Unglaublich: Die skurrilsten Krankheiten

Der zwanghafte Wunsch, sich Gliedmaßen amputieren zu lassen, ein permanenter und übler Körpergeruch nach Fisch oder eine lästige Allergie gegen Kälte – diese äußerst seltenen Krankheiten klingen absurd, es gibt sie aber tatsächlich.
Autor: Simone Reitmeier, 23.06.2022 um 11:06 Uhr

Alice-im-Wunderland-Syndrom: Die Welt schrumpft oder wächst

Diese Wahrnehmungsstörung tritt besonders häufig bei Kindern und in der Regel als Begleiterscheinung von Migräne oder als Vorbote eines epileptischen Anfalls auf. Das Krankheitsbild hat nichts damit zu tun, dass Betroffene huttragende Hasen, Grinsekatzen oder rauchende Raupen sehen. Vielmehr werden Gegenstände oder die eigenen Gliedmaßen plötzlich als viel kleiner, kürzer, größer oder länger wahrgenommen. Bei einem Anfall kann es zusätzlich zu Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit kommen.

Der Name Alice-im-Wunderland-Syndrom leitet sich aus dem gleichnamigen Kinderbuch von Lewis Carroll an. Der Autor litt selbst an Migräne und es wird vermutet, dass die Symptome des Syndroms Inspiration für sein Werk waren. Derartige Halluzinationen können auch durch das Epstein-Barr-Virus oder Drogen hervorgerufen werden. Skurril: In einer bekannten Szene des Werkes isst Alice von einem Pilz, wodurch sich ihre Größe verändert.

Alice-im-Wunderland-Syndrom | Credit: iStock.com/dorian2013

Trimethylaminurie: Übler Fischgeruch

Menschen mit Trimethylaminurie leiden an einem besonders unangenehmen Gendefekt: Ihnen fehlt ein bestimmtes Enzym, welches das Stoffwechselprodukt Trimethylamin abbaut. Genau dieser Stoff verleiht Fischen und anderen Wasserbewohnern ihren typischen Geruch. Wird es nicht abgebaut, sondert der Körper trotz Hygiene über Atem, Schweiß und Urin einen beißenden, fischähnlichen Geruch ab. Die Krankheit gilt als nicht heilbar, das Sozialleben leidet mitunter extrem darunter, wodurch es zu ausgeprägten Depressionen kommen kann.

Alien-Hand-Syndrom: Keine Kontrolle über die Hand

Diese äußerst seltene neurologische Krankheit hat zur Folge, dass eine Hand macht was sie will – sie führt sozusagen ein Eigenleben. Patienten haben aufgrund einer Gehirnschädigung vorübergehen oder dauerhaft keine Kontrolle über die Bewegungen der Hand, häufig wird sie als körperfremd wahrgenommen. Es kommt vor, dass die betroffene Hand genau das Gegenteil von dem macht, was der Mensch möchte. Wie das den Alltag beeinträchtigt, sieht man im Video. Ein Heilmittel gibt es nicht, die Störung kann nur provisorisch durch eine Fixierung behandelt werden.

Kälteurtikaria: Allergie gegen Kälte

Sie kommt plötzlich und unangemeldet, verschwindet aber auch wieder von einem Tag auf den anderen: die sogenannte Kälteallergie. Da keine Antikörper gebildet werden, handelt es sich um keine Allergie im eigentlichen Sinne, sondern um eine Sonderform der Nesselsucht. Die Symptome sind aber vergleichbar. Bei niedrigen Temperaturen und insbesondere in Kombination mit Nässe leiden Betroffene an einzelnen Körperstellen oder am kompletten Körper an juckender Haut, Quaddeln und Ausschlag. Die Ursache ist nicht bekannt, häufig tritt das Krankheitsbild in Zusammenhang mit anderen Allergien auf.

Cotard-Syndrom: „Ich bin eine Leiche“

Bei dieser neurologisch bedingten Krankheit (engl. „Walking Corpse Syndrom“) sind Betroffene davon überzeugt, tot und eine Leiche zu sein, zu verwesen oder Blut und innere Organe verloren zu haben. Als Ursache wird eine fehlerhafte Trennung der beiden Hirnareale vermutet, die einerseits für die Gesichtserkennung und andererseits für die damit verknüpften Emotionen zuständig sind. Am häufigsten kommt die Störung bei Schizophrenie-Patienten und Menschen mit Depressionen inklusive psychotischen Schüben zum Vorschein. Das Krankheitsbild wird dem Wahn zugeordnet und kann mit Medikamenten und Krampftherapien behandelt werden.

Cotard-Syndrom | Credit: iStock.com/tiero

Apotemnophilie: Wunsch, sich zu Verstümmeln

Vermutlich aufgrund eines Schadens in der rechten Gehirnhälfte nehmen Patienten der extrem seltenen Körperintegritäts-Identitätsstörung „Apotemnophilie“ einzelne Körperteile als störend und fremd war. Das geht mitunter so weit, dass sich Betroffene beispielsweise Finger oder Zehen selbst amputieren. Chirurgen werden mit dem Wunsch konfrontiert, gesunde Gliedmaßen zu entfernen. Im Extremfall verletzen sich Leidtragende so stark, das ein Bein oder Arm amputiert werden muss – das Ergebnis empfinden sie als angenehm. Viele Betroffene werden von der Vorstellung amputierter Gliedmaßen auch sexuell erregt.

Couvade-Syndrom: Scheinschwangerschaft bei Männern

Stellen Männer von schwangeren Frauen an sich selbst ebenfalls Schwangerschaftsbeschwerden fest, dann leiden sie vermutliche am Couvade-Syndrom. Zu den Symptomen zählen neben Übelkeit, Rückenschmerzen und Stimmungsschwankungen auch ein dicker Bauch. Manche Mediziner gehen davon aus, dass die Scheinschwangerschaft bei Männern psychosomatische Ursachen hat. Andere vermuten, die hormonellen Veränderungen sollen die Bindung zum Kind stärken oder dass sich Männer ihren Partnerinnen anpassen (Spiegelneuronen). Wiederum andere stellen einen „Gebärneid“ der Männer als Auslöser in den Raum. Die Ursache ist bis dato nicht klar, um ein wirkliches Krankheitsbild handelt es sich nicht.