20 Jahre Innovations-Netzwerk Upper Austrian Research

Warum neue Geräte kaufen, wenn Bestehendes general­überholt werden kann? Was im privaten Bereich für Waschmaschinen oder Fahrräder gilt, macht auch in der Wirtschaft Sinn. Digitales Retrofitting nennt man die Modernisierung bestehender Anlagen im Zeitalter von Industrie 4.0, in der Maschinen datenbasiert über die Cloud untereinander kommunizieren. Die Vorteile gegenüber einer Neuanschaffung liegen vor allem für Klein- und Mittelbetriebe auf der Hand: geringere Investitionskosten, keine aufwendigen Genehmigungsverfahren und weniger Schulungsbedarf. Was viele nicht wissen: In Oberösterreich ist Retrofitting ein vom Land Oberösterreich gefördertes Forschungsprojekt namens „Diretronet“, aus dem ein Handlungsleitfaden für die Praxis entstanden ist, von dem die regionale Industrie profitieren soll. Den wissenschaftlichen Background dazu lieferte LCM (Linz Center of Mechatronics). Das LCM mit Sitz in Linz ist eines von elf Forschungszentren, an denen die Upper Austrian Research GmbH (UAR) beteiligt ist. Die UAR ist die Leitgesellschaft für Forschung des Landes Oberösterreich und wurde vor rund 20 Jahren gegründet.

Innovationen beschleunigen

Aber wozu wird so ein Bindeglied zwischen Wirtschaft und Wissenschaft benötigt? „Entscheidend für den Standort ist, dass Forschungsergebnisse einen schnellen und direkten Weg in die Anwendung finden, um so Innovationen zu beschleunigen. Das UAR Innovation Network sorgt mit anwendungsorientierter Forschung für diesen direkten Technologietransfer“, sagt Wilfried Enzenhofer, Geschäftsführer der UAR. Die Zahlen sind beeindruckend: Die Mitglieder im UAR Innovation Netzwerk wickeln jährlich 1.400 Projekte ab.

Zitat Wilfried Enzenhofer

Von den 1.200 Kooperationspartnerschaften stammen ein Drittel aus der Wissenschaft und zwei Drittel aus der Industrie und Wirtschaft. Auch global agierende Industriekonzerne sind als Partner mit an Bord. 95 Millionen Euro Betriebsleistung wurden im Vorjahr im UAR Innovation Netzwerk erwirtschaftet. „Partner aus Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft hielten auch in dieser dynamischen Zeit die Treue“, sagt Enzenhofer. Auch 2021 ist man am Puls der Zeit: Aktuell wird an der nächsten Mobilfunk-Generation 6G geforscht. Langfristig soll ein Test- und Zertifizierungscenter für KI-Software entstehen. Viele Forschungsprojekte adressieren auch das Thema „Nachhaltigkeit“.

Mensch und Maschine: die „Fabrik von morgen“

Ziel der Wachstumsstrategie war stets, das Forschungsangebot die Bedürfnisse der Wirtschaft anzupassen. „Die Kernkompetenzen des UAR Innovation Network sind entsprechend der Strategie 2030 an den Bedürfnissen der Industrie und Wirtschaft ausgerichtet“, sagt Enzenhofer. Deutlich wird das Forschungsspektrum zum Beispiel in der „Fabrik von morgen“, in der Mensch und Maschine sicher Seite an Seite arbeiten. Im Fokus stehen moderne Formen der Interaktion – wie z. B. ein kognitiver Schweißhelm, der Fachkräfte während des Arbeitsvorgangs individuell anleiten soll. Und mittels 3D-/4D-Druck können komplexe ­Bauteile aus Kunststoff, bio-basierten Materia­lien sowie Metallen gefertigt werden.

Autor: Klaus Schobesberger, 08.06.2021