow-Food-Gruppe „Convivium Alpe Adria“ ins Leben.

Genuss-Bühne

Weil der Mensch und die Kommunikation für Ertl im Vordergrund stehen, holt er Kunden und Lieferanten am Samstag, dem 30. April, auf die „Bühne des Genusses“. Die Genussfestspiele starten um 17 Uhr am Hauptplatz. Um den Gästen einen gebührenden Empfang zu bereiten, lässt Ertl die Straße vor seinem Laden sperren. Es darf nach Herzenslust geschlemmt und „gemenschelt“ werden.

"Es ist schwierig in Kärnten als Kärntner eine Bühne zu bekommen, deswegen mache ich sie mir einfach selbst. Ich schreie - und die Leute kommen!"

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 27.04.2016