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Clemens Pig ist neuer ORF-Generaldirektor. Der bisherige APA-CEO will den ORF umfassend umbauen.
Clemens Pig ist neuer ORF-Generaldirektor. Der bisherige APA-CEO will den ORF umfassend umbauen.
APA-Images / APA / MAX SLOVENCIK

Clemens Pig: Umstritten gewählt – das will der neue ORF-Chef jetzt

12.06.2026 um 08:07, Stefanie Hermann
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Clemens Pig ist neuer ORF-Generaldirektor. Nach einer umstrittenen Wahl will er den ORF massiv umbauen. So will er Vertrauen zurückgewinnen – seine Pläne.

Clemens Pig ist neuer ORF-Generaldirektor. Der bisherige APA-CEO wurde am 12. Juni 2026 vom ORF-Stiftungsrat mit 21 von 35 Stimmen gewählt. Seine fünfjährige Funktionsperiode beginnt am 1. Jänner 2027 und läuft bis Ende 2031. Nach einer mehr als 15-stündigen Marathonsitzung setzt sich Pig gegen acht Mitbewerber durch und erreicht die notwendige absolute Mehrheit.

Clemens Pig ist neuer ORF-Chef

Die Entscheidung fällt nach einem intensiven Hearing aller neun Kandidaten außergewöhnlich spät in der Nacht. Der Wahlprozess hatte sich zuvor über Stunden gezogen. Gemäß neuen EU-Vorgaben muss jede einzelne Stimme begründet werden. Stiftungsräte sind für ihre Entscheidung haftbar.

Marathon-Wahl mit politischem Hintergrund

Bereits im Vorfeld der Wahl war Clemens Pig als möglicher Wunschkandidat aus Regierungskreisen gehandelt worden. Beobachter sprechen von einer Wahl unter politischem Druck. Während Pig betont, klar unabhängig zu sein, orten Kritiker "politische Packelei". ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler hat bereits angekündigt, die Wahl anzufechten.

Wer ist Clemens Pig?

Clemens Pig gilt als einer der einflussreichsten Medienmanager Österreichs. Geboren 1974 in Innsbruck, gründet er bereits während seines Studiums das Medienanalyse-Unternehmen MediaWatch. Seit 2008 ist er in der APA tätig, 2016 übernimmt er den Vorsitz der Geschäftsführung. Unter seiner Leitung bleibt die Nachrichtenagentur wirtschaftlich stabil und treibt vor allem die digitale Transformation voran.

Pigs Vision für den ORF

Inhaltlich setzt Clemens Pig auf einen tiefgreifenden Umbau des ORF. „Der ORF muss digital stärker, publizistisch klarer, organisatorisch einfacher und öffentlich überprüfbarer werden“, erklärt er. Ziel ist es, das Medienhaus von einem klassischen Rundfunkanbieter zu einer modernen „Plattform der Gesellschaft“ zu entwickeln.

Vertrauen zurückgewinnen

Der neue ORF-Chef steht vor großen Herausforderungen. Nach internen Krisen und öffentlichen Debatten soll Clemens Pig vor allem das Vertrauen in den ORF stärken. „Es sind schwere Zeiten. Ich will das Vertrauen des gesamten Hauses gewinnen“, sagt er. Entscheidend seien Glaubwürdigkeit, transparente Entscheidungen und klare Kommunikation.

Digitalisierung im Fokus

Einen Schwerpunkt setzt er auf die digitale Weiterentwicklung. Streaming-Angebote, Social Media und neue Formate für junge Menschen sollen massiv ausgebaut werden. Man müsse sich auf die erste Generation einstellen, die Inhalte ausschließlich online konsumiert, betont Pig.

Neue Formate mit jungen Programmpersönlichkeiten sollen gezielt ein Publikum erreichen, das klassische TV-Angebote zunehmend meidet. Die Plattformen ORF ON sowie ORF.at sollen künftig stärker personalisierte Inhalte, Themenwelten und Empfehlungen bieten, um mit internationalen Plattformen konkurrenzfähig zu bleiben.

Inhaltlich setzt Pig auf eine klare publizistische Ausrichtung und spricht von einer „Redaktion der demokratischen Mitte“, die unterschiedliche Perspektiven ausgewogen abbildet. Zusätzlich plant er ein Monitoring-System, das sichtbar machen soll, welche Experten und Quellen im Programm vorkommen und wo neue Perspektiven fehlen.

Neue ORF-Struktur geplant

Noch vor Amtsantritt kündigt Clemens Pig erste konkrete Veränderungen an. Die bisherige Radiodirektion wird aufgelöst. Stattdessen soll eine neue Struktur mit klar definierten Bereichen entstehen, darunter Technologie, Programm, Finanzen sowie Audience und Plattformen. Ziel ist eine schlankere Organisation und effizientere Entscheidungswege.

Finanzdruck und Sparpaket

Neben der inhaltlichen Neuausrichtung und der tiefgreifenden Vertrauenskrise hat Clemens Pig auch wirtschaftlich eine Mammutaufgabe zu bewältigen. Der ORF steht vor einer massiven Finanzierungskrise, gleichzeitig sollen rund 90 Millionen Euro eingespart werden.

Politische Kritik und klare Ansage

Die Diskussion um politische Einflussnahme begleitet die Wahl von Beginn an. Clemens Pig weist entsprechende Vorwürfe entschieden zurück. „Ich kandidiere für den ORF und ganz bestimmt nicht für eine Partei“, stellt er klar. Seine Unabhängigkeit will er künftig durch Strukturreformen und Personalentscheidungen unter Beweis stellen.

Bis zu seinem offiziellen Amtsantritt bleibt die aktuelle ORF-Chefin Ingrid Thurnher im Amt. Pig will bereits in den kommenden Monaten eng mit ihr zusammenarbeiten, um den Übergang vorzubereiten.

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