„Die Impfung ist ein Geschenk“

Das schwierige in einer Pandemie ist immer die Ungewissheit: Doch Corona kann unter Kontrolle gebracht werden: Die Stadt setzt auf Zusammenarbeit, kommunale Spitäler auf zielsichere Versorgung. Was es noch braucht? Eine hohe Impfbereitschaft, sagen Ursula Karnthaler, COVID-19- Projektleiterin im Gesundheitsdienst der Stadt Wien, und Martin Binder, Medizinischer Direktor im Wiener Gesundheitsverbund.  Ihr Appell: „Gehen Sie impfen!“

weekend: Sie beide sind Mitglied im Corona-Krisenstab der Stadt: Wie managt man eine Pandemie?

Ursula Karnthaler: Indem alle Player effizient zusammenarbeiten, vorplanen und nicht nur Symptome bekämpfen: Das beginnt bei der Information und endet beim Impfen. Nur so kann man die Bevölkerung schützen – und letztendlich die Last auf die Krankenhäuser gering halten.

Ursula Karnthaler im Gespräch | Credit: Katharina Schiffl

weekend: Operation geglückt?

Michael Binder: Wir sind für jene Personen da, die schwer erkranken – mit oder ohne Corona. Und entsprechend gerüstet: egal ob die Pandemie nun eskaliert oder abebbt. In den Hochphasen der Belastung haben wir auch eng mit den Privatkrankenanstalten zusammengearbeitet, die über 1.000 Operationen übernommen haben. So konnten Wartezeiten auf viele Eingriffe wesentlich reduziert werden.

In den Hochphasen der Belastung haben wir auch eng mit den Privatkrankenanstalten zusammengearbeitet, die über 1.000 Operationen übernommen haben.

weekend: Apropos warten: Was sagen Sie jenen, die in puncto Impfen noch unschlüssig sind?

Michael Binder: Delta dominiert, die vierte Welle ist bereits da. Vertrauen Sie den Ärzten: 95 von 100 Mediziner im Gesundheitsverbund sind bereits vollimmunisiert. Die Impfung für alle über 12 ist ein Geschenk – nicht nur weil sie gratis ist, sondern auch vor schweren Verläufen schützt.

Die vierte Welle ist bereits da. Vertrauen Sie den Ärzten: 95 von 100 Mediziner im Gesundheitsverbund sind bereits vollimmunisiert.

weekend: Wie kann man die Leute noch abholen? 

Ursula Karnthaler: Die Menschen sollen es so einfach und bequem wie möglich haben. Wir müssen sie in ihrer Lebensrealität abholen: im Steffl wie im Shopping-Center. Und die Stadt baut ihr engmaschiges und niederschwelliges Impf-Netz noch weiter aus. Beispielsweise planen wir „Stich-Stellen“ an den Bahnhöfen.  Ich appelliere an alle: Kommen Sie vorbei! Nur so können wir weitere Lockdowns vermeiden, die die wirtschaftliche, physische und psychische Substanz von uns allen angreifen.

Wir müssen die Menschen abholen: im Steffl wie im Shopping-Center. Und die Stadt baut ihr engmaschiges und niederschwelliges Impf-Netz noch weiter aus. Beispielsweise planen wir „Stich-Stellen“ an den Bahnhöfen. 

weekend:  Die Pandemie hat unseren Alltag verändert – auch den Ihren?           

Michael Binder: Ohne Frage, aber auch zum Positiven. Das bekommen vor allem unsere Patienten zu spüren. Die Pandemie ist ja klarer Treiber beim Thema E-Health.  Der Schub bei der Info-Technologie erlaubt uns elektronische Sprechstunden. Und mit den Terminambulanzen können wir die Dichte in den Krankenhäusern und damit auch die Ansteckungsgefahr möglichst gering halten.

Michael Binder im Gespräch | Credit: Katharina Schiffl

Die Pandemie ist klarer Treiber beim Thema E-Health. 

weekend: Was wird Sie noch länger beschäftigen?

Michael Binder: Herausfordernd wird die Betreuung der Post-Covid-Patienten sein. Hier sind wir bereits auf einem guten Weg, leitliniengerecht Unterstützung anbieten zu können.

Michael Binder ist Medizinischer Direktor im Wiener Gesundheitsverbund. Seine Botschaft: Fakten vertrauen, Mythen hinterfragen. Infos & News unter: info.gesundheitsverbund.at

Ursula Karnthaler ist Covid-19-Projektleiterin im städtischen Gesundheitsdienst. Für Fragen empfiehlt sie die Corona-Hotline 0800 555 621 und den WienBot unter: coronavirus.wien.gv.at

Autor: Rudolf Grüner, 31.08.2021