Best Business Association: Antworten auf Fachkräftemangel und Produktionsherausforderungen

Das grenzüberschreitende Business-Netzwerk der Europaregion Donau-Moldau versammelte sich zum Sommer-Networking im oberösterreichischen Gurten. Unter den VIPs waren unter anderem Wirtschaftsminister Martin Kocher, WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr, der Präsident der Universität Passau Ulrich Bartosch sowie Rohde & Schwarz-Manager Johann Kraus.
Autor: Verena Schwarzinger, 19.07.2022 um 13:04 Uhr

Seit Jahren schaukelt sich der Fachkräftemangel in beinahe allen Branchen weiter auf. Der demografische Wandel in Österreich, lässt viel mehr Menschen aus dem Berufsleben ausscheiden, als eintreten. Eine Work-Life-Balance, die mehr Freizeit und weniger Arbeit beinhaltet, lässt die Werte der jüngeren Generationen verschieben. Die Führungsriege der Best Business Association - BBA-Präsident Rudi Fellner und BBA-Vorstand Ekkehard Redlhammer - sind sich einig: "Diese Entwicklungen haben massive Auswirkungen auf die künftige Produktionsfähigkeit der Wirtschaft."

Politik und Wirtschaft: fördern und investieren

Für Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher zeigen diese herausfordernden Zeiten - inklusive Pandemie und Krieg - deutlich auf, dass die bestehenden Potenziale und aktuellen Chancen noch intensiver genutzt werden müssen. Zum einen gilt es Arbeitnehmer länger in Beschäftigung zu halten, zum Anderen Frauen verstärkt in Vollzeitbeschäftigung zu bringen und auch junge Menschen an die "richtigen" Berufe heranzuführen. 

Ökonom und WIFO-Chef Gabriel Felbermayr plädierte dafür, in die Region zu investieren und den Arbeitsmarkt vor Ort zu fördern aber auch grenzüberschreitend zu handeln. "Wir brauchen eine proaktive Einwanderungspolitik, wie sie zum Beispiel in Kanada betrieben wird, und wir müssen aktiv auf uns aufmerksam machen!“ Denn die mittelfristig weiteren Abgänge an Arbeitskräften, die nicht kompensiert werden können, bremsen das Wirtschaftswachstum.

Bildung: Arbeit neu denken

Wir entwickelt sich die Produktivität in fünf Jahren? Aus Sicht der Universitäten - von Ulrich Bartosch, Präsident der Universität Passau und Johann Kraus, Senior Vice President Production Divisions Operations bei Rohde & Schwarz - liegt die Zukunft bereits näher. Fünf Jahre sind für Bildungseinrichtungen eine kurze Zeitspanne, um Veränderungen nachhaltig vorzunehmen. Auch sind fünf Jahre jener Zeitraum in dem ein Bachelor- und Master-Studium bestenfalls absolviert wird. Für Österreich und seinen Nachbarn Deutschland geht es darum, den Fokus daher auf ausländische Studierende zu legen und vor allem diese nach Abschluss im Land zu halten. „Dazu brauchen wir mehr englischsprachige Bachelor-Programme. Weiters gelte es, die Themen Digitalisierung, Forschung und Entwicklung und insbesondere die IT-Security voranzutreiben."

Die Wertevorstellungen der Generationen und die aktuellen Arbeitssituationen haben sich - gepusht durch die Pandemie - massiv geändert. „Der Arbeitsmarkt ist ein Arbeitnehmermarkt geworden“, so Kraus. Homeoffice und mobiles Arbeiten seien grundsätzlich positive Entwicklungen, sie hätten aber auch die Innovation gebremst und das Thema Work-Life-Balance verstärkt: „Unser Hauptkonkurrent ist Asien. Dort sind die Menschen noch bereit, die Extra-Meile zu gehen.“

Das BBA-Sommerbier fand erstmals in diesem Rahmen statt. Als Location diente der „Future Dome“ des Maschinenbau-Unternehmens Fill in Gurten. Das Unternehmen ist ein innovativer Leitbetrieb, ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und bietet vielfältige Mitarbeiterprogramme.