Naschmarkt-Umbau: Mehr Bäume, mehr Beton?

Laut Masterplan wird das Flohmarktgebiet grün und multifunktional. Die Bügerinitiative spricht sich gegen die Bebauung am Bauernmarkt aus.
Autor: Rudolf Grüner, 05.12.2022 um 11:44 Uhr

Was wird aus dem Parkplatzareal beim Naschmarkt? Nach langem hin und her hat Planungsstadträtin Ulli Sima jetzt konkrete Pläne und ein neues Nutzungskonzept vorgelegt. Skeptische Anrainer und eine lokale Bürgerinitiative, die monatelang gegen eine im Raum stehende Markthalle Sturm gelaufen sind, will sie mit dem nunmehr vorliegenden Konzept, das auf einem „kooperativen Verfahren“ eines Ideenwettbewerbs basiert, ins Boot holen.

Denn aus der Sicht des Rathauses sind viele Forderungen aus der Bevölkerung erfüllt worden: Der Flohmarkt bleibt – und wird grüner. Fix sind auch ein konsumfreier Bereich und mehr Platz für regionale Produkt-Anbieter. Monika Ferdiny von der „Bürger*innen Initiative Freiraum Naschmarkt“ spricht hingegen von einem scheinbaren Schritt in Richtung Wünsche der Bürgerinnen und Bürger. Zahlreiche Aspekte würden zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar bleiben.

Umbau östlich und westlich der Kettenbrücke

Der Masterplan, der im Zuge eines EU-weiten Realisierungswettbewerbs in die Praxis übersetzt werden wird, sieht künftig zwei neuzugestaltende Flächen vor: Eine westlich der Kettenbrücke auf dem rund 12.000 m² großen Flohmarkt-Parkplatz. Sowie eine zweite auf dem östlicheren Bereich, der derzeit als Bauernmarkt genutzt wird. Die konkreten Ergebnisse sollen im Frühjahr 2023 vorliegen.

Flohmarkt-Gelände wird nicht verbaut

Eine Vorgabe ist, das Flohmarkt-Areal grüner zu gestalten. 58 Prozent der Fläche werden für einen „urbanen, begrünten gut gekühlten und nutzungsoffenen Freiraum entstehen“, wie das Büro der Planungsstadträtin in einer Aussendung mitteilt. Ziel sei es, die Kaltluftschneise entlang des Wienflusses zu aktivieren. Baumpflanzungen würden laut Rathaus aufgrund der darunterliegenden Gewölbe aber nur in den Randbereichen möglich sein. Dafür soll die Platzmitte mit weitläufigen Grünflächen und Gräsern entsiegelt werden.

Debatte um Multifunktionsfläche

Die 42 Prozent der Fläche, die für den Flohmarkt reserviert bleiben, will man multifunktional nutzen. Die Tage außer Samstag könten dann mit Freiluftkino-Events, Lesungen, Fahrrad- oder Outdoor-Yoga-Kursen bespielt werden.  

„Es ist erfreulich, dass der westliche Teil des Parkplatzes begrünt werden soll“, sagt Ferdiny. Leider sei Stadträtin Sima aber nie den Forderungen nachgekommen, die statischen Gegebenheiten der Gesamtfläche zu veröffentlichen beziehungsweise Möglichkeiten zur statischen Verstärkung auszuarbeiten. „Was sich Sima unter einer Multifunktionsfläche vorstellt und wie diese ausgestaltet werden soll, steht ebenso in den Sternen – wir können hier also noch keine Entwarnung geben", so Ferdiny.  

Das Gebiet östlich der Kettenbrücke wird mit dem „Bauernmarkt neu“ auf 5.000 m² ebenfalls neu aufgestellt. Entstehen soll dort ein „attraktives Entree“, wie Architekt Albert Wimmer, der die Planungsphase begleitet hat, betont. Im Gegensatz zum Naschmarkt-Parkplatz, sieht der Masterplan in diesem Bereich allerdings die Möglichkeit einer Bebauung vor. Der aktuell dort ansässige Bauernmarkt, sow wird betont, werde aber im aktuellen Flächenumfang bestehen bleiben.

Initiative: Stopp für weitere Gastro-Flächen

Die Initiative bleibt hier mehr als skeptisch. „Eine feste Verbauung, damit hier weitere Gastro-Angebote etabliert werden können, lehnen wir ab“, sagt Ferdiny. Aus Sicht der Anrainerinnen und Anrainer solle dieser Bereich auch in Zukunft ausschließlich Händlerinnen und Händler von Frischwaren zur Verfügung gestellt werden. „Sima muss sich hier ihrer Verantwortung für den Naschmarkt bewusstwerden und ein Gesamtkonzept für eine Belebung und Aufwertung des gesamten Naschmarkts ausarbeiten", so die Sprecherin.