Neues Tool: Erfolgreich übersetzen mit Hilfe von KI

Anbieter, die sich gegen Amazon und Co. in Stellung bringen wollen, sind gut beraten, die Sprache ihrer Konsumenten zu sprechen, um auf den ersten Klick zu überzeugen. Und die kann sehr unterschiedlich sein, wie alleine die Unterschiede zwischen bundesdeutschen und österreichischen Formulierungen beweisen.

„Messen und persönliche Gespräche bleiben auf absehbare Zeit die Ausnahme. Das Neukundengeschäft verlagert sich ins Internet. Mit der richtigen Formulierung, die Vertrauen bei den Kundinnen und Kunden schafft, verkaufen sich Produkte in unterschiedlichen Märkten besser“, sagt Connect-Translations-Gründer Leopold Decloedt bei einem Mediengespräch. Mit RecogSense hat er ein smartes Übersetzungs-Tool entwickelt, das menschliche und künstliche Intelligenz zusammenführt, um kultursensible und zielgruppenaffine Texte zu formulieren, die zu besseren Verkaufserfolgen im eCommerce führen.

Porträt von Dr. Leopold Decloedt

Texte werden nicht nur anhand regionaler Spezifika übersetzt, sondern auch gleich für Suchmaschinen optimiert. Dadurch ergibt sich einerseits eine bessere Platzierung und Auffindbarkeit der angebotenen Produkte und Dienstleistungen, andererseits auch eine deutlich höhere Conversion-Rate. Connect Translations ist für rund 1.000 Kunden tätig. Erstkunden, die für ihre Übersetzungen bereits auf RecogSense setzen, können kurzfristige Umsatzsteigerungen von bis zu zehn Prozent im eCommerce und eine um 20 Prozent gewachsene Conversion-Rate verzeichnen.

Websites und die Sprache ihrer Zielgruppe

„Die Customer Journey im Internet verläuft entlang der Wegpunkte finden, verstehen, vertrauen und letztlich kaufen. Sprache ist der wesentliche Faktor, um gefunden, verstanden und gekauft zu werden“, erklärt WU-Professor Dieter Scharitzer. „Die Ausdrucksweise verrät viel über die Marke und ihr Verhältnis zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Deswegen ist sie ein entscheidendes Kriterium, ob die Reise zum Kaufabschluss fortgesetzt oder sehr schnell wieder abgebrochen wird.“

Porträt des WU Professors Dieter Scharitzer

Rückgänge im stationären Handel können durch professionelle Digitalauftritte sogar überkompensiert werden. Während das klassische Schaufenster in der Fußgängerzone die Möglichkeit bietet, Konsumenten in einem nahezu werbefreien und aufmerksamkeitsstarken Umfeld auch haptisch anzusprechen, steht das digitale Schaufenster am Smartphone-Display vor ganz anderen Herausforderungen. Permanente Ablenkung, eine kleine Bildschirmgröße und unzählige Werbebotschaften machen es wesentlich schwieriger, die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu gewinnen und sie auf emotionaler Ebene abzuholen. Umso größer ist der Stellenwert der richtigen Formulierung, um auf den ersten Blick und in einem unpersönlichen Umfeld zu überzeugen. Trotzdem bieten richtig formulierte eCommerce-Angebote wesentlich höhere Absatzmöglichkeiten. Das gleiche Produkt kann nahezu grenzenlos verkauft werden, ohne hohe Investitionen in die Vertriebskanäle zu tätigen.

„Eine Website in zwanzig Sprachen, mit kultursensiblen und zielgruppenaffinen Formulierungen ist der Turbo für den internationalen Erfolg und die Neukundengewinnung über die Landesgrenzen hinaus“, so WU-Professor Scharitzer.

Rund 60 Prozent der Websites sind laut einer aktuellen Studie aus Deutschland derzeit nicht auf die Zielgruppe und deren Sprachverhalten ausgerichtet, wodurch den Unternehmen beträchtliche Umsätze verlorengehen. Holprig formulierte und fehlerhafte Texte und Übersetzungen erwecken häufig den Verdacht, dass es sich um Abzocke und Fake News handelt, womit das Vertrauen der User und Kunden im ersten Satz verloren geht.

Bei Onlinesuche auf den hinteren Plätzen wegen unsensibler Sprache 

Neben dem hohen Vertrauen der Konsumenten gewinnen Unternehmen durch zielgruppenaffine und kultursensible Sprache auch im Ranking der Suchmaschinen. Entgegen der verbreiteten Meinung, dass Google und Co. die Sprache prägen würden, lernen die Suchmaschinen die Sprache der Menschen.

Immer mehr Menschen suchen über Sprachassistenten wie Siri, Alexa, Cortana und ihre digitalen Kollegen. Dabei verwenden sie Umgangssprache und Dialekte, die von den Suchmaschinen nur gefunden werden, wenn die Inhalte auf der Website kultursensibel und zielgruppenaffin abgebildet sind. Sprachassistenten müssen künftig auch wissen, wie sie auf die Frage nach dem „Beisl ums Eck“ oder den „Brantweiner“ antworten. Wer diese Begriffe bereits auf seiner Website anführt und damit Lokalkolorit zeigt, macht einen Quantensprung bei den Suchergebnissen.

„Der Vormarsch der Sprachassistenten macht zielgruppenaffine und kultursensible Übersetzungen noch wichtiger. Pensionisten und Teenager formulieren eine Frage komplett unterschiedlich, wollen aber das gleiche Ergebnis bekommen. Nur wer all seine Konsumentinnen und Konsumenten versteht, kann sie auch gezielt ansprechen“, so Decloedt.

Autor: Andrea Schröder , 29.07.2020