Tirols Tourismus bilanziert Sommer positiv, Winter bringt Herausforderung

Tirol bleibt als Urlaubsland gefragt. Die bisherige Sommersaison von Mai bis September hat sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch der Vor-Corona-Zeit ein Plus bei den Nächtigungen gebracht. Ebenfalls gewachsen ist nach einer ersten Berechnung die Wertschöpfung. Für den kommenden Winter gilt das Thema Energie als große Herausforderung. Die Branche ist angesichts der Buchungslage dennoch zuversichtlich.
Autor: Claudia Isaza-Montoya, 04.11.2022 um 01:13 Uhr

20,1 Millionen Übernachtungen bedeuten ein Plus von 14,9 Prozent gegenüber 2021 und von 1,5 Prozent gegenüber 2019. Bei den Gästeankünften zeigt sich ein differenziertes Bild: 5,4 Millionen im aktuellen Sommer bedeuten ein Plus von 25 Prozent gegenüber 2021, aber ein leichtes Minus von 2,4 Prozent im Vergleich zu 2019. Entsprechend verläuft die Entwicklung der Aufenthaltsdauer. Diese liegt im bisherigen Sommer bei durchschnittlich 3,8 Tagen und ist damit zwar niedriger als im Vorjahr (4,1 Tage), aber weiterhin höher als vor der Pandemie 2019 (3,6 Tage).

Sommertourismus fördern

Für Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, untermauert die zu Ende gehende Saison ein wesentliches Ziel: "Wir wollen den Sommer weiter stärken, damit er vor allem wirtschaftlich zum Winter aufschließt." Sechs von zehn Euro wurden im Tiroler Tourismus bislang im Winter verdient. "Unser Ziel ist es daher, den Sommertourismus noch mehr in Wert zu setzen, wie das auch in unserer Strategie Tiroler Weg verankert ist."

Deutsche Gäste bringen Wachstum

Zu verdanken ist das Nächtigungsplus in diesem Sommer zu einem großen Teil den deutschen Gästen, auf deren Konto fast sechs von zehn Nächtigungen in Tirol gehen. Ihre Übernachtungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um rund 800.000 (+7,3 Prozent) und zu 2019 um 1,1 Millionen (+10,0 Prozent) auf 11,9 Millionen zu. Ebenfalls positiv entwickelt hat sich der Markt Niederlande. 1,7 Millionen Nächtigungen bedeuten ein Plus von 13,4 Prozent zum Vorjahr und von 7,8 Prozent zu 2019. Bei den Gästen aus Österreich gab es mit zwei Millionen Nächtigungen einen leichten Rückgang von 2,0 Prozent verglichen mit dem Vorjahr und von 0,5 Prozent im Vergleich zu 2019.

Zuversicht für den Winter

Die gute Entwicklung aus dem Sommer soll sich im Winter fortsetzen. "Laut Tourismusbarometer sind fast drei Viertel der Betriebe mit der Buchungslage für die kommende Wintersaison sehr zufrieden oder zufrieden", erläutert Gerber. Die größten Erwartungen ruhen auch hier auf dem Markt Deutschland: 85 Prozent der Befragten sind mit der Buchungslage deutscher Gäste zufrieden bzw. sehr zufrieden.

Energiekosten als Herausforderung

Verhaltener ist die Stimmung in puncto Umsatzerwartung. Knapp 40 Prozent rechnen damit, die Umsätze aus dem Vorjahr halten zu können, ein gutes Viertel erwartet ein Umsatzplus. 30 Prozent rechnen hingegen mit Einbußen. Für Gerber ist das ein klarer Hinweis auf die großen Herausforderungen im kommenden Winter. "Insbesondere die massiven Steigerungen bei den Energiekosten, die zum Teil mehr als das Zehnfache des bisherigen Preises betragen, wirken sich hier aus. Ich bin mir dieser großen Belastung für die Betriebe selbstverständlich bewusst und werde mich mit vollem Elan für die Branche einsetzen", so Gerber.

Zudem sorgen Krisen und Teuerung für Unsicherheit bei den Gästen. "Diese warten teilweise sehr lange mit der Reiseentscheidung, daher müssen wir diesen Winter mit sehr kurzfristigen Buchungen rechnen", macht Seiler deutlich. Die Mehrheit der Tiroler Unterkunftsbetriebe reagiert darauf laut Tourismusbarometer mit flexiblen Stornoregelungen, um Urlauberinnen und Urlaubern zu frühzeitigen Buchungen zu animieren.