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Warnschild vor Zecken die das Alongshan Virus in Österreich übertragen
Seit zwei Jahrzehnten heimisch: Das Alongshan-Virus wurde von Forschern der MedUni Wien erstmals in österreichischen Zecken nachgewiesen.
Seit zwei Jahrzehnten heimisch: Das Alongshan-Virus wurde von Forschern der MedUni Wien erstmals in österreichischen Zecken nachgewiesen.
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Zeck überträgt: Virus erstmals in Österreich nachgewiesen

09.06.2026 um 13:03, Marcel Toifl
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Forscher der MedUni Wien haben das Alongshan-Virus erstmals in Österreich nachgewiesen. Das Zeckenvirus zirkuliert jedoch bereits seit über 20 Jahren.

Wissenschaftler des Zentrums für Virologie der MedUni Wien haben erstmals das sogenannte Alongshan-Virus (ALSV) in Österreich nachgewiesen. Für die Bevölkerung im ländlichen Raum gibt es jedoch sofort eine grundlegende Entwarnung. Durch umfassende genetische Analysen von alten und neuen Zeckenproben konnten die Experten belegen, dass das Virus keineswegs neu eingeschleppt wurde, sondern sich bereits vor mindestens 20 Jahren unbemerkt in der heimischen Natur etabliert hat. Ein akuter Grund zur Panik besteht nach Angaben der Studienautoren somit absolut nicht.

Geografische Verbreitung: In welchen Bundesländern das Virus aktiv ist

Die im renommierten Fachmagazin The Lancet Microbe veröffentlichte Studie basiert auf einer enormen Datenmenge. Das Forschungsteam untersuchte rund 3.000 im Jahr 2024 frisch gesammelte Zecken sowie 2.000 archivierte Proben, die aus den Jahren 2005 bis 2018 stammten. Ergänzt wurde die Untersuchung durch die Analyse von rund 2.000 Blutproben von menschlichen Patienten.

Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild über die geografische Präsenz des Erregers in der Alpenrepublik:

  • Breite Streuung: Das Alongshan-Virus ist in weiten Teilen des österreichischen Bundesgebietes nachweisbar.
  • Betroffene Bundesländer: Konkrete Nachweise des Virus in den Zeckenpopulationen gab es in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark sowie in Vorarlberg.
  • Seltene Infektionen: Zwar konnte das aktive Virus in keiner einzigen der untersuchten menschlichen Blutproben direkt nachgewiesen werden, allerdings stießen die Virologen bei zwei Personen auf sehr hohe, ALSV-spezifische Antikörperspiegel. Dies beweist unumstößlich, dass es in der Vergangenheit bereits zu Infektionen beim Menschen gekommen ist, diese aber offenbar extrem selten ablaufen.

Symptome und Krankheitswert: Was unterscheidet die Varianten?

Das Alongshan-Virus wurde im Jahr 2017 zum allerersten Mal in China bei Patienten entdeckt, die nach einem Zeckenstich unter schweren, fieberhaften Erkrankungen litten. Mittlerweile gibt es gesicherte Hinweise darauf, dass der Erreger auch in zahlreichen europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Finnland und der Schweiz vorkommt.  Judith Aberle, Professorin für Virusimmunologie an der MedUni Wien erklärt: „Während die ursprünglich in China beschriebene Variante des Virus mit Fieber und klassischen FSME-ähnlichen Symptomen in Verbindung gebracht wird, ist bisher völlig unklar, ob die in Europa zirkulierenden Virusvarianten beim Menschen überhaupt Erkrankungen auslösen.“

Es besteht somit ein erheblicher Forschungsbedarf, da die biologischen Mechanismen und die tatsächliche gesundheitliche Relevanz für den Menschen in Europa noch nicht großflächig erforscht sind. Weitere großangelegte Studien müssen in den kommenden Jahren klären, ob das heimische Virus harmlose Infektionen verursacht oder klinisch relevante Beschwerden hervorrufen kann.

Zukunft der Diagnostik: Aufnahme in offizielle Überwachungsprogramme

Weltweit ist ein kontinuierlicher Anstieg von zeckenübertragenen Viruserkrankungen zu beobachten, die ein wachsendes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen. Bekannte Erreger wie das FSME-Virus oder das gefährliche Krim-Kongo-Fieber-Virus führen global Jahr für Jahr zu zehntausenden Infektionen.

Aufgrund der nun nachgewiesenen, permanenten Zirkulation des Alongshan-Virus in den heimischen Zeckenpopulationen fordert das Team rund um Studienleiterin Judith Aberle eine Anpassung der medizinischen Praxis:

  • Erreger-Überwachung: Das ALSV sollte ab sofort fest in die staatlichen Überwachungsprogramme für zeckenübertragene Krankheitserreger integriert werden.
  • Erweiterte Abklärung: Bei unklaren Erkrankungen oder anhaltenden Symptomen nach einem Zeckenstich sollte das Alongshan-Virus in die routinemäßige diagnostische Abklärung in den Spitälern und Laboren einbezogen werden.

Für Naturliebhaber und Wanderer in Österreich ändern diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse im Alltag nichts: Der klassische Schutz vor Zecken durch repellierende Sprays, das Absuchen des Körpers nach dem Aufenthalt im Unterholz und die FSME-Impfung bleiben weiterhin die wichtigsten Vorsorgemaßnahmen.

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