Im Winter ins Wasser: Hype ums Eisbaden

In Wien stürzen sich immer mehr Menschen begeistert in die kalten Fluten. Auch aus mentalen Gründen.
Autor: Rudolf Grüner, 16.01.2023 um 15:44 Uhr

Ob beim Spaziergang an der Neuen Donau, am Schotterteich oder in der grau-verhangenen Lobau: Man trifft sie jetzt immer häufiger. Männer und Frauen, die sich bei jedem Wind und Wetter in die Fluten stürzen.

Wo es es vielen schon beim Hinschauen fröstelt, wird es anderen erst richtig warm ums Herz. Diese fürchten weder Minusgrade noch Schnee. Auch heftiger Regen tut ihrem kalten Spaß keinen Abbruch.

Für Körper …

Denn passionierte Eisschwimmer schwören vielfach auf die positiven Eigenschaften, die mit dem Sprung ins kühle Nass verbunden sein sollen. Auch Ärzte bestätigen mögliche positive Auswirkungen auf das Immun- wie auch das Herz-Kreislauf-System. Vorausgesetzt der potenzielle Extremsportler wagt sich gesund und ohne Vorerkrankungen in die Fluten.

… und Geist

Für viele hat die coole Auszeit allerdings vordergründig meditativen Charakter. Im Netz finden sich daher auch immer mehr Gruppen, die mentale Beweggründe fürs Eintauchen geltend machen. „Spätestens wenn ich im Wasser sitze und meine Brust auch komplett drin ist, bin ich einem Zustand der Trance sehr ähnlich ist. Ich bin komplett in und bei mir. Ich spüre, wie mein Körper heizt und meine negativen Gedanken und Sorgen einfach davonfliegen“, teilt Martin Stein, Gründer der Gruppe „Eisbaden“ via Facebook mit. „Wenn ich das Wasser verlasse, fühle ich mich wie neu geboren. Körperlich und geistig! Das ist ein wundervolles Gefühl“, so seine Botschaft zum letzten Jahreswechsel.

Mentales „Zen-Eisbaden“

Der Sport soll der Psyche auf die Sprünge helfen. Deshalb treffen sich Mitglieder der Gruppe „Eisbaden Wien“ auch zum mentalen „Zen-Eisbaden“. So auch am gestrigen Sonntag, den 15. Jänner.

Sechs Wagemutige machten in Wien bei sechs Grad Wassertemperatur im frischen Element ihre Atemübungen, wie Stefan Kübler stolz postete. „Heute war es echt herausfordernd, Regen und Wind.“ Trotzdem habe man erstmals das 150-sekündige Luftanhalten geübt und dann zehn Minuten schweigend im Wasser verbracht. Kübler. „Ich bin richtig stolz auf uns alle. Das ist wahre heldenhafte Entschlossenheit.“