Ein königliches Theater: Skandal Royal

Was für ein Skandal! Sieben Schüsse feuerte Spaniens König Juan Carlos auf einen Elefantenbullen bei einer Großwildjagd in Botswana ab. Blöd nur, dass sich der König dabei verletzte und nach Madrid zurückgeflogen werden musste. Dem nicht genug, setzte der Monarch mit zahlreichen Affären noch eines drauf. "Die hatte er aber schon früher, die Königin hat ihn sogar in flagranti erwischt", weiß Adelsexpertin Lisbeth Bischoff. Aber im Zuge der Skandaljagd wird auch dieser Fehltritt neu aufgerollt. Und reiht sich somit in eine Vielzahl an Skandalen der europäischen Royals ein. Erst kürzlich geriet auch Schwedens Oberhaupt König Carl Gustaf wegen seiner Sex-Affären im Rotlichtmilieu ins Kreuzfeuer der Kritik. "Das hat in Schweden aber eine ganz spezielle Bedeutung, weil ein Prostituiertenbesuch per Gesetz verboten ist. Und dann macht das der König mit öffentlichen Geldern. Kein Wunder, dass sich das Volk aufregt", so der Bischoff.

Skandale und Lügen

Intrigen und dubiose Geschäfte: Da stellt sich die Frage: Braucht Europa überhaupt noch Monarchen? Zur Aufrechterhaltung einer Märchenwelt vielleicht, denn wirklich regieren darf in Europa sowieso kein Monarch mehr. Statt amtlicher Entscheidungen beschränken sich die Pflichten des Hochadels auf das Repräsentieren, das Verleihen von Orden und das Winken. Den Rest übernimmt das Parlament. Und weil die Adeligen dennoch in der Öffentlichkeit stehen, tauchen sie in den Nachrichten vor allem dann auf, wenn sie sich einen Fehltritt geleistet haben.

Lange Tradition

Die Skandale im royalen Umfeld haben eine lange Tradition. Einer der größten war sicherlich, als der englische König Edward VIII. 1936 zugunsten seiner großen Liebe Wallis Simpson als König abdankte. "In der damaligen Zeit war es undenkbar, dass ein Thronfolger eine geschiedene, bürgerliche Amerikanerin ehelicht, da es nach britischem Hofzeremoniell nicht angemessen war", erklärt Bischoff. Die Mitglieder eines Königshauses - egal in welchem Land - mussten sich schon immer an bestimmte Regeln halten. Dazu gehörte auch, dass sie nicht einfach heiraten durften, wen sie wollten. Darum mussten sie ihre Bedürfnisse anderwertig ausleben. Ein Blick durchs Schlüsselloch in die Schlafzimmer der Habsburger beweist: Im eigenen Ehebett spielte sich oft wenig ab. Aber in fremden Betten ging es rund: Kaiser Maximilian I. hatte angeblich siebzig uneheliche Kinder und Marie Louise, Napoleons Frau, betrog ihn mit einem Einäugigen. Während früher Kaiser über sämtliche Familienangelegenheiten bestimmte, ist es heute mitunter des Parlament, dessen Zustimmung vor einer Trauung eingeholt werden muss. Diese strengen Regeln haben sich mittlerweile in ganz Europa gelockert - immer mehr Royals bekennen sich eher zu ihrer Liebe als zum Thron. "Der Thron hat heute auch keine Funktion mehr, und die Jungen lassen sich nicht mehr alles gefallen", so Bischoff. Sowie Kronprinz Haakon von Norwegen, der trotz vorehelicher Skandale (Drogen, Nacktfotos) zu seiner Mette-Marit stand.

Fluch einer Familie

Nicht so viel Glück in der Liebe hatten die Grimaldis aus Monaco. Zuerst sorgte Prinzessin Caroline, aufgrund "unstandesgemäßer" Liebschaften, für Gesprächsstoff. Dann kam Stéphanie, die gegen den Willen der Familie ihren Bodyguard ehelichte und prompt von ihm betrogen wurde. Und auch die Ehe von Prinz Albert dürfte unter keinem guten Stern stehen. Charlene wollte schon vor der Hochzeit fliegen, als bekannt wurde, dass ihr Zukünftiger etliche uneheliche Kinder vorzuweisen hat.

Fels in der Brandung

In den meisten europäischen Monarchien ist die Beliebtheit der Royals sehr personenbezogen. In Großbritannien gilt die Queen als wahrer Fels in der Brandung. "Sie ist ein adeliges Denkmal und das schon zu Lebzeiten. Sie schaut immer gleich aus und vermittelt den Menschen vor allem in Krisenzeiten eine gewisse Kontinuität und Sicherheit", erklärt Lisbeth Bischoff. Doch auch ihre Familie sorgt immer wieder für Aufsehen: Prinz Charles, als er Camillas Tampon sein wollte, oder Prinz Harry mit seiner Nazi-Verkleidung und Alkohol-Exzessen. Prinz Andrew ist aufgrund seiner dubiosen Kontakte und seiner teuren Reisen der wohl unbeliebteste Monarch Englands. Und Elizabeth-Gemahl, Prinz Philipp, sollte man wegen seiner verbalen Ausrutscher lieber gleich ein Sprechverbot erteilen.

Ja zum Adel?

Trotz all dieser Entgleisungen befürworten rund 70 Prozent der Briten die Monarchie. Laut der Politologin Emily Robinson, tun sie das aber aus Angst, vor dem, was danach kommen könnte. "Für viele ist die Vorstellung noch abstoßender, einen zweitklassigen Politiker in das neu zu schaffende Amt des Präsidenten zu wählen", erklärt die Monarchiegegnerin. Kritikern zum Trotz sind die Royals aber auch werbewirksame Botschafter für ihr Land. Die Hochzeit von William und Kate brachte allein in London Einnahmen von 107 Millionen Pfund. Die britische Tourismusbehörde berichtet zudem, dass der Monarchie auch in Jahren ohne royalem Event rund 500 Millionen Pfund an Einnahmen zu verdanken seien. Doch die Gegner fordern eine "ambitionierte, selbstbewusste Nation, anstatt ein Symbol der Vergangenheit zu feiern. Hoffnungsträger für die Monarchie sind derzeit die jungen Royals wie Will & Kate oder Victoria & Daniel. Sie machten ihre Märchen vom großen Glück wahr und blieben trotz ständiger Medienbeobachtung skandalfrei. Bis jetzt.

Autor: Laura Engelmann, 08.05.2017