WHO-Alarm: Die unterschätzte Volkskrankheit

Auch wenn das Konzept der „Body Positivity“ aktuell schwer im Trend liegt, sollte Übergewicht keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden - zählt es doch nach wie vor zu den schädlichsten Zivilisationskrankheiten.
Autor: Stefan Kohlmaier, 21.09.2022 um 16:48 Uhr

Ein im Juni von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgelegter Bericht zeichnet ein alarmierendes Bild von der körperlichen Fitness vieler Bewohner westlicher Länder: Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerungsschicht Europas ist demnach zu dick, 59 Prozent davon gelten gar als übergewichtig oder fettleibig. Die WHO spricht angesichts dieser Statistiken von epidemischen Ausmaßen und prophezeit sämtlichen europäischen Staaten ein Versagen bei der Umsetzung des ursprünglich ins Auge gefassten Vorhabens, dem Anstieg der Fettleibigkeit bis 2025 Einhalt zu gebieten. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass bereits beinahe ein Drittel der Kinder auf den Spuren der übergewichtigen Erwachsenen wandelt. Da die Situation auf dem amerikanischen Kontinent noch besorgniserregender ausfällt, gelangt die WHO schlussendlich zur ernüchternden Erkenntnis, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung mittlerweile in Ländern lebe, in denen Übergewicht und Fettleibigkeit mehr Menschen das Leben kosten als Untergewicht.

Eine BMI-Skala, die die unterschiedlichen Gewichtsverhältnisse farblich - von grün bis rot - darstellt

Risikofaktor

Denn auch wenn unter dem zeitgeistigen Schlagwort „Body Positivity“ momentan dazu geneigt wird, Übergewicht zu bagatellisieren oder gar zu glorifizieren, lassen sich dessen verheerende gesundheitliche Konsequenzen nicht negieren. So wird eine ausufernde Leibesfülle in der WHO-Region Europa beispielsweise den Hauptursachen für Behinderungen sowie Todesfälle zugerechnet. In einigen Ländern ist zudem davon auszugehen, dass Fettleibigkeit in den kommenden Jahrzehnten sogar das Rauchen als Hauptrisikofaktor einer Krebserkrankungen ablösen könnte. Darüber hinaus kann eine Adipositas das Auftreten eines breiten Spektrums mitunter lebensbedrohlicher Gebrechen befeuern: von Schlaganfällen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen über chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma bis hin zu Leber- und Nierenbeschwerden sowie Diabetes. Ferner zählen Übergewichtige und Fettleibige zu den vulnerablen Gruppen im Falle einer Corona-Infektion, die erheblich öfter hospitalisiert werden müssen oder die Erkrankung nicht überleben.

Eine junge schlanke Frau, die einen Apfel in der Hand hält, der mit einem Maßband umwickelt ist, und eine Daumenhoch-Geste vollführt

Gesundheitsfördernd

Wer seiner Gesundheit dienen möchte, sollte seine überschüssigen Kilos daher schleunigst loswerden – zumal eine Gewichtsreduktion erwiesenermaßen zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte zeitigt. Sie mindert etwa die Gefahr eines Herz-Gefäß-Leidens um bis zu 40 % und führt eine Blutdrucksenkung herbei, wodurch Schlaganfällen oder Herzinfarkten vorgebeugt werden kann. Außerdem trägt sie zu einer Abnahme der Entzündungswerte im Blut bei, was dem Eintreten einer Diabeteserkrankung entgegenwirkt. Schlafapnoe-Syndrome wie Schnarchen, Tagesmüdigkeit oder Sekundenschlaf lassen sich mit ihrer Hilfe ebenso signifikant verbessern, genauso wie die Leberfettwerte, die einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung einer Leberzirrhose ausüben.