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AMS-Chef Johannes Kopf während eines Interviews.
Johannes Kopf sieht vor allem Führungskräfte über 50 als besonders gefährdet.
Johannes Kopf sieht vor allem Führungskräfte über 50 als besonders gefährdet.
APA-Images / APA / GEORG HOCHMUTH

AMS-Chef: Johannes Kopf warnt vor Jobfalle

06.03.2026 um 08:47, Weekend Redaktion
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Johannes Kopf warnt: Vor allem Führungskräfte über 50 haben nach Jobverlust schlechte Chancen. Warum schneller Neustart und Weiterbildung entscheidend sind.

Johannes Kopf schlägt Alarm: Wer über 50 ist und den Job verliert, hat es am Arbeitsmarkt besonders schwer. Vor allem männliche Führungskräfte geraten laut Johannes Kopf nach einer Kündigung oft ins Abseits, weil sie den Neustart zu spät angehen oder mit Vorurteilen bei Bewerbungen kämpfen.

Über-50-Führungskräfte geraten leicht ins Abseits

Wer über 50 ist und seinen Job verliert, hat es am Arbeitsmarkt oft schwer. AMS-Chef Johannes Kopf sieht vor allem arbeitslos gewordene Führungskräfte, insbesondere männliche Manager über 50, als besonders herausfordernde Zielgruppe.

Viele von ihnen haben über Jahre bei jedem Karriereschritt mehr Geld, mehr Verantwortung und mehr Ansehen bekommen. Der Absturz in die Arbeitslosigkeit trifft diese Gruppe nach seiner Einschätzung daher besonders hart.

Kopf meint, dass diesen Führungskräften der Neustart oft schwerfällt. Manche nähmen die Situation zunächst nicht ernst genug und verfielen in eine Art Urlaubsstimmung. Andere würden sich zuerst mit der Kündigung oder Gerichtsverfahren beschäftigen, statt aktiv nach einer neuen Stelle zu suchen.

Warum ein schneller Neustart entscheidend ist

Kopf betont, dass die ersten Monate nach dem Jobverlust entscheidend sind. Die Chancen, in dieser Phase eine neue Stelle zu finden, seien deutlich höher als danach.

Wer diese Zeit verstreichen lässt, weil er verreist, grübelt oder prozessiert, erschwert sich den Wiedereinstieg laut Kopf deutlich. Wer ein oder zwei Jahre ohne Arbeit bleibt, hat demnach deutlich schlechtere Chancen auf einen neuen Job.

Lange Erwerbslücken werden bei Bewerbungen schnell zum Problem. Diese Skepsis trifft ältere Bewerber besonders hart, weil sie ohnehin mit Vorurteilen konfrontiert sind.

Versteckte Altersdiskriminierung bei Bewerbungen

Wie stark das Alter den Bewerbungserfolg beeinflusst, zeigt eine Studie des AMS mit 800 fiktiven Bewerbungen. Für die Untersuchung wurde jeweils eine identische Bewerbung einmal im Namen einer 32-jährigen und einmal im Namen einer 52-jährigen Person verschickt.

Das Ergebnis: In den meisten Fällen wurde zuerst die jüngere Person kontaktiert, in manchen Fällen ausschließlich diese. Ältere Kandidaten kamen deutlich seltener zum Zug.

Viele Unternehmen diskriminieren ältere Bewerber nach Einschätzung von Kopf nicht bewusst. Er sieht vielmehr unbewusste Vorurteile am Werk, etwa die Annahme, ältere Mitarbeiter seien öfter krank oder weniger flexibel.

Ratschläge an Ältere und Forderungen an Unternehmen

Kopf leitet aus dieser Lage konkrete Empfehlungen für Beschäftigte über 50 ab. Er rät, nicht zu kündigen, bevor ein neuer Job sicher ist. In einer Rezession gelte das seiner Darstellung nach ganz besonders.

Zudem sieht er Weiterbildung als zentral an. Wer im erlernten Beruf stehen bleibt, riskiert laut Kopf, irgendwann nicht mehr gefragt zu sein. Aufqualifizierung sei daher wesentlich.

Gleichzeitig richtet Kopf eine klare Botschaft an die Betriebe. Wer keine älteren Beschäftigten einstellt, könne sich seiner Ansicht nach nicht auf Personalmangel berufen. Angesichts des demografischen Wandels seien Unternehmen künftig stärker auf ältere Arbeitskräfte angewiesen.

Kopf erwartet deshalb, dass sich der Arbeitsmarkt anpasst. Unternehmen werden seiner Einschätzung nach künftig häufiger ältere Arbeitnehmer beschäftigen – und womöglich froh sein, überhaupt Personal zu finden.

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