Die Forschende: Dr. Katrin Paldán

Sie lehrt im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege zum Thema Assistenzlösungen und untersucht, wie Technik einen Beitrag zum gelingenden Altern leisten kann.
Autor: Weekend Magazin Vorarlberg, 27.09.2022 um 15:13 Uhr

Weekend: Warum setzen Sie sich mit dem Thema Gerontologie auseinander?
Dr. Katrin Paldán:
Man wirft einen Blick in die Zukunft, wir werden alle älter oder haben betagte Verwandte. Wir benötigen individuelle, soziale, ökonomische und auch technische Lösungen für unsere alternde Gesellschaft. Mich interessieren die nutzerzentrierte Gesundheits- und Pflegetechnologie sowie die ethische Dimension dahinter. Deswegen sitze ich auch in der Forschungsethikkommission der FHV, die sich mit ethischen Fragestellungen eingereichter Forschungsprojekte auseinandersetzt.

Weekend: Was ist in Ihrer Forschung wichtig?    
Dr. Katrin Paldán:
Ich möchte die Menschen an der Gestaltung neuer Systeme teilhaben lassen, sie reinholen, wenn wir z.B. einen Prototyp ausprobieren – von der Web-Applikation bis zu einem neuen Lichtschalter. Das Feedback der Nutzer:innen ist wichtig, die Einladung an Partner wie MoHi, Krankenpflegeverein etc. wesentlich. Das Menschliche muss stets absolut im Vordergrund, die Technik im Hintergrund stehen. Sie trägt dazu bei, dass die Pflegekräfte in punkto Dokumentation entlastet werden. Ein neuestes Projekt, dessen Leitung die FHV hat und bei dem wir mit der Connexia zusammenarbeiten, ist TeleCareHub, ein österreichweites Leitprojekt.

Weekend: Welchen Ansatz verfolgt das Projekt?
Dr. Katrin Paldán:
TeleCareHub ist ein Netzwerk für digitale Unterstützung in der Pflege welches die Akteur:innen miteinander zusammenführt und Angebote und Lösungen zur eigenständigen Nutzung bietet. Es richtet sich vorwiegend an ältere Menschen, die möglichst lange und selbständig daheimbleiben wollen, sowie an die Angehörigen und professionell Pflegenden, die über eine Webplattform auf vielfältige Hilfen zurückgreifen können. Wir entwickeln keine Apps bis zur Marktreife, sondern erforschen die Möglichleiten und ziehen Erkenntnisse. Diese werden Unternehmen zur Verfügung gestellt, welche das Produkt weiterbetreiben und auf den Markt bringen.

Weekend: Welchen Nutzen hat diese Plattform?
Dr. Katrin Paldán:
Informationen zum richtigen Verhalten in Stress-Situationen,  Krankheitsbilder oder Vitalparameter, wie Blutdruck, Puls, Zuckerwerte etc., können abgerufen oder automatisch an eine Pflegestation oder die Arztpraxis weitergeleitet werden. Eine automatische Sturzerkennung und automatische Erkennung von Veränderungen des Krankheitsbildes mit Benachrichtigung an Vertrauenspersonen sorgen für Sicherheit. Erinnerungshilfen wie Apps, die z.B. blinken wenn die Tabletteneinnahme nötig ist, helfen den Alltag zu bewältigen. Unser Anspruch ist zum Beispiel eine gute Lesbarkeit dank hohem Kontrast etc.

Weekend: Wie erleben Sie den Forschungsstandort Dornbirn?    
Dr. Katrin Paldán:
Ich habe mich ins Ländle verliebt und bin gut in der Arbeit angekommen. Das Umfeld ist agil und innovativ, gleichzeitig bodenständig. Ich schätze die unterschiedlichen Disziplinen an der FHV, die in einem Feld miteinander arbeiten – Expert:innen aus Psychologie, Sport- und Gesundheitswissenschaft, Mechatronik und Informatik – so gehen wir gesellschaftliche Herausforderungen an und können digitale Lösungen entwickeln.

Zur Person: DR. KATRIN PALDÁN
Senior Researcher FHV

  • Jahrgang 1980, aufgewachsen in Neckarsulm
  • Familienstand: in Partnerschaft, 1 Kind
  • Werdegang: Studium der Sportwissenschaften (Uni Stuttgart), Tätigkeit in Agenturen, Sportevents etc.  und wissenschaftliche Mitarbeiterin, berufsbegleitende Promotion, rief Gerontologie-Studiengang ins Leben.; Forschung an der Uni Duisburg-Essen, Gesundheitsmonitoring, seit 2019 an der FHV, Senior Researcher
  • Hobbies: Outdoorsport, Wandern, Radeln, Bergsteigen