Online-Handel kämpft erstmals mit Umsatzrückgang

Personalmangel und Energiekosten belasten die Branche. Mit Lieferverzögerungen beim Weihnachtsgeschäft ist zu rechnen.
Autor: Rudolf Grüner, 18.11.2022 um 12:21 Uhr

Der österreichische Online-Handel durfte sich noch im letzten Jahr über ein Allzeit-Ausgabenhoch freuen, erstmals konnte bei den privaten Haushaltsausgaben (ohne KFZ-Handel) die Marke von 8,315 Milliarden Euro geknackt werden. Das entspricht einem Wachstum von zehn Prozent. Nur wenige Monate später hat sich das Bild aber drastisch gewandelt. Allein im zweiten Quartal sind die eCommerce-Umsätze hierzulande laut Statistik Austria inflationsbereinigt um 4,8 Prozent zurückgegangen, wie der Handelsverband, die Österreichische Post und die UNITO Group im Zuge der Präsentation der „eCommerce Landkarte Österreich“ erklären. Für das Gesamtjahr 2022 werden einzelhandelsrelevante Online-Ausgaben von rund 8,5 Milliarden Euro erwartet. Damit würde erstmals seit zehn Jahren ein reales Minus von drei Prozent herauskommen. Die Onlinequote im Bereich der einzelhandelsrelevanten Ausgaben dürfte von 11,9 Prozent im Jahr 2021 auf 11,6 Prozent schrumpfen.

Gewinner und Verlierer

Auf der Gewinnerseite bleiben weiter die Bereiche Health Care, Körperpflege und Kosmetik.  Ein moderates Plus dürfte es auch für Elektrogeräte geben. Rückläufige Tendenzen verzeichnet insbesondere das Segment der Mode- und Sportartikel. Der Onlinehandel kämpft aber nicht nur mit stagnierenden Umsatzzahlen, sondern auch mit der hohen Inflation, Personalmangel, sowie explodierenden Energie- und Logistikkosten. Die positive Nachricht: Trotz aller Herausforderungen und multipler Krisen setzen immer mehr heimische Händler auf die Digitalisierung. „9.000 heimische Webshops bilden den Kern der österreichischen eCommerce-Szene“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. „Mittlerweile betreiben 84 Prozent aller Einzelhandelsunternehmen des Landes eine eigene Website, um digital auffindbar zu sein und mehr als 35 Prozent verkaufen via Internet erfolgreich - auch Cross-Border.“

Online-Handel: 1.930 Euro je Österreicher

Auf Konsumentenseite ist die Zahl der Online-Shopperinnen zuletzt laut KMU Forschung Austria auf 5,4 Millionen angestiegen (plus 3 Prozent im Vergleich zu 2021). Die durchschnittlichen eCommerce-Ausgaben der ÖsterreicherInnen liegen aktuell bei durschschnittlichen 1.930 Euro im Jahr. Die Top-Warengruppen sind Bekleidung und Textilien, Elektro sowie der Möbel- und Dekobereich.

Lieferengpässe beim Weihnachtsgeschäft

Aktuell kämpfen 72 Prozent der heimischen Online- und Omnichannel-Händler mit Lieferverzögerungen und Lieferantenausfällen. Knapp zwei Drittel erwarten in ihrem Segment Lieferengpässe im Weihnachtsgeschäft. Die Verbraucher sind daher gut beraten, ihre Geschenke möglichst frühzeitig zu besorgen.

Die Monate November und Dezember sind für den heimischen Handel traditionell die umsatzstärksten Monate, die in vielen Branchen über ein erfolgreiches Geschäftsjahr entscheiden. Die Aktionstage „Black Friday" (25.11.2022) und „Cyber Monday" (28.11.2022) zählen zu den wichtigsten Shoppingterminen des Jahres und läuten das Weihnachtsgeschäft ein.

Neues Service

Im Rahmen der Pressekonferenz wurde erstmals auch die brandneue "eCommerce-Landkarte Österreich 2023" mit den 160 führenden heimischen eCommerce-Dienstleistern präsentiert. Die Karte deckt 11 zentrale Bereiche des Onlinehandels ab: Shop-Systeme, Shop-Verzeichnisse, Marktplätze & Plattformen, Payment, Bonität, Identität & Loyalty, Fulfillment, Zustellung, Analytics, Kundenservice, Gütesiegel & Rechtssicherheit sowie Enterprise & B2B Partner. Sie soll den Händlern einen kompakten Überblick über das österreichische Ökosystem Onlinehandel geben und die wichtigsten Player abbilden. Die gemeinsam von Post und Handelsverband erstellte Karte soll regelmäßig aktualisiert und weiterentwickelt werden. Dienstleister haben die Möglichkeit, sich und ihre Leistungen zu verorten.