Wirbel um Weltstadt-Ikea

Noch digitaler und nachhaltiger, die „Verschmelzung von Online und Offline“, ein neuer urbaner Treffpunkt 2.0: Mit diesen Versprechen zieht der schwedische Möbelgigant beim Westbahnhof ein. Der City-Ikea – verteilt auf sieben Stockwerken, die auch ein Hotel, eine frei zugängliche Dachterrasse und Dienstleistungsbetriebe beherbergen –, eröffnet mit einem neuen Shopping-Konzept, das sich zusätzlich an der urbanen Mobilitätswende orientiert. Willkommen sind vor allem Fahrradfahrer, Fußgeher und Öffi-Fans. Parkplätze vor Ort? Fehlanzeige!

„Der neue Ikea Store ist komplett autofrei“, sagt Maimuna Mosser, Country Business Development Managerin bei IKEA Österreich. So würden man rund 350.000 Autofahrten im Jahr einsparen können.

Bezirksvorsteher im Clinch mit der Citypolitik

Dass nicht jeder Einkäufer umweltfreundlich beim Schweden vorbeischaut, glaubt man im Grätzel allerdings nicht. Das Rathaus hatte ursprünglich auch ein Verkehrskonzept versprochen, das verstopfte und zugeparkte Straßenzüge verhindern soll, geworden ist daraus aber nichts. Nun zieht der Bezirksvorsteher von Rudolfsheim-Fünfhaus, Gerhard Zatlokal, die Bremse. Aus Unmut über die fehlende Unterstützung werde er bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten, richtet er seinen Parteikollegen aus. Bei der Bevölkerung entschuldigt er sich via Social Media, dass er die im Zuge des Bürgerbeteiligungsprozesses erarbeiteten und ins Wahlprogramm eingeflossenen Versprechen aus der letzten Wahl nicht halten könne.

 

Wenn die Stadt nicht will, steht alles still, außer der IKEA-Verkehr. Diese leidvolle Erfahrung müssen die BewohnerInnen...

Gepostet von Gerhard Zatlokal am Montag, 23. August 2021

Protestaktion geplant

Wellen schlägt der neue Standort nicht nur in der Stadt- und Bezirkspolitik: Rund um die Eröffnung wollen sich unter die Schau- und Shoppinglustigen auch Vertreter einer Bürgerinitiative mischen. Ihr Protest auf der Straße richtet sich gegen die „grüne Fassade“ des Konzerns, wie es in einer Aussendung heißt. Unter dem Motto „Außen hui, innen pfui“ wollen sie auf illegale Holzrodungen, Landraub und Menschenrechtsverletzungen hinweisen, hinter denen der weltweit tätige Filialist stehen soll.

Autor: Rudolf Grüner, 25.08.2021