Stadionbauten: Linz gibt sich den Kick

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Wenn am 16. September der Spatenstich des neuen Donauparkstadions vollzogen ist, beginnt eine neue Ära der Linzer Sportwelt. Der Zweitligist FC Blau-Weiß Linz bekommt eine neue Heimstätte. Mit dem Auto gerade einmal vier Kilo-meter weiter, startet der LASK mit dem Bau der Raiffeisen Arena. Nicht nur in den Farben sind die beiden Vereine getrennt, sondern auch in der Herangehensweise beim Stadionbau. Blau-Weiß wird ab Sommer 2023 am Dach des Möbellagers von XXXLutz, der nebenan sein Möbelhaus baut, seine neue Heimstätte finden. Ein nicht alltägliches Gebäude, weshalb der Bauherr, die ILG Immobilien Linz, auf einen Totalunternehmer setzt. „Wir haben damit Granit Bau beauftragt, weil dieses außergewöhnliche Bauwerk hohen Koordinierungsaufwand benötigt und es sich während des Baus Optimierungsmaßnahmen ergeben könnten. Für all das ist Granit verantwortlich.“ Die Logistik mit zwei getrennten Baustellen (Möbelhaus auf der einen Seite bzw. Möbellager und Stadion auf der anderen) erfordert viel Fingerspitzengefühl. „Durch dieses Mischbauwerk ist der Bau ein wenig komplexer. Ein Totalunternehmer übernimmt die gesamte Haftung und wird alles daransetzen, dass diese nicht schlagend wird. Er wird sich also viele Optimierungs-gedanken machen.“­­

 

Donauparkstadion des FC Blau-Weiß

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Ende 2022 soll auf der Gugl wieder der Ball rollen­

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Beim LASK setzt man auf die Ausschreibung von Einzelgewerken statt eines General- oder Totalunternehmers. „Das war schon von Anfang an so geplant, als die Projektleitung noch bei der Zaunergroup lag“, schildert LASK-Kommunikationschef David Obererlacher. Das Zerwürfnis mit Manfred Zauner führte zur Abberufung des Wallerner Unternehmers als Vizepräsident der Schwarz-Weißen und Geschäftsführer der für den Stadionbau gegründeten Gesellschaft. Für den LASK hieß es zurück an den Start. „Wir mussten uns von der Projektführung trennen, weil zu viele Fehler gemacht wurden. Das hat das Projekt um ein halbes Jahr nach hinten verschoben.“ Mit einem Team von 20 Leuten in der Baustellenkoordination soll es noch gelingen, das Stadion doch noch bis Ende 2022 zu eröffnen. „Wir hoffen, dass wir 2022 in diesem Stadion Fußball spielen können. Fanshop, Restaurant oder Büros werden bei der Stadioneröffnung wahrscheinlich nicht fertig sein, aber wir wollen spielen.“ Die Schreckensmeldungen von Kostenexplosionen und Klagewellen weist Obererlacher scharf zurück: „Das ist Blödsinn. Wir haben sehr schnell reagiert und werden auch den Kostenrahmen einhalten.“­

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Schon bald viel (Erd-)Bewegung am Donaudamm­

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Im neuen Donaupark rollen noch vor dem Ball die ersten Baumaschinen an. „Wir sind bereits mitten in der verdichteten Bodenerkundung bzw. der testweisen Rütteldruckverdichtung, um zu sehen, ob das errechnete Maß an Bodenverdichtung in der Praxis funktioniert.“ Die Tribüne des ehemaligen Austria-Tabak-Platzes wird noch im Herbst abgerissen, das Clubhaus bleibt vorerst noch stehen: „Das stört uns nicht, und der Nachwuchs soll im Herbst 2021 noch dort trai-nieren können.“ Die Abbruchanzeige hat man bereits in der Tasche. Mitte September ist die Baueinreichung geplant. Der Bauablaufplan ist derzeit in der Feinabstimmung. „Da geht es um wichtige Details der Baustellenlogistik. Ein Bei-spiel: Der Kran, der für unser Gebäude eingesetzt wird, darf den Kran, der für das Möbelhaus aufgebaut wird, natürlich nicht blockieren.“ Ende Jänner, Anfang Februar 2022 kommt Bewegung in die Baustelle: „Das Erste, was man sehen wird, ist ganz viel Erdbewegung, dann folgen die Betonarbeiten.“ Dabei will man so ressourcenschonend wie möglich agieren. Allein schon die „Huckepack-Lösung“ verhindert zusätzliche Bodenversiegelung. „Wir haben ausgerechnet, dass mit dem neuen Stadion sogar mehr Grünfläche geschaffen wird, weil der Rasen größer wird.“ Apropos Rasen: Der alte „Spielplatz“ soll von den Linzer Stadtgärten zu Humus verarbeitet werden. Auch ein Abtransport des Restmaterials per Schiff wird angedacht. Nachhaltig und konsequent ist der bewusste Verzicht auf Parkplätze. „Es wird nur notwendige Stellplätze für Auswärtsbus oder Funktionäre sowie VIP geben. Das Stadion ist mit Öffis leicht erreichbar und das passt zum Stadtclub.“­

 

Raiffeisen Arena

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Stadien mit Zusatznutzen­

Überhaupt steht bei beiden Projekten eine aktive Zusatznutzung der Gebäude jenseits der Ligaspiele im Fokus: „Wir wollten kein Stadion, das nur an 15 Tagen in Betrieb ist. Die Gastronomie soll ganzjährig nutzbar sein. Zusätzliche Geschäftseinheiten und Büros sowie die Durchführung von Frauenfußballspielen sollen das Gebäude auslasten und sorgen für eine Querfinanzierung durch Mieteinnahmen. Damit wird das Stadion aus städtebaulicher Sicht sehr wert-voll.“ Auch der LASK verfolgt ähnliche Gedanken: „Wir bauen ein Stadion, dass sich in den Froschberg perfekt ein-gliedert. Wir errichten einen Kindergarten und attraktive Gastronomie. Das fehlt vor Ort. Dazu schließen wir mit dem geplanten Ärztezentrum eine weitere Versorgungslücke“, so Obererlacher. Die Bedenken der Anrainer wurden schnell zerstreut. „Durch den Wegfall der Flutlichtmasten und die Überdachung wird das neue Stadion für die Bewohner dunk-ler und leiser. Das sorgt für die hohe Akzeptanz.“ Die Akzeptanz der Linzer Fußballfans haben beide Projekte bereits gewonnen.­

 

Markus Eidenberger
Autor: Jürgen Philipp, 17.09.2021