Wahl in Wien: Laues Lüfterl - oder die Ruhe vor dem Sturm?

Und danach sieht es nun wirklich nicht aus. Neue Bäume gießend und Bänder bei Einweihungen durchschneidend, pflügt er gemächlich durch die Bezirke.  

Was natürlich eine gute Sache ist. Wer wünscht sich schon Schlammschlachten, haltlose Vorwürfe, untergriffige Manöver? Außer HC Strache natürlich, weil das die einzige Art von Aufmerksamkeit ist, auf der seine wacklige Kandidatur gründet. Jeder noch so legitime Einwand gegen einen Herrn Bürgermeister Strache – ob laufende Untreue-Verfahren, Ibiza oder die Wohnsitzfrage – wird von ihm in einen Angriff auf den Gegner umgemünzt. Seine Tonlage changiert dabei von weinerlich bis aggressiv. Lang-wei-lig.

Der Spitzenkandidat der ÖVP schleppt dagegen einen anderen Rucksack bei seinen Auftritten mit: das Amt des Finanzministers. Die wenigsten Wiener nehmen ihm ab, dass er das Ministeramt gegen einen Posten in Wien eintauschen würde. Denn für den Bürgermeister wird es eh nicht reichen. Blümels Facebook Account wurde offenbar schon den Geiern zum Fraß vorgeworfen. Exemplarischer Kommentar unter einem beliebigen Blümel-Post:

Da Hr. Blümel sicher Finanzminister bleibt, braucht er alles, was er für Wien verspricht, nicht einmal vergessen.

Reaktion des Social-Media Teams? Zero. Lang-wei-lig!

Und die Grünen, Pinken, Blauen? Sie machen ihr Ding. In ihrem Wahlkampf-Zeugnis wird stehen: „Sie haben sich stets bemüht.“ Dabei findet hier die vielleicht spannendste Auseinandersetzung statt. Vor allem für die Grünen geht es um sehr viel, wie aktuelle Umfragen zeigen: Michael Ludwig könnte möglicherweise eine absolute Mehrheit hinter sich versammeln. Spornt diese Aussicht die grüne Spitzenkandidatin zu Höchstleistungen an? Oder bleibt Birgit Hebein doch eher... lang-wei-lig?

Ein englisches Sprichwort sagt: Beim Gähnen ist Gefahr im Kommen.

Autor: Andrea Schröder , 21.08.2020