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Neue Stromnetztarife ab 2027: Die E-Control ändert die Berechnung der Netzkosten.
Strommast mit Hochspannungsleitungen und rotem Pfeil nach oben als Symbol für mögliche höhere Kosten durch die neuen Stromnetztarife 2027 in Österreich.
Strommast mit Hochspannungsleitungen und rotem Pfeil nach oben als Symbol für mögliche höhere Kosten durch die neuen Stromnetztarife 2027 in Österreich.
2000studio / shutterstock.com

Neue Stromnetztarife: Wer ab 2027 mehr bezahlen könnte

13.10.2026 um 07:58, Stefanie Hermann
min read
Ab 2027 gelten neue Stromnetztarife in Österreich. Wer künftig mehr zahlen muss, welche Rabatte geplant sind und wie Haushalte Geld sparen können.

Ab 2027 gelten in Österreich neue Stromnetztarife. Wer viel Strom auf einmal verbraucht, dürfte künftig mehr bezahlen. Gleichzeitig sind neue Rabatte geplant. Besonders für Besitzer von Elektroautos und Wärmepumpen ändert sich einiges.

​Neue Stromnetztarife starten im Jänner 2027

Die E-Control hat am Montag ihre Pläne für die größte Reform der Stromnetztarife seit rund 20 Jahren vorgestellt. Ab 1. Jänner 2027 soll die Umstellung schrittweise beginnen. Spätestens am 1. Juli 2028 müssen alle Netzbetreiber das neue Modell anwenden.

Bisher haben sich die Netzkosten vor allem danach gerichtet, wie viel Strom ein Haushalt insgesamt verbraucht. Künftig zählt zusätzlich, wie viel Strom innerhalb kurzer Zeit aus dem Netz bezogen wird.

Neue Stromnetztarife 2027 im Überblick

  • Start: 1. Jänner 2027
  • Vollständige Umstellung: bis 1. Juli 2028
  • Neue Berechnung: Strommenge und höchster Leistungsbezug
  • Messung: höchster 15-Minuten-Durchschnitt pro Monat
  • Leistungspreis: anfangs 40 Prozent, langfristig 50 Prozent
  • Konkrete Eurotarife: noch offen

​Wer mehrere Geräte gleichzeitig nutzt, könnte mehr zahlen

Teurer werden könnte es vor allem für Besitzer von Elektroautos, Wärmepumpen, Saunen oder beheizten Pools.

Ein Beispiel: Wer sein Elektroauto lädt, während die Wärmepumpe heizt und weitere Elektrogeräte eingeschaltet sind, verursacht einen besonders hohen Strombedarf. Solche Spitzen sollen sich künftig stärker auf die Netzkosten auswirken.

Gemessen wird mit dem Smart Meter. Ausschlaggebend ist der höchste durchschnittliche Strombezug innerhalb von 15 Minuten pro Monat. Zum Start sollen 40 Prozent der entsprechenden Netzkosten nach der beanspruchten Leistung berechnet werden. Später ist eine Aufteilung von jeweils 50 Prozent nach Strommenge und Leistung vorgesehen.

Diese Geräte könnten die Netzkosten erhöhen

  • Elektroauto: Laden mit elf Kilowatt kann einen hohen Leistungsbezug verursachen.
  • Wärmepumpe: Läuft sie gleichzeitig mit der Wallbox, steigt der Strombedarf.
  • Sauna und Poolheizung: Auch diese Geräte können hohe Verbrauchsspitzen verursachen.
  • Mehrere Geräte gleichzeitig: Entscheidend ist die höchste durchschnittliche Leistung innerhalb von 15 Minuten.

Wichtig: Nicht der Besitz dieser Geräte führt automatisch zu höheren Netzkosten. Ausschlaggebend ist, wie viel Leistung gleichzeitig aus dem Netz bezogen wird.

​E-Auto langsamer laden kann Geld sparen

Wer hohe Netzkosten vermeiden möchte, sollte große Stromverbraucher möglichst nicht gleichzeitig einschalten. Die E-Control empfiehlt beispielsweise, ein Elektroauto statt mit elf Kilowatt nur mit vier Kilowatt zu laden.

Für Haushalte ohne Elektroauto, Wärmepumpe oder andere große Stromverbraucher dürfte sich dagegen wenig ändern. Wie hoch die tatsächlichen Unterschiede ausfallen, steht noch nicht fest.

​Strom wird im Sommer zu bestimmten Zeiten günstiger

Mit den neuen Stromnetztarifen werden auch Rabatte eingeführt. Zwischen April und September soll der verbrauchsabhängige Netzpreis täglich von 10 bis 16 Uhr um 20 Prozent sinken.

Wer Waschmaschine, Geschirrspüler oder andere Geräte in dieser Zeit nutzt, kann dadurch Netzkosten sparen. Der Rabatt gilt allerdings nicht für die gesamte Stromrechnung.

Ab Oktober 2027 ist außerdem ein günstigerer Wintertarif zwischen 23 und 5 Uhr geplant. Auch die Höhe dieses Nachlasses ist noch offen.

​75 Prozent Rabatt für flexible Haushalte

Ein weiterer Rabatt ist für Haushalte vorgesehen, die dem Netzbetreiber erlauben, ihren Strombezug zeitweise zu begrenzen.

Dafür sollen sie 75 Prozent weniger beim leistungsabhängigen Netzpreis bezahlen. Der Netzbetreiber darf die Leistung höchstens zweimal täglich für jeweils zwei Stunden einschränken.

Diese Stromrabatte sind geplant

  • Sommertarif: April bis September, täglich von 10 bis 16 Uhr. 20 Prozent Rabatt auf den verbrauchsabhängigen Netzpreis.
  • Wintertarif: Oktober bis März, täglich von 23 bis 5 Uhr. Geplant ab Oktober 2027, Höhe des Rabatts noch offen.
  • Flexibler Netztarif: 75 Prozent Rabatt auf den Leistungspreis, wenn der Netzbetreiber den Strombezug höchstens zweimal täglich für jeweils zwei Stunden begrenzen darf.

Achtung: Die Rabatte gelten nur für bestimmte Bestandteile der Netzentgelte, nicht für die gesamte Stromrechnung.

​Wie viel die neuen Stromnetztarife kosten, ist noch offen

Konkrete Preise sollen im Laufe des Oktobers veröffentlicht werden. Erst dann lässt sich genauer abschätzen, welche Haushalte künftig mehr oder weniger bezahlen.

Die E-Control rechnet damit, dass durch die Reform langfristig rund 300 Millionen Euro an jährlichen Netzkosten vermieden werden können. Ob ein einzelner Haushalt profitiert, hängt künftig stärker davon ab, wann und wie viel Strom er gleichzeitig benötigt.

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