WK Wien-Chef: So soll sich Arbeit wieder auszahlen
Österreich zählt EU-weit zu den Spitzenreitern bei Teilzeitarbeit: Mit einer Quote von rund 31 Prozent liegt das Land auf Platz zwei. Auffällig ist dabei ein Blick nach Wien: In der Bundeshauptstadt arbeitet etwa jeder fünfte Mann in Teilzeit – und damit deutlich mehr als im Rest des Landes, wo die Werte teils nur halb so hoch sind.
Vollzeitarbeit muss attraktiver werden – auch finanziell. Sonst bekommen wir ernsthafte, volkswirtschaftliche Problem.
Arbeitsleistung sinkt wegen Teilzeit
Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, sieht darin wenig Überraschendes: „Die Menschen können rechnen“, sagt er – und kritisiert zugleich strukturelle Fehlanreize. Wer von Teilzeit auf Vollzeit aufstockt, verdient zwar mehr, aber nicht im selben Verhältnis. „In Österreich wird Vollzeitarbeit de facto benachteiligt“, so Ruck. Das führe zu einer paradoxen Entwicklung: Obwohl mehr Menschen beschäftigt sind, sinkt die tatsächliche Arbeitsleistung. „Mehr Menschen arbeiten – aber insgesamt weniger.“ Für Ruck ist klar: Vollzeitarbeit müsse wieder attraktiver werden.
Arbeit soll sich nicht nur lohnen, sondern auch auszahlen – vor allem finanziell.
Raus aus der Sackgasse
Konkret würde sich bei einem Wechsel von Teilzeit (20 Stunden, rund 1.500 Euro brutto) auf Vollzeit (40 Stunden, rund 3.000 Euro brutto) das Nettoeinkommen um rund 77 Prozent erhöhen – und damit stärker als ohne diesen Anreiz.
Auch bei staatlichen Beihilfen sehen Experten Reformbedarf: Leistungen wie Energie- oder Wohnbeihilfe sollten bei steigendem Einkommen nicht abrupt wegfallen, sondern schrittweise reduziert werden. Nur so wird Mehrarbeit tatsächlich belohnt – und Teilzeit nicht zur finanziellen Sackgasse.