Mein tierischer Fitnesstrainer

Wer einen tierischen Mitbewohner hat, lebt gesünder und glücklicher. Die Verbindung zwischen Mensch und Tier wird immer intensiver, deswegen stehen auch Gesundheit und Wohlbefinden von den Tieren immer stärker im Fokus
Autor: Pia Kulmesch, 21.02.2022 um 09:36 Uhr

Seit der Pandemie besteht rund um Hund, Katze und Nager, Vögel, Fische und Reptilien ein regelrechter Nachfrageboom. Das berichten Hundezüchter, Tierheime, Hersteller von Futter und Heimtieraccessoires und vielzähligen weiteren Produkten und Dienstleitungen rund ums Viecherl. Durch die Lockdowns und die Folgen, die Maskenpflicht oder das Social Distancing auslösen, kommt es dazu, dass sich mehr und mehr Menschen nach einem tierischen Begleiter sehnen.

Länger leben

Allein schon wegen des Bedarfs von Hunden, Gassi zu gehen, wirkt sich der Besitz eines Haustieres positiv auf die Gesundheit aus. Zumindest ein Hund stärkt somit die Fitness und das Immunsystem. Man ist mehr an der frischen Luft und bekommt auch mehr Bewegung. Forscher haben herausgefunden, dass körperliche Aktivität chronische Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Bluthochdruck und chronische Bronchitis positiv beeinflusst. Sich mit Tieren zu bewegen, kann dazu beitragen. Auch für das Herz dürfte ein Haustier gut sein. Denn durch das Streicheln sinkt der Blutdruck und der Puls wird langsamer. Das schützt das Herz. Außerdem kann man die sozialen Kontakte erhöhen, wenn man beispielsweise beim Spaziergehen andere Hundebesitzer trifft und mit ihnen leicht ins Gespräch über Hundethemen oder andere Topics kommt. Tiere können als Eisbrecher wirken und Kontakte im sozialen Umfeld erleichtern.

Hund kuscheln

Psyche

Vor allem bei Traurigkeit kann ein Tierchen helfen. Forschungen zufolge können etwa Hunde wie eine neutrale Person wirken, die sich Sorgen einfach nur anhört ohne etwas zu erwidern. So kann das Haustier die Rolle eines Trösters oder Gesprächspartners einnehmen. Allein die bloße Anwesenheit oder die Berührung eines Tieres kann bereits helfen, sich zu beruhigen. Durch die Berührungen werden weniger Adrenalin und Stresshormone im Körper ausgeschüttet. Für viele sind Tiere, vor allem Tierbabys, einfach besonders süß und schon der Anblick erweicht das Herz. Sie sind Spiel- und Sportkameraden, Kuscheltier und bester Freund in einem. Der Mensch sehnt sich nach innerer Ausgeglichenheit und auch die Naturverbundenheit nimmt stetig zu. Aus diesem Grund nimmt auch die Haustierhaltung zu, da die haarigen Vierbeiner uns helfen, auf unseren Instinkt zu vertrauen.

Sozialer Faktor

Ein Haustier kann wie ein Therapeut wirken und eine positive Stimmung verursachen. Wenn man sich einsam fühlt, ist immer jemand da. Das Tier wartet auf einen, wenn man nach Hause kommt. Man hat auch jemanden „zum Reden“, wenngleich der Hund oder die Katze nicht mit Wörtern antworten können, geben sie einem doch etwas zurück. In stressigen Situationen kann ein Haustier beruhigend wirken und bei schlechter Laune aufheiternd sein. Man sollte allerdings immer bedenken, dass ein Tier kein Ersatz für menschliche Kontakte bedeutet. Man sollte nicht zu hohe Erwartungen daran stellen.

Schlafende Katze

Verantwortungsbewusstsein

Verantwortung für jemand anderen zu übernehmen kann man lernen. Zum Beispiel an seinem eigenen pelzigen Freund. Man muss ihn füttern und waschen, mit ihm spazieren gehen, den Käfig säubern und eine Tierarzt-Praxis aufsuchen, wenn es dem Viecherl schlecht geht. Das Tier braucht den Menschen und das stärkt das Verantwortungsbewusstsein.

Auswirkungen auf Kinder

Die Beziehung zum eigenen vierbeinigen Freund hilft dem Kind, eine frühzeitige Fürsorglichkeit und eine gewisse Sensibilität zu entwickeln. Kinder, die mit einem Tier aufwachsen, sind allgemein kooperativer und weniger aggressiv. Sie lernen bereits in frühen Jahren, Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen. Ein Tier fördert das Selbstbewusstsein des Kindes. Durch das Streicheln bekommt das Kind Nähe, Wärme und Geborgenheit. Aber auch für das Erlernen von Empathie können Tiere bedeutend sein. Beispielsweise möchten Kinder mit der Katze spielen, wenn diese schläft. Durch das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse lernen sie Empathie. Außerdem erfahren Kinder, was Leben und Tod bedeutet, wenn das geliebte Haustier nach einigen Jahren verstirbt. Das kann auch bei der Trauerbewältigung im Erwachsenenalter behilflich sein.

Kaninchen

Therapietiere

Bei medizinischen Problemen können Tiere erstaunliche Ergebnisse erzielen. So kann beispielsweise ein Blindenhund eingesetzt werden. Hunde übernehmen heutzutage aber noch viel umfassendere Aufgaben. Viele Menschen mit einer Hörbehinderung setzen zum Beispiel auf Signalhunde („Hearing Dogs“). Diese werden darauf geschult, Geräusche voneinander zu unterscheiden und auf sie zu reagieren, beispielsweise auf eine Türglocke. Es gibt noch viele weitere Handicaps, bei denen Tiere einen großen Dienst leisten können. Tiergestützte Therapiekonzepte werden inzwischen in vielen Seniorenheimen getestet. Im Rahmen einer Studie bekamen alte Menschen zweimal in der Woche Besuch von einem Kleintierzoo. Sie konnten mit den Tieren spielen, sie streicheln oder füttern. Das Ergebnis war, dass die Bewohner aktiver und kommunikativer wurden und sich gesünder fühlten.

Vögel