Tierisch cool: Ein Blick in die Tiroler Tierheime

und 20.000 Mitglieder verzeichnet der Tierschutzverein für Tirol. Eine beachtliche Menge, und das ist auch gut so, denn Arbeit geht den Helfern nie aus. Gerade das heurige Jahr hat den Verein, der die vier Tierheime in Mentlberg (Innsbruck), Wörgl, Schwaz und Reutte betreut, vor große Herausforderungen gestellt.
In Corona-Zeiten. „Zunächst hatten wir die Sorge, dass mehr Tiere abgegeben werden“, erinnert sich Geschäftsführerin Kristin Müller. Doch das Gegenteil war der Fall: „Im Schnitt gab es rund 20 telefonische Anfragen pro Tag bzgl. eines Hundes während des Lockdowns. Teilweise waren die Anrufer sogar so frech und meinten, dass sie den Hund eh nur für diese Zeit brauchen und dann zurückbringen.“ Seit 14. April gibt es nun nach telefonischer Vereinbarung wieder Termine, um Tiere kennen zu lernen. Und auch das Gassi-Programm gibt es wieder: Montag bis Freitag von 9 bis 11.30 Uhr und am Wochenende können die Vierbeiner abgeholt werden – aber nur nach tel. Voranmeldung. „Die Nachfrage ist aktuell so groß, so viele Hunde haben wir gar nicht“, so Müller.
Voller Einsatz. Und wie hat sich die Arbeit der Pfleger verändert? Weniger zu tun ist nicht, private Abgaben sind zwar weniger geworden, aber es gibt durchaus noch immer Beschlagnahmungen – und erst vor kurzem wurde ein illegaler Welpentransport in Tirol gestoppt. Die Tiere sind aktuell in Wörgl untergebracht. „Der Amtstierarzt entscheidet, ob die Käufer die Tiere bekommen oder ob wir die Tiere vermitteln. Meistens landen die Welpen bei uns, denn sie benötigen intensive Pflege, für die die Verkäufer aufkommen müssten – und die meisten wollen das nicht“, erklärt die Expertin.

Viele positive Erlebnisse. Doch es gibt auch viele schöne Erlebnisse, selbst heuer: „Wir haben seit zwei Jahren eine Hündin am Mentlberg, die Aggressionsprobleme hat und dringend ein neues Hüftgelenk braucht. Heuer haben wir eine Pflegestelle gefunden. Denn während der Genesungszeit braucht sie besondere Zuwendung – und wenn alles gut geht, wird das ein Endplatz.“, freut sich Kristin Müller. .
Bitte tierlieb! In Sachen Tierschutz sieht sie dennoch noch Potential in der Bewusstseinsbildung. „Die Zahl der beschlagnahmten Fälle steigt – und hier spreche ich nicht von Animal Hoarding, sondern gesunden Privatpersonen, die sozial nicht isoliert sind, sondern das Tier einfach wollten, ohne die Bedürfnisse des Tieres berücksichtigen zu wollen.“ Und leider kommt es auch immer wieder zu Tierquälerei: „Vor zwei Wochen fanden wir bei der Arche, unserer anonymen Tierabgabestelle, einen Rucksack mit einer schwer verletzten Katze. Es war sehr heiß, sie hatte mehrere Brüche und ein Auge war zerstört. Eine Dame hat angerufen und gesagt, dass sie das Tier verletzt gefunden hat. Drei Stunden später hat sie sich nochmals gemeldet und erzählt, dass ihr Freund die Katze getreten hat.“ Heute geht es der Katze zum Glück schon etwas besser. Das Auge musste entfernt werden und noch eine OP zum Entfernen der eingeschlagenen Zähne ist nötig. Aber sobald sie gesund ist, findet sie hoffentlich einen guten Platz.
Wildes Tirol. Übrigens: Auch „Exoten“ finden sich im Tierheim, so wie Wildtiere, Reptilien und Tiervögel. „Wir arbeiten hier eng mit dem Alpenzoo zusammen, wir übernehmen z. B. manchmal heimische Singvögel, der Alpenzoo übernimmt Greifvögel“, so Müller. Tipp: Die Tierheime Mentlberg und Wörgl betreiben jeweils ein Notruftelefon, welches freiwillig von den Tierpflegern nebenbei betreut wird, und zwar außerhalb der Bürozeiten von 6 bis 23 Uhr. Wer nun noch mehr erfahren will: am besten auf der Homepage vorbei schauen: www.tierschutzverein-tirol.at

Autor: Alexandra Nagiller , 02.10.2020