Tierquäler: Hunde und Katzen wie Müll entsorgt

Schon die letzten Lockdowns haben die Sehnsucht nach einem Haustier befeuert: Manch einsames Herz – aber nicht nur dieses – hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sich einen pelzigen Pandemiebegleiter ins Haus geholt. Doch manchmal wird aus vermeintlicher Verliebtheit verstörende Verantwortungslosigkeit. Besonders wenn das Alltagsleben wieder Fahrt aufnimmt, bleiben einzelne Vierbeiner auf der Strecke, landen auf der Straße – oder im Müllcontainer.

Brutal: Bulldogge landet im Biomüll

Erst diesen Herbst wurde in der Brigittenau ein junges Kätzchen im Altpapier gefunden. Kurz darauf hat ein Tierquäler in Penzing eine französische Bulldogge im Biomüll entsorgt. Glücklicherweise werden diese Horrormel­dungen seltener, sagt Evelyn Horak vom Tierquartier Wien. Wohl auch weil ehemalige Besitzer immer wieder ausfindig gemacht würden. Das zu bezahlende Heim, medizinische Behandlungskosten und die empfindlichen Sanktionen wirken hier abschreckend.

Saftige Geldstrafen

Mit rechtlichen Folgen haben säumige Besitzer als auch Tierquäler zu rechnen: Wer beispielsweise die Haltung eines Wildtieres mit besonderen Ansprüchen nicht binnen zwei Wochen bei der zuständigen Behörde meldet, riskiert Geldstrafen von bis zu 3.750 Euro. Wer Hund, Katz & Co. aussetzt, wird mit bis zu 7.500 Euro bestraft.

Lichtblick: Insgesamt weniger Tierleid

Die gute Nachricht ist, dass zuletzt deutlich weniger Anzeigen ausgestellt werden mussten: Waren im Zeitraum Jänner bis August des Jahres 2019 noch 762 Hunde und Katzen verloren gegangen oder von Tierhaltern ausgesetzt worden, ist diese Zahl im Jahr darauf bereits auf 532 gesunken. In diesem Jahr ein neuer Lichtblick: Die Statistik des Tierquartiers weist im gleichen Zeitraum nur mehr 457 gequälte oder verlassene Vierbeiner aus.

Fünf kleine Katzen in einem Sack | Credit: Veronika Blum

Aussetzen ist keine Option"

Nicht jeder, der sich still und heimlich von seinem Schützling trennen will, agiert böswillig. Lebensumstände ändern sich, Krankheit und andere Notlagen stürzen Mensch und damit auch Tier ins Chaos. Doch „das Aussetzen darf niemals eine Option sein“, prononciert die Insiderin. „Es gibt viele Schutzorganisationen, die sowohl in finanzieller Hinsicht als auch durch die Weitervermittlung oder Unterbringung der Tiere unterstützen können, wenn man sich nicht mehr um seinen tierischen Begleiter kümmern kann.“

Der kleine Hund Ricki | Credit: TierQuarTier Wien

Tipps von der Tierschützerin

So erkenne ich ausgesetzte Tiere
„Herrenlose“ Tiere befinden sich in Situationen, in die sie sich nicht selbst gebracht haben können! Bellende Vierbeiner werden vielfach in Hundezonen zurückgelassen, an Bäumen oder Pfosten oder vor Geschäften angebunden. Katzen werden meistens in Transportboxen, Sackerln oder Taschen oder auch Kartons ausgesetzt. Bei Kleintieren sind es tatsächlich fast immer Schachteln oder Kartons, hin und wieder auch Käfige. Überraschend – und sehr, sehr traurig: Oftmals werden Tiere auf Mistplätzen, in Müllräumen oder Kellern abgestellt.

So helfe ich, wenn ich Tiere finde
In Wien bitte immer – sofern es sich um ein Haustier handelt – den Fundservice für Haustiere unter 01/4000 8060 verständigen. Die Tierrettung kann daraufhin vor Ort den Chip des Tieres (sofern vorhanden) auslesen und in vielen Fällen die Tiere gleich wieder dem Besitzer übergeben, ohne dass es überhaupt zu einem Zwischenaufenthalt im Tierheim kommt. Sollte das Tier aggressiv wirken, bitte niemals versuchen, dieses selbst einzufangen – da kann die Polizei oder Feuerwehr behilflich sein.

Autor: Rudolf Grüner, 23.11.2021