Buchhändler schlagen Alarm: KI-Firmen vernichten Millionen Bücher
Inhalt
- KI vernichtet Bücher: Warum Millionen Werke zerstört werden
- Bücher für KI-Training: Das steckt hinter der Methode
- Google-Klage: Streit um Millionen Bücher eskaliert
- Buchhändler schlagen Alarm: Seltene Bücher könnten verschwinden
Was wie eine Szene aus einem dystopischen Roman klingt, soll inzwischen Realität sein. KI-Unternehmen kaufen offenbar massenhaft gebrauchte Bücher, schneiden sie auseinander, scannen jede einzelne Seite ein und entsorgen die Werke anschließend. Die Bücher dienen als hochwertiges Material für das Training von Künstlicher Intelligenz. Besonders gefragt sind ältere Ausgaben, die noch vor dem KI-Boom erschienen sind.
KI vernichtet Bücher: Warum Millionen Werke zerstört werden
Das Internet wird zunehmend mit KI-generierten Inhalten gefüllt. Für die Entwicklung neuer Sprachmodelle benötigen Unternehmen deshalb hochwertige Texte, die von Menschen geschrieben wurden und nicht bereits von künstlich erzeugten Inhalten beeinflusst sind.
Nach Recherchen von 404 Media kaufen Unternehmen über Vermittler Hunderttausende bis zu einer Million Bücher pro Bestellung. Anschließend werden die Buchrücken maschinell entfernt, die Seiten mit Hochleistungsscannern digitalisiert und die Bücher recycelt oder entsorgt. Gedruckte Werke gelten als besonders wertvolle Quelle für das Training von KI-Modellen, weil sie frei von sogenannten KI-Verunreinigungen sind.
Im Zusammenhang mit dem KI-Unternehmen Anthropic wurde bereits ein internes Projekt mit dem Codenamen „Project Panama“ bekannt. Laut veröffentlichten Gerichtsunterlagen sollten dabei Millionen Bücher möglichst effizient digitalisiert werden. Die physische Zerstörung der Bücher war Teil dieses Verfahrens.
Bücher für KI-Training: Das steckt hinter der Methode
Für KI-Unternehmen sind gedruckte Bücher eine wahre Fundgrube an Wissen. Anders als viele Inhalte im Internet stammen sie vollständig von menschlichen Autoren und gelten deshalb als besonders hochwertiges Trainingsmaterial.
Nach dem Kauf werden die Bücher mit speziellen Maschinen zerlegt. Die einzelnen Seiten werden anschließend mit industriellen Scannern digitalisiert und in Datenbanken übernommen, mit denen Künstliche Intelligenz trainiert wird. Die Originale werden danach recycelt oder entsorgt.
Ein US-Gericht entschied im Fall Anthropic, dass das Digitalisieren rechtmäßig gekaufter Bücher unter bestimmten Voraussetzungen als „Fair Use“ gelten kann. Das Urteil betrifft jedoch nicht andere urheberrechtliche Streitfragen.
Google-Klage: Streit um Millionen Bücher eskaliert
Während Anthropic bereits im Fokus mehrerer Gerichtsverfahren stand, gerät nun auch Google unter Druck. Ein Zusammenschluss von Verlagen wirft dem Konzern vor, Millionen urheberrechtlich geschützter Bücher für das Training seines KI-Modells Gemini verwendet zu haben.
Anthropic musste sich zudem in einem separaten Verfahren wegen einer Sammlung mutmaßlich piratierter digitaler Bücher mit den Klägern einigen. Dabei ging es um Forderungen in Milliardenhöhe.
🦔AI companies are bulk-buying rare books, scanning them through high-speed machines that cut the spines off, and shredding the originals. A service called ISBNdb facilitates orders of up to a million books and keeps buyers anonymous. Pre-2022 books are premium because they're… pic.twitter.com/0YPd8N2oi5
— Hedgie (@HedgieMarkets) July 27, 2026
Buchhändler schlagen Alarm: Seltene Bücher könnten verschwinden
Vor allem Buchhändler beobachten die Entwicklung mit großer Sorge. Mehrere Händler berichten von einem plötzlichen Boom ungewöhnlicher Großbestellungen. Statt einzelner Bücher werden inzwischen Hunderte oder sogar Tausende Titel auf einmal gekauft. Dabei spielen weder Thema, Autor noch Preis eine erkennbare Rolle.
Mehrere Buchhändler vermuten, dass sich darunter auch seltene oder vergriffene Bücher befinden. Dadurch könnten einige der letzten verfügbaren Exemplare dauerhaft aus dem Umlauf verschwinden.
Die Bestellungen laufen häufig über Vermittler, die die Identität der eigentlichen Käufer geheim halten. Für Kritiker geht die Debatte deshalb längst über das Urheberrecht hinaus. Sie warnen davor, dass durch die Vernichtung gedruckter Bücher möglicherweise wertvolles Kulturgut verloren geht.