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Genervter Teenager | Credi: PORTISHEAD1/E+/GETTY IMAGES
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Chill mal, du nervst! Was Teenager wirklich auf die Palme bringt

23.03.2021 um 10:00, Simone Reitmeier & Sandra Eder
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Ihr Kind rollt mit den Augen, sobald Sie nur den Mund aufmachen, und Diskussionen enden mit knallenden Türen? Wir haben uns umgehört, was Teenager wirklich an ihren Eltern stört.

Smartphone: „Hängst du schon wieder am Handy?“

Diesen Satz kann wohl kein Teenie mehr hören. Dass übertriebener Smartphone-Konsum bedenklich ist, weiß auch ein Jugendlicher. Allerdings spielt sich mittlerweile – allen voran in Corona-Zeiten – ein großer Teil des Lebens einfach online ab. Man ist vernetzt, tauscht sich aus und, anders als viele Eltern denken, geht es dabei nicht nur um Gaming und Sinnlosigkeiten. Übrigens: Den Teenagern fällt sehr wohl auf, dass auch Mama und Papa viel zu oft am Handy hängen.

Rat an die Eltern: Nicht nachvollziehbare Verbote oder übertriebene Kontrolle sind definitiv der falsche Weg. Ja, Eltern sollten über Gefahren im Internet aufklären, aber auch an die Eigenverantwortung der Kinder appellieren und ihnen damit zeigen, dass sie ernst genommen werden. Im besten Fall werden handyfreie Zeiten und Regeln bestimmt, die für alle Familienmitglieder gelten – Eltern nehmen schließlich eine Vorbildrolle ein.

Teenie hängt am Handy | Credit: MOMO PRODUCTIONS/DIGITALVISION/GETTY IMAGES

Kontrollwahn: "Waaas? Wohin? Mit wem?"

Das nervt so gut wie jeden Teenager: übertriebener Kontrollwahn. Jugendliche beginnen gerade erst, sich selbst zu finden, eigene Entscheidungen zu treffen und um Autonomie zu ringen. Sie möchten unabhängig sein, Geheimnisse haben und nicht mehr alles mit den Eltern teilen. Wirklich verwunderlich ist es also nicht, wenn ein ständiges Ausfragen auf taube Ohren trifft. Das macht Kinder schlicht und ergreifend wahnsinnig und hat nicht selten zur Folge, dass komplett dichtgemacht wird.

Rat an die Eltern: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Das geht auch umgekehrt. Mama kann ja durchaus interessiert sein und dabei trotzdem die Privatsphäre respektieren. Am besten hakt man nur dann nach, wenn es sich um ein wirklich wichtiges Thema handelt. Wer der neue Schwarm ist oder ob es in den Park oder zu Freunden nach Hause geht, muss Papa nun wirklich nicht wissen. No-Gos: Handy schnüffeln oder Zimmer durchsuchen!

Nervige Fragen: "Jetzt erzähl doch mal ein bisschen …"

Warum glauben Eltern, dass Teenager Bock darauf haben, jede Einzelheit des Lebens mit ihnen zu besprechen? Wie soll es in der Schule oder am Nachmittag bei Freunden schon gewesen sein? Und dann gibt es noch die peinlichen Klassiker, wenn Papa mit den Freunden plaudert und vergisst, dass er nicht der beste Kumpel ist.

Rat an die Eltern: Zugegeben, zwischen Interesse zeigen und nervig sein liegt ein schmaler Grat. Wenn man merkt, dass der Sohn gerade keine Lust auf Konversation oder schlicht und ergreifend nichts Spannendes zu erzählen hat, sollte man vielleicht einfach besser die Klappe halten und dem Teenie seinen Rückzug zugestehen. Und bitte nicht vergessen: Mama und Papa sind nicht die oder der BFF des Kindes.

Schule: "Ach, das bisschen Lernen!??"

