Die weibliche Perspektive aufs Geld

Frauen haben kein Interesse an Geld? Keineswegs. Eine repräsentative Studie des Bankenverbands und der BAWAG Group zeigt auf, dass das Interesse an Geld und Finanzierungen bei Frauen hoch ist. 50 Prozent der Frauen zwischen 18 bis 29 Jahren und 42 Prozent der 30- bis 49-Jährigen hegen starkes Interesse an der Welt des Geldes. Je nach Bildungsabschluss nimmt dies weiter zu. Entscheidungen über Ausgaben, Finanzierungen oder Veranlagungen werden von Frauen selbstbestimmt getroffen.
Und übers Geld zu sprechen, ist auch weiblich besetzt. 57 Prozent der Befragten geben an über Finanzthemen mit ihren Mitmenschen zu diskutieren und sich auszutauschen. Bei über 30-Jährigen sind die Partner gefragt und bei unter 30-jährigen die Eltern. Vor allem der Einfluss der Mutter im Austausch aber auch als „Beraterin“ ist beachtlich und liegt bei 56 Prozent, jener beim Vater bei 38. Informationen werden zudem verstärkt im Internet gesucht. Finanzwissen aus der Schule spielt lediglich eine untergeordnete Rolle. Hier setzen jedoch bereits interne Initiativen des Bankenverbands mit AHS und BHS in ganz Österreich an: so werden länderübergreifende Lernspiele wie „Money Quiz“ angeboten (auch in Deutschland und der Schweiz) oder Finanzthemen in Kooperationen mit Medien oder Universitäten vermittelt. „Junge Menschen sollte nicht erst beim ersten Kreditantrag lernen, wie ein Vertrag aussieht oder welche Rechten und Pflichten es gibt. Wir wollen Finanzbildung als integrativen Bestandteil im Lehrplan nach der Volksschule integrieren“, so Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbands.

Bildung ist der Schlüssel zur finanziellen Eigenständigkeit von Frauen. Frauen sehen sich als unabhängig und selbstbestimmt – und wollen das auch in der Pension sein. Die finanzielle Zukunft wird jedoch weniger positiv gesehen als die aktuelle Situation.

Der Einfluss der Pandemie

Auch in Sachen Geld nimmt die Corona-Pandemie Einfluss. Sorgen um ihre finanzielle Situation machen sich seit Beginn der Krise und auch aktuell 29 Prozent der Frauen, aber auch 25 Prozent der Männer. Die Sorgen sind generell in der Bevölkerung gestiegen. „Die steigenden Sorgen führen zu einer sinkenden Risikobereitschaft bei Veranlagungen und zu einem starken Hinterfragen von Ausgaben. 40 Prozent der Studienteilnehmerinnen achten besonders auf Income und Output“, sagt Enver Sirucic, CFO der BAWAG Group.

 

Der Blick in die Zukunft

Mit den aktuellen Sorgenfalten ist auch der Blick in die (finanzielle) Zukunft eher pessimistisch. Hier spielt der demografische Wandel eine große Rolle. Zahlen aus der Volkswirtschaft belegen, dass 2020 und 2040 gleich viele Menschen ihre Pension antreten wie in den vergangenen 60 Jahren gemeinsam.

1961                                873.205
2020                            1.707.773
2040                            2.497.261

Gut vorbereitet auf die Pension fühlt sich nur ein Drittel der Frauen. 27 Prozent meinen „nicht gut gerüstet“ zu sein.

Autor: Verena Schwarzinger, 17.01.2022