Zuckersucht: Warum wir so süchtig sind und wie der Ausstieg gelingt

Ein Stückchen Schoko da, ein paar Löffel Erdbeerjoghurt hier und zur Jause ein Marmeladebrot:  Nicht nur ausgewiesene Naschkatzen nehmen häufig viel mehr Zucker zu sich als sie sollten. Oder hätten Sie gedacht, dass der vermeintlich gesunde Smoothie, der Proteinriegel und die Wurstsemmel ebensolche Zuckerbomben sind?

Zucker ist überall

Zucker im Alltag aus dem Weg zu gehen, ist fast unmöglich. Gerade die Lebensmittelindustrie nützt ihn, wo immer sie nur kann. Und dabei muss das Produkt noch nicht einmal sonderlich süß daherkommen. Das weiße Gift steckt in Packerlsuppen, Wurstwaren, Fertigprodukten, Saucen und Tiefkühlpizza. Kein Wunder: Es sorgt für eine angenehme Konsistenz, schmeckt gut und konserviert. Und unser Gehirn? Das fährt voll drauf ab.

Zucker ist wie Heroin

Unser Gehirn liebt Zucker. Obwohl eine zu hohe Dosis Gift für unseren Körper ist, belohnt unser Gehirn die Zuckeraufnahme. Ausgeschüttet werden Botenstoffe, die uns glücklich machen – ähnlich wie bei Alkohol- oder Drogenkonsum. Kein Wunder also, dass wir uns vor allem in Stresssituationen häufig mit Schoki und Co. trösten. Dabei gilt: Nicht nur, wer übergewichtig ist oder unter einer Stoffwechselkrankheit leidet, sollte weniger Zucker essen. Der durchschnittliche Österreicher überschreitet die von der WHO maximal empfohlene Zuckermenge (50 Gramm) täglich um das Vierfache.

Das macht Zucker im Körper

Zucker schießt ohne Umwege ins Blut. Das Ergebnis: Stoffwechsel, Energielevel und Heißhunger fahren Achterbahn. Konstante Energie: Wenn der Blutzuckerspiegel steigt, erleben wir ein kurzes Hoch. Sinkt er, will unser gieriger Körper sofort mehr und reagiert mit Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Erhöhte Zuckerwerte begünstigen nicht nur Übergewicht, sondern auch versteckte Entzündungen im Körper. Im schlimmsten Fall mündet der übermäßige Zuckerkonsum in Diabetes. Übrigens: Rund 15 Prozent aller Typ-2-Diabetiker sind schlank. Wer den Sprung aus der Zuckersucht schafft, reduziert nicht nur sein Diabetes-Risiko, sondern profitiert auch von einem schöneren Hautbild und höherem Energielevel.

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Das passiert bei Zucker-Entzug

Von heute auf morgen aus der Zuckersucht auszubrechen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wer davor gerne und viel in die Naschlade gegriffen hat, hat fast unweigerlich mit Entzugserscheinungen zu rechnen. Der Stoffwechsel muss erst einmal damit klarkommen, dass er seinen geliebten Stoff nicht mehr bekommt. Darauf reagiert er beleidigt mit Heißhunger und Kopfschmerzen. Ein radikaler Verzicht ist deswegen nicht nur unangenehm, sondern kann auch schnell in Frustration enden. Besser: Langsam reduzieren und auf gesündere Ersatzstoffe zurückgreifen.

Zuckersucht: So gelingt der Entzug

Der einfachste erste Schritt ist, sich seinen Zuckerkonsum bewusst vor Augen zu führen und mit kleinen Umstellungen anzufangen. Süße Getränke mit Tee, Wasser oder schwarzem Kaffee zu ersetzen ist ein guter Beginn. Zuckerfreies Einkaufen ist ein Kapitel für sich: Oft versteckt sich die zugesetzte Süße in allerlei Code-Namen: Dextrose, Dextrin, Fruktose, Glukose, Inulin, Maissirup, Weizendextrin sind nur einige wenige Umschreibungen für versteckten Zucker im Produkt. Auch bei vielen Obstsorten heißt Obacht geben, sie sind wahre (Frucht-)Zuckerbomben. In der Phase des Reduzierens deswegen lieber zu zuckerärmeren Sorten wie Beeren und Melonen greifen. Ein kleiner Trost für Naschkatzen: Wer seinen Zuckerkonsum bewusst reduziert, wird auch seltener vom süßen Zahn gequält. Bereits nach kurzer Zeit werden die Geschmacksknospen sensibler. Vieles was früher unverzichtbar erschien, scheint plötzlich nicht verführerisch, sondern fast unangenehm süß.

Links ein angebissener Apfel, rechts ein angebissener Donout.
Autor: Stefanie Hermann, 28.02.2021