Neues Tor zur Stadt: Die Bahnhofstraße

Die Dornbirner Bahnhofstraße war bereits in der Geschichte für Dornbirn sehr bedeutend oder wie Stadtarchivar Werner Matt erläutert: „Generell ist die Bahnhofstraße jene Straße, durch die Dornbirn zur Stadt geworden ist.“ Mit ihrem Bau wurde das damals größte Dorf der Monarchie noch interessanter für moderne, städtische Dienstleister. Der Bahnhof bot durch die Anbindung mit der elektrischen Tram die Nutzung eines modernen Verkehrsmittels. Die Tram fuhr bis 1938 und wurde dann durch die Postbusse ersetzt. Die Bahnhofstraße verband den Bahnhof und den Marktplatz miteinander und war vielfach Ort gesellschaftlicher und zeitgeschichtlicher Ereignisse – wie z.B. der Auszug der Dornbirner Standschützen während des 1. Weltkrieges. Heute ist der Dornbirner Bahnhof mit rund 28.000 Ein- und Aussteigern von Bahn und Bus einer der meistfrequentierten Plätze Vorarlbergs.

 

Tourismus

Der 1872 erbaute Bahnhof Dornbirn wurde nicht nur von der Textilindustrie begrüßt und intensiv genutzt. Hier wurden Waren empfangen und versendet, Rohstoffe wie Baumwollballen, Kohle und Koks zum Betrieb der Dampfmaschinen transportiert. „Zudem förderte die Vorarlbergbahn auch den Fremdenverkehr. Sichtbare Zeichen dafür waren die beiden großen Hotels - das Hotel Weiss direkt am Bahnhof und das Hotel Rhomberg – die heutige Landesversicherung“, berichtet Stadtarchivar Matt. Das alte Weiss-Villengebäude wurde 1887 von einem Bozner Bürger erbaut und als Weinstube mit Café, von 1892 bis 1917 als Hotel und dann als Privathaus genutzt. Die heutigen Eigentümer planen ein Stadthotel mit dem Namen „the flint Dornbirn”. Unter Einbeziehung des alten Gebäudes und eines zehnstöckigen Anbaus sollen 71 Hotelzimmer und 138 Betten für bis zu 140 Hotelgäste entstehen.

Bildung

Baumpflanzungen entlang der Straße und eine neue Straßenbeleuchtung ergänzen demnächst die Neugestaltung, die an das einstige boulevardartige Erscheinungsbild anknüpft. Damals wie heute reihen sich in der Bahnhofstraße geschichtsträchtige Gebäude, frequentierte öffentliche Einrichtungen, sowie Dienstleister, Geschäfte, Gastronomie und Wohngebäude etc. Eine der bedeutendsten Einrichtungen Vorarlbergs für die Aus- und Weiterbildung, der WIFI-Campus, hat hier ebenso ihren Sitz wie die Vorarlberger Landesversicherung, die altehrwürdige Dornbirner Sparkasse oder die sich aktuell ebenfalls im Umbau befindliche BAWAG. Mit dem Caritas-Wirkraum wurde erst heuer ein moderner Ort der Begegnung, der innovativen Ideen und spannenden Geschichten eröffnet. Aktuell müssen der popup-Store und der offene Kleiderschrank leider pausieren doch baldmöglichst soll der Wirkraum in der Bahnhofstraße 9 wieder als Ort des Dialogs offenstehen.

Entlastung

Die bessere städtebauliche Anknüpfung vom Bahnhof in die Innenstadt mit dem Schulbezirk war ein langgehegter Wunsch der Stadt Dornbirn. DI Stefan Burtscher (Stadtbauamt): „Die städtebauliche Achse zwischen Bahnhof und Innenstadt wurde maßgeblich aufgewertet. Landbusse und ÖBB sind wichtige Zubringer zur Innenstadt. Es werden nach dem Koexistenzprinzip maßgeblich mehr Flächen zum Aufenthalt, zum Laufen und Radfahren zugeordnet.“ Die neue geregelte Verkehrsführung rund um den Bahnhof verlegt den Durchgangsverkehr auf die Hauptachsen wie beispielsweise die Stadtstraße, hält jedoch die Zufahrtsmöglichkeiten zum Bahnhof offen. Für den Busverkehr aber auch für Fußgänger und Radfahrer kam es zu einer erheblichen Entlastung. Mit einem großzügigen Gehsteig westseitig entlang der Bahnhofstraße wird die Lindenkreuzung entlastet und leistungsfähiger. Querende Fußgänger werden verstärkt auf den Schutzweg der Moosmahdstraße gelenkt.

Innovation

Die Bank für Tirol und Vorarlberg hat am Lindengrund ein architektonisch attraktives Ensemble aus zwei Bauten realisiert. Der Innovation Hub weXelerate betreibt hier auf vier Stockwerken ein eigenes „Lab“, einen Eventspace und Büros, die die Vernetzung und Steigerung der Innovations-Fähigkeit von Unternehmen forcieren sollen. In unmittelbarer Umgebung der Lindenkreuzung sorgen auch die Vorarlberger Jugendinfo aha und „die wirtschaft“ im WIFI-Campus für eine Belebung der Bahnhofstraße. Sobald es wieder möglich ist, wird Gastgeber Wolfi Preuss sein Veranstaltungsprogramm das Dinner & Comedy, Konzerte und Events kulinarisch verknüpft, weiterführen. Auch Foodtruck Eugen, der mit Essen & Trinken auf Achse ist, soll dann wieder Fahrt aufnahmen. Kulinarisch stehen aktuell auch die Elfenküche mit feinen Suppen und Eintöpfen und die Pizzeria Da Luigi für Abholservices in der Bahnhofstraße zur Verfügung.

Historisch

Zu einer Stadt zählen auch die dunklen Seiten. So fand einer der ersten Banküberfälle Österreichs in Dornbirn statt. In der Bahnhofstraße 4 befand sich seinerzeit eine Wechselstube der Familie Rhomberg, die 1912 überfallen wurde. Ein junger Arbeitsloser bedrohte den Geschäftsinhaber mit einem Revolver, der Gendarm fuhr dem Räuber und seiner Beute mit dem Fahrrad und Säbel hinterher und konnte ihn überwältigen. Der junge Mann fasste 4 Jahre Kerker aus... Die historische Bahnhofstraße zog mit ihren Geschäften und attraktiven Angeboten – dem Kleidungshaus Reichart, dem Gasthaus Linde, den beiden Hotels oder der Vorarlberger Gasgesellschaft, viele Kunden an.

Sicherheit

„Je positiver und moderner die Gestaltung, desto besser wird das neue Gesicht der Stadt“, freut sich die Werbegemeinschaft inside Dornbirn. An Bahnhöfen sammelt sich alles, was in die Stadt kommt, das Gute, wie das weniger Gute. Das Bezirkspolizeikommando Dornbirn und die Polizeiinspektion Dornbirn werden bis Jahresende in einem Neubau am Bahnhof zusammengeführt. Pendler, Reisende, Passanten, Anrainer und Geschäftsleute der Umgebung sollen sich im Bahnhofsquartier und der Bahnhofstraße wohl und sicher fühlen. Das Tor zur Stadt glänzt wieder neu.

Autor: Claudia Weiss, 11.11.2020