Seniorenticket gestrichen: Einzelfahrt kostet jetzt mehr als doppelt so viel
- Seniorenticket kostet statt 1,50 jetzt 3,20 Euro
- Millionen Seniorentickets wurden verkauft
- 41 Prozent der Käufer kamen nicht aus Wien
- Jahreskarte für Wiener Senioren um 294 Euro
- Ermäßigter Einzelfahrschein hätte Millionen gekostet
Für Seniorinnen und Senioren in Wien ist die günstige Einzelfahrt Geschichte. Seit Jahresbeginn gibt es das vergünstigte Seniorenticket der Wiener Linien nicht mehr. Statt bisher 1,50 Euro kostet eine einzelne Fahrt nun 3,20 Euro. Die Wiener Linien verteidigen die neue Tarifstruktur und verweisen auf die günstigere Jahreskarte. Kritik kommt von der Wiener ÖVP.
Seniorenticket kostet statt 1,50 jetzt 3,20 Euro
Bis Ende 2025 konnten ältere Fahrgäste mit dem Seniorenticket um 1,50 Euro durch Wien fahren. Mit der Tarifumstellung wurde der vergünstigte Einzelfahrschein abgeschafft. Wer keine Zeitkarte besitzt und eine einzelne Fahrt benötigt, muss nun den regulären Fahrpreis von 3,20 Euro bezahlen.
ÖVP-Seniorensprecherin Ingrid Korosec kritisiert die deutliche Verteuerung. „Der Preis einer Einzelfahrt hat sich für Senioren mehr als verdoppelt“, hält sie fest.
Millionen Seniorentickets wurden verkauft
Dass das ehemalige Seniorenticket stark genutzt wurde, zeigen die Verkaufszahlen. Allein 2025 wurden 3.688.262 vergünstigte Einzelfahrscheine verkauft. 2024 waren es 3.334.703, 2023 rund 3,14 Millionen und 2022 etwa 2,66 Millionen.
Damit wurden zwischen 2022 und 2025 insgesamt rund 12,8 Millionen Seniorentickets verkauft. Innerhalb von drei Jahren stieg die Zahl der verkauften Fahrscheine um rund 39 Prozent.
Die Wiener Linien erklären den Anstieg unter anderem mit der Entwicklung nach der Corona-Pandemie. Fahrgäste über 65 Jahre seien schrittweise wieder in die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgekehrt. Gleichzeitig seien wieder mehr ältere Touristen nach Wien gekommen.
41 Prozent der Käufer kamen nicht aus Wien
Genau hier setzt eines der wichtigsten Argumente der Wiener Linien für die Abschaffung an. Das vergünstigte Seniorenticket konnte unabhängig vom Wohnort gekauft werden. Bei den über Web und App verkauften Tickets hatten zuletzt 41 Prozent der Käufer keinen Wohnsitz in Wien.
Bei den klassischen Fahrscheinen aus dem analogen Verkauf lässt sich dieser Anteil nicht exakt feststellen. Die Wiener Linien gehen allerdings davon aus, dass er zumindest ähnlich hoch war.
Die neue Tarifstruktur solle daher „bewusst jene Menschen besonders entlasten, die regelmäßig in Wien mit den Öffis unterwegs sind“, argumentiert das Verkehrsunternehmen.
Jahreskarte für Wiener Senioren um 294 Euro
Als Alternative zum abgeschafften Seniorenticket setzen die Wiener Linien auf die vergünstigte Jahreskarte. Wienerinnen und Wiener ab 65 Jahren bezahlen dafür bei digitaler Nutzung 294 Euro pro Jahr. Wer eine Plastikkarte möchte, bezahlt bei Einmalzahlung 300 Euro.
Die günstigste Variante kostet damit umgerechnet rund 80 Cent pro Tag. Nach Angaben der Wiener Linien besitzen bereits mehr als 150.000 Wiener Seniorinnen und Senioren eine entsprechende Jahreskarte. Das sei knapp ein Drittel der älteren Wiener Bevölkerung.
Ermäßigter Einzelfahrschein hätte Millionen gekostet
Die Wiener Linien führen noch einen weiteren Grund gegen die Fortführung des vergünstigten Seniorentickets ins Treffen. Aus Gründen der Gleichbehandlung hätten demnach auch Menschen unter 26 Jahren sowie Menschen mit Behinderung Anspruch auf entsprechende ermäßigte Einzelfahrscheine erhalten müssen.
Nach Berechnungen der Wiener Linien wäre dadurch ein zusätzlicher Subventionsbedarf von rund elf Millionen Euro pro Jahr entstanden.
Für Wienerinnen und Wiener mit geringem Einkommen stehe zudem der Mobilpass der Stadt Wien zur Verfügung. Damit solle Unterstützung gezielt bei jenen Menschen ankommen, die sie benötigen.