Horrortrip: Warum U-Bahnfahren das Schlimmste ist

Sobald sich die gemeingefährlichen, durch Druckluft und einem mechanischen Schloss gesicherten Türen schließen (dazu kommen wir gleich noch), beginnt ein Horrortrip, den Sie niemals wieder vergessen werden. Nach jahrelanger Reflexion verstehen wir nun, warum kein Bundesländler unser sonst so prächtiges Wien mag – das KANN einfach nur an der U-Bahn liegen... Aber zerlegen wir einmal die einzelnen üblen Bausteine in der engen Transportzone, die an dem ohnehin schon gebrechlichen Nervenkostüm der Wiener zerren.

Also: 1. Die Türen

Sobald das plärrende Signal der zufallenden Türen unsere Großhirnrinde durchlöchert, beginnt ein schweißtreibendes Spiel um Leben und Tod, das dem russischen Roulette gleicht. Für Adrenalinjunkies ist dieser Nervenkitzel pures Vergnügen, doch für uns NORMALEN Menschen bedeutet das Warnzeichen, das von dem alarmierenden, roten Licht solidarisch unterstützt wird, ein akutes Burnout! Springen wir nämlich beim letzten „Pieps“ noch in die U-Bahn, kann uns die Unversehrtheit unserer Po-Backen niemand mehr garantieren. Die schweren Türen haben Potenzial, eine phobische Störung auszubrüten.

2. Klaustrophobie

Neben dieser hier. Da natürlich niemand eingezwickt werden will, scharen sich unüberschaubare Menschenmassen vor Ankunft der Bahn natürlich direkt an den Türen, um schnellstmöglich hineinhüpfen zu können und sein Leben sicher zu wissen. Das führt allerdings zur nächsten Phobie: der Platzangst - nicht nur am Bahnsteig, sondern auch im Waggon. Vielleicht ist es selektive Wahrnehmung, aber die enorme Bürgeranhäufung scheint immer nur im Sommer stattzufinden. Wenn alles pickt und tropft, tun fremde verschwitzte Körperteile ihren Rest, damit wir uns in der mobilen Sauna pudelwohl fühlen. Wer meint, dass bei Panik-Attacken tiefes Einatmen hilft, hat sich in diesem Fall getäuscht.

3. Kaputte Klima oder sadistischer Fahrer?

Wir bleiben beim Thema Sauna. Ihnen ist bestimmt auch schon einmal aufgefallen, dass unser körpereigenes Wasser in gewissen U-Bahnen – allen voran der U6 – über den Siedepunkt hinausgeht. Nicht nur weil DRAUSSEN Hochsommer ist. Wir werden wohl nie erfahren, ob sich Wien einfach keine neuen Klimaanlagen leisten kann oder sich womöglich ein sadistischer Fahrer hinter diesem Mysterium versteckt und zusätzlich die Heizung aufdreht. Da Wien jedoch die Stadt mit der höchsten Lebenqualität weltweit ist, tippen wir auf zweiteres...

4. Die werten Mitreisenden

Der Geräuschpegel in der U-Bahn überschreitet gefühlsmäßig 8.000 Dezibel. Das liegt weniger an der Reibung der Maschine an den Schienen, sondern an unseren werten Mitreisenden, die wir hier kategorisch unterteilen. Zunächst einmal fahren auch Kinder U-Bahn. Nichts gegen Kinder – sie sind wahrlich lustige Wesen, die uns mit ihren süßen zweitausend Fragen pro Minute jede noch so ewig lange Fahrt versüßen können. Wenn sich allerdings ein ganzer Schwarm Kinder im Abteil ausbreitet, setzt unsere überlebenswichtige Kampf-oder-Flucht-Reaktion ein. Recht viele Ausgänge gibt es in der U-Bahn aber nicht... Also lassen Sie es über sich ergehen, stecken Sie die Kopfhörer an oder steigen Sie aus und riskieren Sie eine Rüge vom Chef. Dann gibt es da noch die Telefonisten und angehenden Musikproduzenten, die vermutlich vorab direkt testen wollen, wie gewisse Beats und schwer aufnehmbaren Rhythmen bei den Bürgern ankommen. Wir haben einen Tipp: Lassen Sie sich auf beide Reisetypen ein und versuchen Sie, die Show zu genießen. Vor allem durch die Telefonisten werden Sie sich zum ersten Mal bewusst werden, wie viele Sexualprobleme Österreich eigentlich hat.

Autor: Andreea Iosa, 23.08.2017