Schluss mit Fachchinesisch

Gebrauchsinformationen oder Beipackzettel von Medikamenten sind nicht nur kompliziert gefaltet, sondern oft auch unverständlich geschrieben. Hier lesen Sie, wie man diese besser verstehen kann.
Autor: Pia Kulmesch, 04.05.2022 um 09:27 Uhr

Schwangere brauchen Folsäure. Das ist hingehend bekannt. Doch eine scheinbar harmlose Substitution des Vitamins kann sogar zum Anaphylaktischen Schock führen. Das steht im Beipackzettel des Medikaments – neben einer Reihe von anderen Fachbegriffen wie Indikationen oder Kontraindikationen, die für Viele unverständlich und angsterregend sind. Beipackzettel sind oft ein Sammelsurium an fachspezifischen Formulierungen und Aneinanderreihungen von Beschwerden, die entweder Leser bzw. Patienten in Angst und Unsicherheit versetzen können oder sie derart überfordern, dass der Zettel gleich im Müllkorb landet. Vor allem die aufgelisteten Nebenwirkungen belasten die Psyche. Haben Sie schon vom Nocebo-Effekt gehört? Anders als beim Placebo-Effekt, wo ein Medikament ohne Wirkstoff trotzdem hilft, schadet der Nocebo-Effekt: Allein die Warnung vor möglichen Nebenwirkungen reicht bereits aus, um die besagten negativen Wirkungen zu verursachen. Beipackzettel können also ein gesundheitliches Risiko darstellen, weshalb manche Psychologen raten, selbige nicht zu lesen. Außerdem kann es mitunter passieren, dass Patienten überhaupt nicht verstehen, warum die Arznei hilfreich sein, und warum sie eingenommen werden soll.

Hilfestellungen

Besonders wenn man ein Präparat zum ersten Mal zu sich nimmt, sollte man sich gut beim Apotheker informieren; beispielsweise wofür, wann und in welcher Dosis die Arznei eingenommen werden soll! Außerdem erklärt der Apotheker die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Den gefalteten Zettel sollte man nicht gleich in die Tonne befördern, sondern ihn sich – so langatmig er auch sein mag – aufmerksam durchlesen. Am besten schreibt man sich jene Begriffe, die man nicht verstanden hat, auf und geht damit zum Arzt oder Apotheker. Verunsichern lassen sollte man sich von der Aneinanderreihung von möglichen Nebenwirkungen allerdings nicht. Es ist gut, sie zu kennen, aber nicht notwendig, Ängste vor dem Präparat zu entwickeln. Die Hersteller müssen im Beipackzettel sämtliche Risiken aufzählen, die einen selbst aber wahrscheinlich nicht betreffen. Sollte es geschehen, dass Sie bei der Einnahme eines neuen Medikaments mit Nebenwirkungen reagieren, die nicht im Beipackzettel stehen, sollte das dem Apotheker weitergeleitet werden.

Übersetzung

Hier einige Beispiele, um den Beipackzettel besser verstehen zu können. Was die Einnahmezeit der Medikamente anbelangt, bedeutet „vor dem Essen“ mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit, „mit dem Essen“, das Medikament mit der Speise oder unmittelbar danach einzunehmen und „nach dem Essen“, ebenfalls direkt nach der Mahlzeit bis spätestens eine Stunde danach. „Auf nüchternen Magen“ heißt, dass man mindestens seit vier Stunden nicht gegessen haben, und man auch nach der Einnahme noch mindestens eine halbe Stunde mit dem Essen warten soll. Zu den Nebenwirkungen sind folgende Informationen bekannt: „selten“ kommt in 0,01 bis 0,1 Prozent der Fälle vor, „gelegentlich“ bei 0,1 bis 1 Prozent, und „häufig“ bei 1 bis 10 Prozent. Vor allem bei den Nebenwirkungen findet sich eine Aneinanderreihung von Fachausdrücken, welche man am besten in einer Suchmaschine im Internet übersetzen lässt. Eine „Atemdepression“ meint beispielsweise eine ungewöhnlich schwache Atmung, „Enzephalopathie“ Störungen bzw. Veränderungen im Gehirn, „Hyperthyreose“ eine Überfunktion der Schilddrüse, „Pruritus“ Juckreiz, „Obstipation“ Verstopfung und „Ikterus“ eine Gelbfärbung der Haut.

Aufbau

Der Aufbau des Beipackzettels folgt einer gewissen Logik. Zunächst informiert er über den Namen sowie die Zusammensetzung des Medikaments. In dem Punkt Anwendungsgebiete (Indikation) sind alle Krankheiten und Symptome verzeichnet, bei denen das Präparat angewendet werden kann. Im Punkt Gegenanzeigen (Kontraindikation) werden Krankheiten, Beschwerden oder Umstände genannt, bei denen das Medikament entweder gar nicht oder nur auf ausdrückliche Anweisung des Arztes angewendet werden darf. Ein besonders informationsgeladener Teilbereich der Packungsbeilage ist die Rubrik Nebenwirkungen. Nicht zu vergessen sind der Unterpunkt Wechselwirkungen, die Dosierungsanleitung sowie die Aufbewahrung und Haltbarkeit.