So merkt man sich länger, was man lernt

Effektivität ist alles, nicht zuletzt, wenn man Lernerfolge erzielen will. Dazu hilft es zu wissen, wie Lernen eigentlich funktioniert.

Lernprozesse im Gehirn

Dass das Gehirn ein unglaubliches Organ mit außerordentlichen Fähigkeiten ist, ist nichts Neues. Es strukturiert sich ständig neu und dient als „Schaltzentrale“ des Körpers. Beim Erlernen bisher unbekannter Inhalte oder Fähigkeiten werden Reize gesetzt, über welche die Synapsen aktiviert werden. Synapsen sind Verbindungspunkte zwischen Nervenzellen und zuständig für die Informationsweitergabe. Je mehr Zellen dabei angeregt werden, desto größer ist der Lernerfolg. Diese Aktivierung findet übrigens auch bei häufigem Wiederholen der Inhalte statt. Daher lohnt es sich, neu Erlerntes regelmäßig aufzufrischen, anstatt es einmalig auswendig zu lernen.

Die richtige Speicherung zählt

Besonders wichtig beim Lernvorgang ist das Gedächtnis, in dem verschiedenste Informationen und Erfahrungen zwischen- oder abgespeichert werden. Man unterscheidet Ultrakurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis.

Ultrakurzzeitgedächtnis

Im Ultrakurzzeitgedächtnis werden Inhalte nur wenige Sekunden behalten, z.B. eine Telefonnummer, die man gesagt bekommt und gleichzeitig ins Handy eintippt oder eine Person, die man auf der Straße beiläufig wahrnimmt. Nach der Eingabe bzw. der Begegnung muss die Information nicht gespeichert werden und verschwindet wieder aus dem Gedächtnis.

Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis dient als erster Zwischenspeicher für eingehende Informationen. Es behält die Inhalte nur wenige Minuten, wie z.B. eine Adresse oder einen Termin, den man gesagt bekommt. Man merkt sich die neuen Inhalte in dem Fall so lange, bis man sie aufschreiben konnte.

Langzeitgedächtnis

Von größter Bedeutung beim Lernen ist das Langzeitgedächtnis. Hier werden alle wesentlichen Eindrücke, Erlebnisse, Fähig- und Fertigkeiten gespeichert. Dazu gehören neben akademischem Wissen, Geburtstagen, dem letzten Urlaub, Allergien und dem Lieblingsgetränk der Mutter auch körperliche Aktivitäten wie die Fähigkeit, radfahren oder schwimmen zu können.

Der Umfang des Gedächtnisses, quasi seine Füllmenge, ist übrigens von Person zu Person unterschiedlich!

Junger Mann beim Lernen am Schreibtisch | Credit: iStock.com/iStock.com/Lordn

Größere Leistungsfähigkeit

Wie kann man nun neues Wissen im Langzeitgedächtnis behalten? Mit diesen 3 Tipps und Methoden können Sie aktiv Ihre eigene Leistungsfähigkeit verbessern.

1. Den richtigen Lerntyp finden

Vor allem in der Erwachsenenbildung ist es enorm wichtig, seinen Lerntyp zu kennen. So fällt es Ihnen leichter, sich neues Wissen anzueignen - selbst, wenn die Schulzeit schon ein Weilchen zurückliegt. Die vier Lerntypen unterstützen den persönlichen Lernerfolg durch verschiedene Methoden, die auf den Vorlieben des Lernenden basieren.

Der visuelle Lerntyp bevorzugt es, Informationen durch Diagramme, Schaubilder, Skizzen oder Videos aufzunehmen. Auch durch Lesen kann er das Erlernte am einfachsten speichern und später wieder abrufen. Besonders Karteikärtchen sind daher bei visuellen Menschen sehr beliebt, da sie die wichtigsten Kernelemente auf einen Blick zusammenfassen.

Der auditive Lerntyp nimmt Informationen in der Regel am leichtesten durch Gesprochenes auf. Tonaufnahmen, Vorträge, Referate, Podcasts und Gespräche eignen sich gut, um den Lernfortschritt sichzustellen. Menschen dieses Lerntyps haben demnach einen strategischen Vorteil beim klassischen Frontalunterricht, wie man ihn aus der Schule oder dem Studium kennt.

