Reduzieren ist Silber, Vermeiden ist Gold

Bares Geld soll die Reduzierung von Energie, Strom oder Warmwasser ins Börsl spülen. Nicht nur am Gemeindeamt soll es um zwei Grad im Winter kühler werden. Von alternativen Heizmodellen bis zu Lichteinsparung – auch Unternehmen können ihren Teil zum Energiesparen leisten.
Autor: Verena Schwarzinger, 09.11.2022 um 00:00 Uhr

Verbringen wir die stimmungsvolle Advent- und Weihnachtszeit im Dunkeln? Laut einer Befragung innerhalb des Handelsverbands Österreichs wollen zwei Drittel – 64 Prozent – auf ihre Weihnachtsbeleuchtungen verzichten. Und alles aufgrund der explodierenden Stromkosten. Die Steigerung beträgt im Schnitt 219 Prozent. „Der Handel hat umfassende Schritte zum Energiesparen gesetzt, um einen Beitrag zur Bewältigung der Energiekrise zu leisten. Damit wird der umsatzstärkste Wirtschaftsbereich und zweitgrößte Arbeitgeber des Landes seiner Verantwortung und Vorbildwirkung gerecht“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Neben dem Verzicht setzen viele Händler auf die Reduzierung der Beleuchtungsintensität, wieder andere schalten Leuchtreklamen aus, setzen auf Lichtsensoren und Bewegungsmelder. Bereits drei Viertel aller österreichischen Handelsbetriebe haben flächendeckend auf LED-Beleuchtung umgerüstet.

Ins perfekte Licht gerückt

Dass LED-Beleuchtung ein Muss ist, das ist für Beleuchtungsspezialist Molto Luce aus Wels klar. Die lange Lebensdauer und enorme Energieeinsparungen sprechen für sich. „Einsparungen von mindestens 50 Prozent gegenüber Energiesparleuchtmitteln und gar 90 Prozent gegenüber herkömmlichen Glühlampen sind möglich. LED ist am Letztstand der Technik und hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt“, sagt Michael Janda, Verkaufsleiter Österreich bei der Molto Luce GmbH. Der Spezialist rund ums Licht konzipiert innovative Beleuchtungslösungen für Office, Retail, Hotel und Gastronomie, Arztpraxen und den privaten Wohnbau. In einem eigenen Lichtlabor werden Leuchten vermessen. Der Profi entwickelt auch Strategien für Energieeffizienz: Mehrere Lichtquellen – miteinander zielführend kombiniert – oder auch moderne Steuerungssysteme reduzieren den Energieverbrauch. Ein Tipp vom Profi: „Das Licht komplett auszuschalten verbraucht immer noch weniger Strom als jede moderne LED- Leuchte. Also wenn ein Raum verlassen wird, das Licht nicht brennen lassen.“

Weniger ist mehr

Neben den horrenden Energiekosten wird auch das Heizen teurer. Laut Umweltbundesministerin Leonore Gewessler von den Grünen sollen in öffentlichen Gebäuden und in den Ministerien die Heizungen runtergedreht werden – und das um zwei Grad. Eine Energiesparmaßnahme, die sich auch der Handel zu Herzen nimmt: Drei Viertel der Geschäfte senken die Raumtemperatur auf 18 bis 19 Grad. Dies ist nur ein kleiner Teil des großen Ganzen der Regierung: der Mission 11. Der lang geforderte Energiekostenzuschuss für Unternehmen wurde beschlossen. Energieintensive Unternehmen werden mit 1,3 Milliarden Euro gefördert. Dieses Fördervolumen wurde von ursprünglich 450 Millionen Euro auf 1,3 Milliarden Euro aufgestockt. Anträge können Unternehmen, deren Energiekosten mindestens 3 Prozent ihres Umsatzes betragen, ab November stellen. Kriterium: der Verzicht auf Heizschwammerl oder Geschäftsbeleuchtungen in der Nacht.

Die Industrie bangt

Geld und Förderungen, die die oberösterreichische Industrie besonders gebrauchen könnte. Denn die Teuerungen in puncto Energie und Strom sowie Gasengpässe gefährden auch Arbeitsplätze. Es wird also weiterhin der Sparstift angesetzt: Kühl- oder Heizsysteme, Belüftungsanlagen, Beleuchtung oder IT-Infrastruktur bergen Einsparungspotenziale. Im Bereich der IT ist Blockchain das Schlagwort der letzten Jahre. Um Produktions- und Wirtschaftskreisläufe zu sichern, zündet das Land Oberösterreich den Energiesparturbo. „Jeder hat die Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten, und es sind auch alle gefordert – jetzt und nicht erst im Winter. Denn jede Kilowattstunde Strom, die aktuell nicht verbraucht wird, spart nicht nur bares Geld, sondern sorgt auch dafür, dass Gas für den Winter gespeichert werden kann. Fast 30 Prozent des Gasverbrauchs entfallen in Österreich auf die Erzeugung von Strom“, sagt Markus Achleitner, Wirtschaftslandesrat von Oberösterreich. Aktuell sind die Gasspeicher zu mehr als 70 Prozent gefüllt. Das entspricht rund zwei Dritteln des jährlichen Verbrauchs in Österreich. Bis zum 1. November sollen die Gasspeicher zu 80 Prozent gefüllt sein.