Stundenlanger Unterricht, Homeschooling, Hausaufgaben und Lernen. Kommt dann noch ein gewisser Notendruck vonseiten der Eltern dazu, ist das alles andere als „nice“. Der Vorwurf, dass die Generation Z gerade in Corona-Zeiten mehr Freizeit als Schule hat, ist einfach falsch. Sätze wie „Euch wird die Matura geschenkt“ oder „Warte mal ab, bis du arbeiten musst …“ werden als persönliche Kränkung empfunden.

Rat an die Eltern: Möchten Sie fünf Stunden Onlineunterricht am Stück und anschließend Französischgrammatik sowie Mathegleichungen alleine erarbeiten? Oder ständig zu hören bekommen, dass Ihr Job ein Kinderspiel und nicht der Rede wert ist? Wohl kaum! Zeigen Sie ernsthaftes Interesse und Verständnis für den vorherrschenden Druck. Bieten Sie (Lern)Hilfe an, anstatt bessere Noten zu fordern – ohne zu wissen, woran es hapert.

Hausaufgaben | Credit: CAROL YEPES/MOMENT/GETTY IMAGES

Belächeln: "Das ist doch halb so schlimm!"

Liebeskummer, Krach mit der besten Freundin oder Unzufriedenheit auf ganzer Linie – Teenager wollen, dass ihre Probleme ernst genommen und nicht als Lappalie abgetan werden. Spaßig gemeinte Bemerkungen sind verletzend, wenn man selbst gerade an einem Problem verzweifelt und mit den Emotionen überfordert ist.

Rat an die Eltern: Versetzen Sie sich doch einmal in Ihre Teenie-Jahre zurück – jede Generation kämpft mit ihren eigenen Herausforderungen. Sätze wie „Bis zum Heiraten ist alles wieder gut“ oder „Ach, mach doch kein Theater daraus“ kann man sich getrost sparen, wenn für die Tochter gerade die Welt untergeht. Wenn sich ihr Kind Ihnen schon anvertraut und öffnet, nehmen Sie die Chance wahr und erkennen Sie die Sorge als solche an. Zuhören und Verständnis können bereits Teil der Problemlösung sein.

Individualität: "Willst du so aus dem Haus gehen?"

Warum soll man in der Schule keine Caps tragen dürfen? Und warum müssen Eltern eigentlich ständig den Style und die Klamotten kommentieren? Teenager wollen ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen und orientieren sich an Influencern, Promis oder der eigenen Clique – nicht an Mama und Papa.

Rat an die Eltern: Ja, Tennissocken trägt man aktuell hochgezogen und bauchfrei ist angesagt – auch wenn man selbst mitdiesen Styles nichts anfangen kann. Jede Teenagergeneration grenzt sich optisch von den Erwachsenen ab. Und das ist völlig okay so. Versuchen Sie, aus in ihren Augen fragwürdigen Outfits kein Drama zu machen – selbst wenn es zum Abendessen bei Oma oder zur Hochzeit des Bruders geht.

Verbote: "Dafür bist du noch viel zu jung!"

Regeln, Regeln, Regeln… Gefühlt darf man im Alter zwischen 13 und 17 überhaupt nichts, was Spaß macht. Warum trauen einem Eltern eigentlich überhaupt nichts zu und sind in keinerlei Hinsicht kompromissbereit? Ausgehen mitFreunden bedeutet schließlich nicht gleich Drogen, Sex und Kontrollverlust.

Rat an die Eltern:  Erwachsene sehen häufig Gefahren, mit denen sich die Kids gar nicht beschäftigen. Hinterfragen Sie immer wieder Ihre aufgestellten Regeln und handeln Sie vor allem gemeinsam lebbare Kompromisse aus. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung: Ständige Verbote machen Dinge nur noch interessanter, während eine sachliche Diskussion an die Vernunft appelliert. Grenzen austesten gehört zum Jungsein dazu.

Auf taube Ohren stoßen | Credit: SELECTSTOCK/VETTA/GETTY IMAGES

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