Sind Gesundheits- und Fitness-Tracker schädlich?

Von

Armbändern über Apps

bis hin zu

Spiegeln, die einem verraten, wo sich gerade Muskeln oder Fett aufbauen

, halten uns heute eine unüberschaubare Vielzahl an elektronischen und digitalen Medien "fit" und "wohlbehalten". Doch wie gesund ist es überhaupt, permanent über all unsere Körperfunktionen und –veränderungen Bescheid zu wissen?

Zweischneidiges Schwert

Natürlich soll die motivierende Funktion für Sport, gesunde Ernährung, Schlafrhythmus etc. dieser Gadgets nicht zunichte gemacht werden, denn ohne sie hätten vermutlich viele Menschen den Pfad zu einem gesünderen Leben nicht gefunden. Dennoch ist diese Form von Fitness- und Gesundheits-Tracking ein zweischneidiges Schwert und kann nicht nur zu einem zwanghaften Verhalten führen, etliche physiologische Daten zu messen (was je nach Ergebnis wiederum die gesamte Tagesverfassung beeinflussen kann) sondern auch zu weiteren psychischen Belastungen, Verstimmungen und Störungen.

Essstörungen begünstigt

Laut eines Pew-Reports verfolgen 60 Prozent der Erwachsenen aus den USA ihr Gewicht, ihre Ernährungsgewohnheiten und Fitness-Trainings – Tendenz steigend, auch bei uns. Doch auch Essstörungen können durch derartige Medien begünstigt werden, denn Experten zufolge eignen sie sich beispielsweise für Anorektiker optimal zum Kalorienzählen. Durch den großen Hype der Fitness-Tracker bekommen Betroffene somit das Gefühl, dass alles in Ordnung ist. Das verstärkt ihre Krankheit.

Quantität statt Qualität

Die „Selbst-Quantifizierung“ ist aber ein größeres Problem als wir dachten, denn sie reduziert unsere Lebensqualität immens. Durch die ständige zahlengerichtete Kontrolle über unseren Körper vergessen viele, worauf es im Leben wirklich ankommt. Ein halbes Kilo zugenommen - ein ganzer Tag zuschanden gemacht. Heute zu viele Kohlenhydrate, zu wenig Gewichte gehoben und nicht genügend Minuten geschlafen – klingt vielmehr nach psychischer Anstrengung als nach Lebenslust und –freude, ergo Gesundheit. Bei Rückfällen muss man sich zudem mit Verzicht oder härterem, schweißtreibendem Training bestrafen. Ist das wirklich gesund?

Hypochondrie und Druck

Eine Studie hat ergeben, dass fast 80 Prozent der weiblichen „FitBit“-Nutzer großen Druck verspüren, ihre täglichen Ziele zu erreichen. 60 Prozent glauben, ihr Alltag würde vom Tracker sogar kontrolliert. Die Werte vieler Gesundheits- und Fitnesstracker sind außerdem oft ungenau, ungetestet und wissenschaftlich nicht erforscht. Diese Unsicherheit kann bei vielen Nutzern sogar zu Angststörungen wie Hypochondrie führen. Sind die Werte nicht optimal, wird Dr. Google befragt und schon leidet man an einer unheilbaren Krankheit. Klingt überspitzt, ist aber tägliche Realität. Darum gilt: Ein Überblick ist OK, aber lassen Sie sich nicht von den Erfindungen kontrollieren.

Autor: Andreea Iosa, 20.04.2016