Trendsport Klettern: Der Berg ruft!

Klettersteiggehen macht Spaß, steigert die Konzentrationsfähigkeit, ist ein Ganzkörpertraining und die derzeit am stärksten boomende Sommersportart. Sie möchten auch die Wände hochgehen? Weekend Magazin gibt Tipps für Einsteiger.

Zwischen Trend und Tradition

Bundesweit gibt es 300 Klettersteige, jedes Jahr werden rund zwanzig neue Eisenwege in den Fels geschlagen. Die Nachfrage ist riesig. Manche Klettersteige wie etwa der Drachenwand-Steig am Mondsee erleben derzeit einen derart großen Ansturm, dass sie mittlerweile längst an der Kapazitätsgrenze angekommen sind. An schönen Wochenenden wird das oberösterreichische Klettergebiet von rund 1.000 Bergfüchsen gestürmt. Klettersteige haben in Österreich bereits eine lange Tradition und Geschichte. "Viele heimische Klettersteige sind bereits mehr als 100 Jahre alt. Sie wurden errichtet, um Pässe zu überwinden und zu Hütten zu gelangen", erklärt Csaba Szépfalusi, Bergführer beim Alpenverein Wien.

Nicht überfordern

Klettersteige ermöglichen vor allem Nichtkletterern das Naturerlebnis im steilen Fels bei möglichst geringem Risiko. Entlang eines Drahtseils, das zur Sicherung, aber auch zur Fortbewegung dient, geht es beim Klettersteiggehen über natürliche wie auch künstliche Tritte und Griffe aufwärts. Die Routen sollten, abhängig von der jeweiligen Fitness und den Vorkenntnissen des Bergfuchses, ausgewählt werden.

Kletter-ABC

Die Angabe der Schwierigkeit eines Klettersteigs erfolgt in Österreich in Buchstaben. "A" steht für leicht, "B" für "mäßig schwierig", "C" für schwierig und so weiter. Die Bewertungsskala endet mit "E" für "extrem schwierig." Bergkraxler suchen aber immer wieder nach neuen Herausforderungen. Deswegen versuchen viele Klettersteig-Errichter durch immer spektakulärere Varianten die Schwierigkeit des Steigs zu erhöhen. Das hat die Ausweitung der Skala auf den Buchstaben "F" erfordert. "Einsteiger sollten nicht mit Klettersteigen starten, die eine höhere Schwierigkeitsstufe als C haben", so Bergführer Szépfalusi.

Schule des Kletterns

Aller Anfang ist schwer - auch beim Klettersteiggehen. Deswegen empfiehlt Szépfalusi, einen zweitägigen Kletterkurs zu besuchen. "Besonders wichtig ist zu lernen wie man ökonomisch klettert", so Szépfalusi. Wenn ein übermotivierter Bergfuchs mit voller Kraft auf den Berg startet, ihm dann aber in 200 Metern Höhe plötzlich die Puste ausgeht, kann der Abstieg gefährlich werden. Das Tempo sollte also richtig, das heißt nach der Tourenlänge und dem Konditionsstand, eingeteilt werden. Weiters sind ein paar Grundregeln beim Klettersteiggehen zu beachten.

1. Gute Ausrüstung

Klettergurt, Klettersteigset und Helm: Nur die konsequente und richtige Anwendung der Ausrüstung ermöglicht eine sichere Begehung von Klettersteigen. Für den Notfall nicht auf das Erste-Hilfe-Paket und das Mobiltelefon (Euro-Notruf 112) vergessen. Falls es Empfang gibt!

2. Blitzgefahr

Bei Gewitter verwandeln sich die Eisenteile des Klettersteigs in riesige Blitzableiter. Regen, Nässe und Kälte erhöhen das Sturzrisiko zudem. Bei einem Wetterumsturz also wider rasch umdrehen. Und bei Gewitter die Tour erst gar nicht losstarten.

3. Gefahren einschätzen

Blindes Vertrauen in Drahtseile, Haken und Verankerungen kann gefährlich werden - sie könnten locker sein.

4. Achtung, Steinschlag

Achtsames Steigen verhindert Steinschlag. In Rinnen und Schluchten sollte nur eingestiegen werden, wenn sie auch "frei" sind, also keine anderen Bergsteiger hier gleichzeitig unterwegs sind.

5. Kein Überholmanöver

Zu den anderen sollte immer Abstand eingehalten werden. Wer diese Tipps beherzigt, dem steht einer sicheren Klettertour nichts mehr im Wege. Viel Spaß und Berg Heil!

Autor: Laura Engelmann, 19.07.2017