Ähnliche Vorlieben haben Vertreter des kommunikativen Lerntyps. Dialoge sind essenziell für sie, denn sobald ein aktiver Austausch mit anderen Personen stattfindet, geht das frisch Erlernte rasch in das Langzeitgedächtnis über. Hier sollte auch auf Diskussionen, Gruppenarbeiten und Gespräche Wert gelegt werden.

"Learning by doing" ist das A und O für den motorischen Lerntyp. Alles, was ausprobiert, angefasst und aktiv untersucht werden kann, lässt sich im Nu im Langzeitgedächtnis speichern. Natürlich ist diese Lernmethode nicht nur auf physische Aktivitäten beschränkt. Im Mittelpunkt muss schlichtweg die praktische Anwendung stehen. Somit eignet sich dieses Vorgehen auch für Sprachen, z.B. während einer Sprachreise mit Unterkunft bei Gastfamilien.

Um den für sich passenden Lerntyp zu finden, darf ruhig ausprobiert und reichlich getestet werden. Fest steht aber auch: Nur die wenigsten Menschen finden einen einzigen passenden Ansatz. Das Kombinieren der verschiedenen Modelle miteinander oder das Wechseln der Methoden je nach Lerninhalt ist erwünscht und sinnvoll.

2. Lernfortschritt durch Emotionen unterstützen

Haben Sie auch so einen Film, ein Buch oder einen Song, der Sie so richtig zum Schmunzeln bringt? Vermutlich verbinden Sie damit eine schöne Erinnerung oder eine Handlung, in die Sie so richtig eintauchen konnten. Das ist eigentlich kein Wunder, denn alles, was Emotionen in uns hervorruft, bleibt länger im Gedächtnis. Die emotionale Verbundenheit stärkt die Speicherung im Langzeitgedächtnis und sorgt dafür, dass diese Inhalte leichter abgerufen werden können. Positive Emotionen wie Freude oder Entspannung tragen einen Teil zur Motivation bei, welche beim Lernen wesentlich ist. Ist man also genügend motiviert und bereit, loszulegen, zeigen sich oft schon nach kurzer Zeit erste Fortschritte. Zu beachten ist allerdings, dass auch negative Gefühle wie Angst oder Stress an den Informationen hängenbleiben und das Lernen blockieren. Die Inhalte werden in diesem Fall nicht im Gedächtnis abgespeichert, sondern sogar abgelehnt. Deswegen ist es enorm wichtig, beim Lernen auf eine entspannte Atmosphäre zu achten und sich nicht unter Druck zu setzen. Im schlimmsten Fall können sogar Lernblockaden entstehen, die sich möglicherweise bis ins Erwachsenenalter erhalten.

3. Zeitmanagement dank Pomodoro-Technik

Wer jetzt an Pasta mit herrlicher Paradeisersauce denkt, irrt sich – obwohl so ein Gericht mitten im Lernstress die Gemüter sicherlich beruhigen könnte! Pomodoro ist das italienische Wort für Paradeiser und benennt in diesem Fall eine besondere Zeitmanagement-Methode, die Fokus und Effizienz steigern soll. Erfunden hat die Technik ein italienischer Unternehmer namens Francesco Cirillio mit Hilfe einer Küchenuhr in Paradeiser-Optik.

Und so funktioniert’s:

  • Die Lernzeit wird von einem Timer in 25-minütige Blöcke eingeteilt, die jeweils von einer fünfminütigen Pause unterbrochen werden
  • Nach vier Blöcken wird jeweils eine längere Pause von 15 bis 20 Minuten eingelegt

Durch diese Technik wird die Konzentrationsfähigkeit erheblich verbessert und die Produktivität erhöht. Außerdem reduziert die Pomodoro-Technik Stress und Angst vor den Aufgaben, da der Stoff in Segmente unterteilt wird und somit Schritt für Schritt abgearbeitet werden kann. Prokrastinieren ist mit dieser Methode endgültig Geschichte. Mittlerweile gibt es schon einige Apps und Webseiten, die einen automatisierten „Paradeiser-Timer“ kostenlos zur Verfügung stellen.

Junge Studentin beim Lernen auf der Couch | Credit: iStock.com/Halfpoint

Zur Autorin

Kulinarik, Reisen, Film & Musik, Psychologie und kreative Hobbys - nur eine kleine Auswahl an Dingen, die Passion Author Helene Schweinberger aus Niederösterreich zu ihren vielfältigen und informativen Textbeiträgen für www.weekend.at inspirieren.

Autor: Helene Schweinberger, 30.09.2021