Transplantationen und Stammzellen retten Leben

Die  Kennzahlen von 2020 sind gar nicht so schlecht: 2019 wurden 720 Transplantationen in Österreich durchgeführt, 2020 waren es immerhin 672. Das bedeutet einen Rückgang von rund sieben Prozent. „Zu den beiden Lockdown-Zeiten gab es einen deutlichen Einbruch, dazwischen konnten wir aber einiges abfedern“ erklärt Stephan Eschertzhuber, Transplantationsreferent für Österreich West und Primar der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin am LKH Hall. Gewisse Organe wurden teilweise gar nicht mehr transplantiert, so etwa Nieren – da es keine Intensivbettenkapazitäten gab und man eine weitere Gefährdung der Transplantationspatienten verhindern wollte

Herausforderung Nummer eins war zunächst, dass weder Spender noch Empfänger an COVID-19 erkrankt sein durften, erinnert sich Eschertzhuber. „Eine Herausforderung waren aber auch die unterschiedlichen Anforderungen in den verschiedenen Ländern – die Warteliste wird ja länderübergreifend von Eurotransplant geführt. Wenn die Teams also in ein anderes Land mussten um das Organ zu holen, war das schwierig. Aber es war mitunter auch schon schwierig, wenn wir ein Organ z.B. in Salzburg holen mussten. Auch hier gab es strenge Auflagen für betriebsfremde Personen, die ins Krankenhaus wollten z.B. aktuelle Antigen-Abstriche der Entnahmeteams etc. Die Logistik war eine Challenge.“

Denn auch wenn derzeit die Uhren etwas anders ticken - es passieren weiterhin Unfälle und Menschen werden krank. Und die Rechnung ist laut Eschertzhuber einfach: „Zu Jahresende 2020 standen 757 Patienten auf der Warteliste. Wenn man bedenkt, dass pro Jahr zwischen 650 und 750 Patienten transplantiert werden, dann ist klar, dass jedes Jahr Menschen sterben, weil sie kein Organ bekommen.“ 

Der Mediziner hofft, dass sich die Situation bald wieder etwas entspannt – aber vor allem auch, dass sich Menschen mit dem Thema auseinandersetzen: „In Österreich gilt die Widerspruchsregelung – wenn man nicht widerspricht, dann ist man automatisch Organspender. Die Widerspruchsrate liegt aber bei 20 Prozent – und zwar nicht aufgrund des Widerspruchsregisters sondern des durch Angehörige übermittelten Widerspruchs. Wenige Leute machen sich zu Lebzeiten darüber Gedanken oder reden darüber – so bleibt die endgültige Einschätzung oft bei den Angehörigen, was der Wille des Verstorbenen gewesen sein könnte.“

Das Thema Gesundheit ist bei den Tirolern generell aktuell sehr präsent – das merkt auch das Rote Kreuz Tirol. „Einige Blutspendeaktionen mussten abgesagt werden, aber generell bemerken wir einen enormen Zulauf seit Corona“, erzählt Manfred Gaber, Leiter des Blutspendedienstes in Tirol. 700 Spenden pro Woche zählt das Rote Kreuz in Tirol, „weil die Krise auch ein Zusammenhalten bewirkt. Zudem gibt es auch einen kostenlosen Antikörpertest dazu. Das motiviert zusätzlich. teilweise stehen die Leute ein bis zwei Stunden in der Kälte und warten“, so Gaber. 

Stammzellen. Bei den Blutspendeaktionen haben die Mitarbeiter normalerweise auch immer Sets zur Stammzellenregistrierung dabei – das geschieht ganz simpel mittels Wangenabstrich. Vor Corona gab es noch eine große Typisierungsaktion – doch damit war dann Schluss. Aktuell kann man sich hier ein Set nach Hause bestellen und dann retour schicken. „Der Abstrich ist ganz einfach selbst zu machen und ist auch nicht unangenehm wie der Nasenabstrich“, versichert Gaber und hofft auf noch ganz viele Tiroler, die sich registrieren lassen: „80 Prozent der Spender findet man im familiären Umkreis, aber ansonsten ist die Chance extrem gering, einen passenden Spender zu finden – sie liegt bei gerade einmal 1: 500.000.“ Aktuell sind 70.000 Spender österreichweit registriert.

Autor: Alexandra Nagiller, 08.02.2021