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Lehrerin steht in einer Klasse und unterrichtet
Hohe Zufriedenheit, aber Handlungsbedarf bei Jungen: Eine neue OECD-Studie analysiert die Situation der Lehrer in Österreich.
Hohe Zufriedenheit, aber Handlungsbedarf bei Jungen: Eine neue OECD-Studie analysiert die Situation der Lehrer in Österreich.
Rido/Shutterstock

Enthüllt: Warum viele Junglehrer in Österreich hinschmeißen

01.10.2026 um 10:45, Marcel Toifl
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Neue OECD-Studie zur Zufriedenheit der Lehrer in Österreich: Hohe Zufriedenheit mit Gehalt und Bedingungen, aber alarmierende Ausstiegszahlen bei Junglehrern.

Eine aktuelle OECD-Studie zur Situation der Lehrer in Österreich zeichnet ein vielschichtiges Bild des heimischen Schulsystems: Während die allgemeine Zufriedenheit der festangestellten Lehrer mit ihren Arbeitsbedingungen und Gehältern im internationalen Vergleich Spitzenwerte erreicht, offenbart der Bericht eine Schwachstelle beim Berufsnachwuchs. Insbesondere die hohe Ausstiegsquote unter Berufseinsteigern sorgt nun für politische Debatten.

​Spitzenergebnis: Hohe Zufriedenheit mit Gehalt und Arbeitsbedingungen

Laut der neuen OECD-Erhebung „Education at a Glance“ stellen die Lehrer in Österreich dem eigenen Beruf ein überwiegend positives Zeugnis aus. Rund 82 Prozent der Lehrkräfte an den Unterstufen und Mittelschulen sind mit ihren allgemeinen Arbeitsbedingungen zufrieden – der internationale OECD-Durchschnitt liegt hier bei lediglich 69 Prozent.

Noch deutlicher fällt der Vorsprung beim Einkommen aus: 72 Prozent der befragten Lehrkräfte zeigen sich mit ihrem Gehalt zufrieden, womit Österreich im internationalen Vergleich den zweiten Platz hinter den Niederlanden belegt (OECD-Schnitt: 39 Prozent). Lediglich sechs Prozent der heimischen Lehrkräfte denken aktiv über einen Berufswechsel nach.

​Sorgenkind Junglehrer: Hohe Ausstiegsrate in den ersten fünf Jahren

Trotz der positiven Gesamtzahlen legt die Studie für Österreich ein kritisches Detail offen: Während die allgemeine Ausstiegsquote voll qualifizierter Kräfte mit 3,2 Prozent überschaubar bleibt, brechen Berufseinsteiger überdurchschnittlich häufig ab. Von jenen Lehrkräften, die den Beruf quittieren, tun dies 69,2 Prozent bereits innerhalb der ersten fünf Dienstjahre.

Fast jeder zehnte Berufsneuling kehrt der Schule damit frühzeitig den Rücken. Als Hauptgründe gelten hohe Arbeitsbelastung, fehlende Unterstützung beim Berufseinstieg sowie die Praxis, jüngere Lehrer häufiger in als schwierig eingestuften Klassen einzusetzen.

​Quereinstieg als Rettungsanker gegen den Lehrermangel

Der vor wenigen Jahren noch akute Personalnotstand an den Schulen hat sich spürbar entschärft. Waren 2022 zum Schulstart noch tausende Stellen unbesetzt, lag die Lücke im Schuljahr 2024/25 österreichweit bei nur noch einem Prozent.

Maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen hat das vereinfachte Modell für Quereinsteiger. Mittlerweile verfügen knapp sieben Prozent der Lehrkräfte an Primar- und Sekundarschulen über keine klassische Lehramtsausbildung, sondern erwerben ihre pädagogischen Qualifikationen berufsbegleitend. Damit liegt Österreich nach wie vor unter dem OECD-Schnitt von rund neun Prozent, konnte die Engpässe jedoch effektiv abfedern.

​Arbeitszeit im Fokus: Weniger Unterrichtsstunden in der Sekundarstufe

Die Erhebung gibt auch Aufschluss über die tatsächliche Arbeitsbelastung. Vollzeitbeschäftigte Pädagoginnen und Pädagogen in Österreich kommen auf durchschnittlich 41,5 Arbeitsstunden pro Woche, was leicht über dem Schnitt anderer heimischer Hochschulabsolventen liegt.

Interessant ist die Verteilung der reinen Unterrichtszeit: Während Volksschullehrer in Österreich mit 783 Nettostunden pro Jahr leicht über dem OECD-Schnitt (770 Stunden) stehen, verbringen Pädagogen in der Sekundarstufe I nur 625 Stunden im Klassenzimmer – im internationalen Vergleich (710 Stunden) ist dieser Wert deutlich niedriger.

​OECD-Empfehlungen und harte Kritik aus der Politik

Um die Attraktivität des Lehrberufs langfristig zu sichern, rät die OECD den Mitgliedstaaten zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung, Bürokratieabbau sowie gezieltem Verwaltungssupport. Nur etwa ein Fünftel aller Lehrkräfte fühlt sich von der Öffentlichkeit ausreichend wertgeschätzt.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sieht in den Ergebnissen eine „gute Ausgangslage“, räumt jedoch ein, dass Österreich bei der Bindung junger Lehrkräfte nachschärfen müsse. Scharfe Kritik kommt von der Opposition: FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl spricht von der „Quittung für politisches Versagen“, während die Grüne Bildungssprecherin Sigrid Maurer den hohen Verlust an motivierten Berufseinsteigern als „bildungspolitischen Skandal“ bezeichnet.

Fakten zur OECD-Studie zur Lehrer-Zufriedenheit in Österreich:

  • Zufriedenheit mit Bedingungen: 82 % in Österreich (OECD-Schnitt: 69 %)
  • Zufriedenheit mit Gehalt: 72 % in Österreich (OECD-Schnitt: 39 %)
  • Junglehrer-Frust: 69,2 % aller Berufsaussteiger hören in den ersten 5 Dientjahren auf
  • Offene Stellen: Nur noch 1 % unbesetzte Lehrposten im Schuljahr 2024/25
  • Quereinsteiger-Anteil: Knapp 7 % im Bereich der Sekundarstufe I

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