Ab in die Eiskammer?

Kryotherapien werden von vielen Models und Sportlern als regelrechte Wunderkuren gefeiert. Ihre Wirkungsweise ist wissenschaftlich jedoch hochumstritten. Außerdem gilt es eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen.
Autor: Stefan Kohlmaier, 21.07.2022 um 12:19 Uhr

Die Hitzewelle rollt aktuell unbarmherzig über Österreich hinweg und nicht wenige von uns sehnen sich nach einem erholsamen Kälteschock. Eventuell sollten sie die tropische Atmosphäre daher zum Anlass nehmen, um einen Wellness-Trend auszuprobieren, der sich nun schon seit geraumer Zeit unter Sportlern, Models und Schauspielern erhöhter Beliebtheit erfreut: die Kryosauna. Dabei begibt man sich, ausschließlich in Badebekleidung sowie mit Hand- und Hausschuhen ausgestattet, in eine an eine Litfaßsäule gemahnende Kältekammer, in der der Köper für wenige Minuten extremen Temperaturen von bis zu minus 170 Grad Celsius ausgesetzt wird. Dafür wird der Kammer in regelmäßigen Abständen verdampfender Stickstoff zugeführt, der stark an Feuchtigkeit verliert und dadurch eine trockene Kälte erzeugt.

Wunderkuren?

Anhänger der Kältetherapie schreiben der Behandlung beinahe wundersame Heilkräfte zu. So soll sie unter anderem müden, erschöpften und depressiven Menschen frische Lebensgeister einhauchen, einer beginnenden Demenz sowie einer schwindenden Libido entgegenwirken und außerdem zu einer Kräftigung des Immunsystems, einer Straffung der Haut, der Fettreduktion sowie einer Leistungssteigerung bei Sportlern beitragen.

Eine Ärztin führt ein Beratungsgespräch mit einer Patientin

Mangelnde Beweise & Risiken

Wissenschaftlich belegen lässt sich jedoch nur ein Bruchteil dieser Heilsversprechen. Lediglich eine Linderung von Symptomen wie entzündliche Rheumaschmerzen, Muskel- und Gelenksleiden, Neurodermitis oder Schuppenflechte konnten mithilfe medizinischer Studien bestätigt werden. Darüber hinaus besteht eine lange Liste von Vorerkrankungen, mit denen man von einem Besuch der Kryosauna absehen sollte: von Durchblutungsstörungen der Beine und Arme, Bluthochdruck und akuten Nieren- sowie Blasenerkrankungen über verengte Herzkranzgefäße und frisch angelegte Bypässe bis hin zu einem gestörten Kälteempfinden und Klaustrophobie. Die Anwendung einer Kältetherapie sollte daher zunächst mit einem Arzt abgeklärt werden.

Ein Mann mit nacktem Oberkörper und eine Frau in knapper Trainingsbekleidung, die ihre Muskeln mit einem Hanteltraining stählen

Vorsicht vor Muskelschwund!

Und auch Sportler sollten die Kältekammer nur unter bestimmten Voraussetzungen in ihre Trainingsroutine integrieren. Denn einerseits minimiert eine Kryobehandlung zwar das Auftreten eines Muskelkaters und befeuert die Regeneration der Muskeln, andererseits bremst ihre regelmäßige Durchführung das Muskelwachstum jedoch empfindlich ein. Wer sein Training auf einen effizienten Muskelaufbau ausgerichtet hat, sollte folglich dem Besuch einer klassischen Sauna den Vorzug geben.