Happy Mittelstand: Pandemie verliert Schrecken

62 Prozent blicken positiv ins Jahr 2022. Die Geschäftslage im Allgemeinen ist nach starkem Einbruch im Vorjahr aufgrund der Corona-Pandemie wieder so gut wie vorher. Sorge bereiten Fachkräftemangel, Rohstoffpreise und Lieferketten.
Autor: Verena Schwarzinger, 20.01.2022 um 12:33 Uhr

Während 2021 nur 37 Prozent der Unternehmen positiv auf ihre Geschäftslage geblickt haben, hat sich dies heuer trotz aktueller Omikron-Welle deutlich verbessert. Positiv gestimmt gehen 62 Prozent der Befragten im EY Mittelstandsbarometer ins neue Jahr. Somit kehrt das Niveau von 2019 wieder zurück. Je nach Branche, im Bereich Transport und Energie 78 Prozent und im Bereich Tourismus 43 Prozent, sehen neun von zehn Unternehmen ihre Geschäftslage als gut an. Viele Unternehmen haben volle Auftragsbücher, einige profitieren sogar von einer Sonderkonjunktur. „Das unterstreicht, wie gut und schnell sich Österreichs Unternehmen angepasst haben, wie resilient ihre Geschäftsmodelle sind und wie sie die Situation in vielen Fällen nutzen, um wichtige strategische Weichenstellungen – insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit – vorzunehmen“, sagt Erich Lehner, Managing Partner Markets. Erstmals seit 2019 sind die Unternehmer auch wieder positiv gegenüber der Binnenkonjunktur eingestellt.

OÖ: Stabilisierung und nachhaltige Weichenstellung

Oberösterreich ist wie im Vorjahr das Bundesland mit der besten Geschäftslage. Dies sagen drei Viertel der Unternehmen in Oberösterreich, die ihre Geschäftslage aktuell gut bewerten und positiv gestimmt sind. Dies ist der höchste Wert gegenüber den anderen Bundesländern. (Platz zwei: Kärnten, Platz drei: Niederösterreich, Schlusslicht: Burgenland). Die Freunde am Investieren ist jedoch in den Hintergrund getreten: lediglich 16 Prozent der Betriebe wollen in den nächsten fünf bis sechs Monaten ihre Investitionen steigern.

Die Folgen der Pandemie

Die Augen können trotz Optimismus vor den Auswirkungen der Pandemie nicht ganz verschlossen werden. In einigen Branchen bleibt die Situation nach wie vor angespannt, wie im Tourismus aber auch in der Industrie.

Die Industrie leidet vor allem unter den schwankenden Rohstoffpreisen und Lieferengpässen, insbesondere bei Chips in Folge der Halbleiterkrise.

2021 mussten viele Betriebe Umsatzeinbußen verzeichnen. Dies waren vier von zehn Unternehmen. Dazu kamen Ausfälle von Lieferungen und dadurch konnten Produktionen nicht plangemäß weitergeführt werden, was zu manchen Stornierungen von Aufträgen führte. Mehr als ein Viertel hat diese Auswirkungen durch die Pandemie deutlich gespürt. Unterstützungsangebote wie die staatlichen Wirtschaftshilfen und Förderungen federten einige Kosten ab. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat diese finanziellen Zuschüsse angenommen. Die größten Unterstützungsleistungen fielen mit 90 Prozent dem Tourismus, mit 59 Prozent dem Handel und mit 56 Prozent der Industrie zu. Das Modell „Kurzarbeit“ wurde von Unternehmen am stärksten in Anspruch genommen. Knapp jeder Zweite hat Beschäftigte in Kurzarbeit gehalten.

Der Fachkräftemangel nimmt weiterhin zu und ist einer der größten Sorgenkinder der Unternehmen. Besorgnis herrscht weiterhin bzgl. der Lieferketten. Hier wird ein Anstieg von 18 auf 51 Prozent verzeichnet. Auch die hohen Rohstoff- und Energiepreise sowie eine steigende Inflation sind bedenklich.

EY Mittelstandsbarometer: über 600 Verantwortliche von mittelständischen, nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern in Österreich wurden befragt.