Erkältungsmythen: das stimmt

Die Nase rinnt, der Hals schmerzt: Ein grippaler Infekt ist prinzipiell harmlos, aber auch häufig. Dennoch ranken sich viele Halbwahrheiten um den bekannten Schnupfen. Wir zeigen, welchen Aussagen Sie Glauben schenken können.
Autor: Pia Kulmesch, 15.11.2022 um 10:13 Uhr

Eines vorweg: Erkältung kommt nicht von Kälte. Denn krank machen die Erreger, nicht die Temperatur. Besonders häufig erwischt es junge Leute – insgesamt sind über 200 Erkältungsviren bekannt. Natürlich aber macht es Sinn, sich in der kalten Jahreszeit warm anzuziehen, denn Kälte fühlt sich nicht nur unangenehm an, sondern hat auch für den Körper eine unangenehme Wirkung. Bei niedriger Außentemperatur ziehen sich nämlich die Gefäße im Körper zusammen und werden dadurch auch schlechter durchblutet. So gelangen die Viren leichter in die Schleimhäute. Warm anziehen hilft also tatsächlich. Schuld für einen Infekt bleiben allerdings die Erreger.

Schutz der Mutter

Die Annahme, dass Säuglinge keine Erkältung bekommen, ist leider ebenfalls falsch. Zwar werden Abwehrstoffe der Mutter in den letzten Schwangerschaftswochen über Plazenta und Nabelschnur an das Kind weitergegeben. Dabei ist das Immunsystem des Säuglings allerdings nur vor jenen Erregern geschützt, die das Immunsystem der Mutter schon einmal bekämpft hat bzw. gegen welche die Gebärende geimpft ist. Allerdings haltet ein derartiger Nestschutz nur kurz, schon nach zwei bis drei Monaten lässt er deutlich nach.

Hochziehen bevorzugt

Für manche ist es äußerst eklig, deshalb gehört es zur guten Erziehung dazu, sich zu schnäuzen, anstatt den Schleim hochzuziehen. Dabei stimmt die Annahme, dass Schlucken gesünder ist. Der Schleim gelangt erst in den Rachen und schließlich in den Magen. Dort macht die Magensäure den Erreger im Handumdrehen unschädlich. Es wird vermutet, dass beim Schnäuzen die Keime in den Nebenhöhlen und im Mittelohr verteilt werden.

Grippeimpfung

Das gute alte Antibiotikum

Dass man bei gelbgrünem Auswurf Antibiotika verschreiben soll, ist falsch! Diese Idee ist ein Missverständnis. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird eine Erkältung durch Viren verursacht. Gegen diese sind Antibiotika total wirkungslos. Für die gelbgrüne Färbung des Schleims ist primär die körpereigene Abwehr verantwortlich, der Schleim enthält nämlich abgetötete Erreger, alte Zellen der Nasenschleimhaut und Enzyme. Selten ist eine Superinfektion, bei der sich der Körper nicht nur mit Viren, sondern auch mit Bakterien infiziert. Diese kann jedoch nur der Arzt feststellen.

Von wegen schwaches Immunsystem

Wenn der Körper mit Schnupfen und Husten aus Erkältungsviren reagiert, dann, weil er Eindringlinge so schnell wie nur irgendwie möglich bekämpfen will. Das Immunsystem ist also in vollem Gange und arbeitet auf Hochtouren – ein gutes Zeichen. Viel Schnupfen heißt deshalb nicht zwangsläufig, dass man ein schwaches Immunsystem hat.

Kein Schutz durch Impfung

Oft wird ein grippaler Infekt mit einer echten Grippe verwechselt. In der Regel verläuft die Erkältung nämlich harmlos, eine echte Grippe jedoch kann für Säuglinge, Kinder und ältere Menschen gefährlich werden. Der Unterschied: eine Grippe kommt schlagartig, ein grippaler Infekt eher schleichend. Da es sich um zwei komplett unterschiedliche Erkrankungen handelt, schützt eine Grippe-Impfung dementsprechend nicht vor einer Erkältung.