5 Dinge, die jeder Hobby-Fotograf haben sollte

Für Fotografie zählen nur zwei Dinge: ein anständiger Kamera-Body und eine nicht minder anständige Objektiv-Sammlung. Wer das Hobby jedoch tiefergehend ausüben will, braucht mehr.
Autor: Weekend Online, 02.08.2019 um 09:50 Uhr

Was dem Autofahrer das "Benzingespräch" über Hubräume und Leistungen, ist dem Hobby-Fotografen der Tech-Talk: neue Bodys, Kamerakonzepte, Festbrennweiten hier, Studioblitze dort. Die schiere Masse der Foto-Technik macht Spaß, aber oft auch ein bisschen "betriebsblind".

So kommt es, dass nicht wenige Hobby-Fotografen zwar profi-taugliche Kameras und Blitze haben, es aber an vielem anderem, nicht minder Essenziellen mangelt. Worauf es noch ankommt, verraten wir mit den folgenden Tipps.

1. Eine richtig anständige Tasche

Es gibt Freizeitfotografen, die besitzen Kameras und Linsen im Wert von fünfstelligen Beträgen. Aber sobald diese transportiert werden sollen, wird entweder das mitgelieferte Täschchen verwendet oder "irgendein" billiger Rucksack – beides ist weder einem so umfangreichen Equipment würdig noch schützt es dieses hinreichend.

Wo ein einzelnes Objektiv spielend die 1000 Euro-Grenze durchbricht, sollte es definitiv keine Tasche für 50 Euro sein. Man muss nicht zwingend zum Klassiker der Profis, dem Domke F2 um 240 Euro greifen. Aber sowohl Rucksack wie Umhängetasche sollten konkret für Kameras gebaut, gepolstert und ausreichend groß sein, sodass man nie quetschen oder improvisieren muss.

2. Eigenlob an der Wand

Vielfach ist der einzige Unterschied zwischen Hobby-Fotograf und Profi der, dass letzterer Geld für seinen Job bekommt. Woran es aber bei vielen Hobbyisten mangelt, ist der Wille zur Selbstdarstellung.

Da lagern vielleicht hunderte Gigabyte guter Fotos auf der Festplatte und bekommen nie die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Stinkt Eigenlob nicht? Nein, nicht in diesem Fall. Auch, um sich selbst zu motivieren (und natürlich vor Hausgästen in aller Bescheidenheit ein bisschen anzugeben), sollte man seine besten Werke aus dem Schneckenhaus holen – allerdings nicht normal und klein ausdrucken, sondern ruhig großformatig in Szene setzen - etwa in Form von Plakaten. Das geht dank neuer Drucktechniken heute auch in Kleinserien.

Dabei geht es nicht darum, Masse an die Wand zu bringen. Sondern eine kleine Handvoll Auswahlstücke, die einen täglich daran erinnern, dass man Fähigkeiten besitzt, die weit über das Fokussieren und Auslösen hinausgehen.

3. Den GIMP

Es gibt Fotografie-Puristen, die würden auch im digitalen Fotozeitalter keinem Bild Änderungen jenseits von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert angedeihen lassen. Noch mehr Hobby-Fotografen gibt es jedoch, die gar nicht wissen, in welchem Maß sie ihre Fotos noch verbessern können – und das nicht mit irgendeiner App.

Natürlich, Photoshop ist der Goldstandard – aber das Abo kostet monatlich 11,99 Euro. Da muss man schon viel bearbeiten, damit es sich lohnt. Wen eine etwas weniger intuitive Bedienung nicht abschreckt, der findet im quelloffenen GIMP (ähnlich wie Wikipedia) eine Alternative, die das Gleiche vermag, aber keinen Cent kostet. Und Ratgeber dazu gibt's im Netz zuhauf.

4. Hochwertige Wanderschuhe

Der Fokus vieler Fotografen liegt darauf, Natur und Landschaftsszenen festzuhalten - sicherlich nicht der schlechteste und ganz sicher einer der anfängertauglichsten Stile überhaupt.

Vor allem Einsteiger jedoch sind häufig mit absolut untauglichem Schuhwerk in der Wildnis unterwegs – und riskieren mit Stürzen nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch das Equipment.

Wer in freier Natur fotografiert - und sei es nur sporadisch - beim Schuhwerk nicht sparen und 100 Euro in gutes Schuhwerk investieren. Es brauchen keine bergtauglichen Profistücke sein. Sie sollten nur eine richtig griffige Sohle haben, die Knöchel bedecken – und grundsätzlich getragen werden, wenn es rausgeht.

5. Eine Gliederpuppe

Gerade, wenn man Personen fotografiert, ist es wichtig, immer wieder Bildszenen neu zu komponieren. Der begrenzte Bewegungsraum des menschlichen Körpers macht das nicht einfacher. Um Komposition üben zu können braucht es unbedingt ein freiwilliges Fotomodell. Wer einen duldsamen Lebenspartner hat, kann diesen Tipp überspringen. Alle anderen sollten jedoch nicht für stundenlanges Posing auf andere vertrauen, sondern sich lieber "des Fotografen Pinocchio" – der Gliederpuppe - bedienen.

Sie besteht meist aus Holz, es gibt sie in weiblicher wie männlicher Ausführung. Die Größe variiert zwischen 20 und mehr als 50 Zentimeter. Und die Gliederpuppe hat die gleichen Gelenke an den gleichen Stellen wie der Mensch – bloß, dass sie ungleich duldsamer ist!

Man kann sie biegen, drehen, positionieren, stundenlang durch den Sucher betrachten, ohne damit jemand anderen zu behelligen. Und weil die Puppen weit weniger als 50 Euro kosten, sind sie ein Must-have für jeden, der sich an Porträt- und Ganzkörperfotografie versuchen will.

6. Bessere Gurte

Zu jeder Kamera gehört "er": der beiliegende Gurt. Meist unübersehbar aus Nylonstoff mit dem Herstellernamen bedruckt ist er im Grunde eine ergonomische Katastrophe. Denn selbst bei teuren Kameras sind in der Regel ziemlich "billige" Gurte dabei. Sie halten die Kamera am Nacken. Das war es aber auch. Insbesondere mit Tele-Objektiven wird diese Serienware schnell zur Tortur, scheuert einem bestenfalls die Haut wund, sorgt für Nackenbeschwerden und bleibt leicht an Gegenständen hängen.

Was sich stattdessen anbietet:

  • Fürs Studio sowie weitere ortsfeste Shootings bietet sich die simple Handschlaufe zur unkomplizierten Sicherung an – die man übrigens auch flugs selbst knüpfen kann.
  • Für einzelne Kameras mit normalen Objektiven sollte es ein sehr breiter, einhändig verstellbarer Gurt sein.
  • Wer gleichzeitig zwei Kameras nutzen will, wird mit einer "Sniper Strap" glücklich, bei der man die Kameras seitlich hängenlassen kann.
  • Wer eine oder zwei Kameras mit schweren, langen Objektiven hat, sollte auf ein Schultertragesystem mit Harnisch setzen.

All diese Alternativen sind bequemer und im Falle der Handschlaufe auch noch sicherer, weil effektiv verhindert wird, dass man beim schnellen Rangieren an Tischkante und Co. hängenbleibt – was öfter vorkommt, als man glaubt.