Innovation: Zweites Leben für gebrauchte Autobatterien

Steirische Unternehmen haben erstmals einen Stromspeicher aus alten Autobatterien gebaut. Damit können gebrauchte Akkus sinnvoll weiterverwendet werden.
Autor: Melanie Ogris, 07.04.2022 um 08:14 Uhr

Wenn Batterien von Elektrofahrzeugen nur mehr 80% ihrer Leistung erbringen, werden sie entsorgt, da sie für anspruchsvolle Mobilitätsanwendungen nicht mehr geeignet sind. Daher haben die AVL List, AVL DiTEST, Energie Steiermark, Grazer Energieagentur, Saubermacher sowie der Smart Power einen von OEM’s1 (Original Equipment Manufacturer, übersetzt Originalausrüstungshersteller) unabhängigen großtechnischen Stromspeicher vollständig aus alten E-Autobatterien erfunden.

Bereits jetzt muss man sich über die Verwendung der aus dem First Life ausgeschiedenen Batterien Gedanken machen. Mit dem Projekt „SecondLife - Batteries4Storage“ schaffen wir eine zusätzliche stationäre Nutzung, die die Lebenszeit und die Wertschöpfungskette der Batteriesysteme verlängert und ökologische sowie ökonomische Vorteile schafft. – Robert Schmied, Geschäftsführer der Grazer Energieagentur

Überprüfung der Batterie erforderlich

Zur gezielten Planung und Realisierung eines „zweiten Lebens“ von Batterien ist es notwendig, den Zustand genau zu bestimmen, um zu entscheiden, ob und wie die Batterie weiterverwendet kann oder direkt recycelt werden muss.

Von AVL DiTEST wurde dazu ein mobiles Schnellanalyse-Gerät entwickelt. Das Gerät erlaubt eine rasche und kostengünstige Prüfung und Zustandsanalyse unterschiedlicher Batterien verschiedener Erzeuger.

Von AVL List wurde ein elektronisches Bewertungswerkzeug entwickelt, das den Wertunterschied zwischen Recycling und Wiederverwendung darstellt und zusammen mit einem Planungstool der Grazer Energieagentur, das eine optimale Dimensionierung der Speichersysteme für bestimmte Anwendungen ermöglicht, die bestmögliche Nachnutzung von Automobilbatterien garantiert.

Erfolgreicher Prototyp

Dass das Ganze nicht nur auf dem Papier funktioniert, zeigt die von Smart Power gefertigte Pilotanlage mit 96 kWh. Seit Herbst 2020 glich der Prototyp am Saubermacher Standort in Premstätten erfolgreich die Lastspitzen des Entsorgungsunternehmens aus. Nun wurde die Anlage in die Firmenzentrale in Feldkirchen bei Graz verlegt, optimiert dort den Eigenstromverbrauch aus der Photovoltaikanlage und trägt dadurch weiterhin zur Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit bei.

Projektabschluss SecondLife

Am Foto v.l.: Hans Roth (Saubermacher), Robert Schmied (Grazer Energieagentur), Manuela Pfaffinger (Smart Power), Robert Fischer (AVL), Theresia Vogel (Klima- und Energiefonds), Kathrin Nachbaur (Grazer Energieagentur), Gerald Lackner (AVL DiTEST), Urs Harnik-Lauris (Energie Steiermark), Ralf Mittermayr (Saubermacher) und Mathias Schaffer (Green Energy Lab).

Künftige Herausforderungen

Aktuell fallen in Österreich pro Jahr etwa 4.000 gebrauchte Batteriesysteme aus der Elektromobilität an - das entspricht etwa 200 Tonnen. Je nach Entwicklung der E-Mobilität werden für das Jahr 2030 bereits zwischen 10.000 und 20.000 Tonnen prognostiziert. SecondLife-Speichersysteme in der Industrie im Megawattbereich wären somit durchaus möglich. In welchem Umfang für welche Anwendungen der Einsatz der 2nd Life-Batterien wirtschaftlich darstellbar ist, hängt u.a. stark von der Preisentwicklung der Batterien ab. Gleichzeitig ist der Aufwand für die Realisierung solcher Speicher derzeit noch sehr hoch und auch rechtliche Aspekte wie Produkthaftung oder Gewährleistung gilt es noch zu klären. Beispielsweise liegt das Haftungsrisiko für gebrauchte Batteriesysteme derzeit beim Anlagenerrichter.